Becker professional.6 LMU

Becker professional.6 LMU (Bild: Becker)

Der neueste Wurf aus dem Hause United Navigation im Test: das Becker professional.6 LMU. Ein Navi mit einer Besonderheit. Bei ihm kommen zwei drahtlose Schnittstellen zum Einsatz: Bluetooth und WiFi.

Becker professional.6 LMU Test: Technik

Über die beiden Schnittstellen läßt sich das professional.6 LMU mit einem Smartphone verbinden. Via Bluetooth wird es als Freisprecheinrichtung eingesetzt, via WiFi werden Echtzeit-Informationen abgerufen. Die Becker Link2Live Echtzeit-Dienste stellen Verkehrsinformationen bereit und ermöglichen eine Online POI-Suche. Für die Live-Dienste greift das Becker auf die Internetverbindung des Smartphones zu, eine Datenflatrate sollte also im Mobilfunkvertrag enthalten sein. Der Datenverbrauch hält sich allerdings sehr in Grenzen.

Das erstmalige Einrichten der Verbindungen zu einem Smartphone funktioniert problemlos (getestet wurden verschiedene Android-Geräte), nach dem Einschalten des Beckers stehen die Bluetooth- bzw. WiFi-Verbindung zuverlässig zur Verfügung. Die Sprachqualität der Freisprecheinrichtung reicht für längere Telefonate, gut gefällt der Funktionsumfang, weniger gut das Starten eines Telefonats. Dazu ist ein Wechsel in das Hauptmenü nötig, besser wäre – analog zur Sprachsteuerung – ein schnell erreichbarer Button auf der Kartenseite oder sogar eine Integration in die Sprachsteuerung.

Zum Befestigen im Fahrzeug liefert Becker eine praktische Aktivhalterung mit. Das professional.6 LMU wird mittels eines sehr starken Magneten an dem MagClick Aktivadapter befestigt. Der Aktivadapter läßt sich von der Saufgnapfhalterung abnehmen und mittels HR Haltertechnik an einem anderem Halter – z.B. für die Lüftungsschlitze – anbringen. Das an dem Aktivadapter fest angebrachtes Strom/TMC-Kabel fällt sehr lang aus lang und ist relativ starr, was in manchem Kfz durchaus stören kann.

Bei einer elementaren Funktion eines Navis – dem Bestimmen der Position – schwächelt das Becker professional.6 LMU. Nach dem Einschalten dauert die Positionsbestimmung verhältnismäßig lange. Während der Fahrt kann es passieren, das die Position abdriftet und das Becker in Folge eine unsinnige Routenführung berechnet. Auch wurde ein minutenlanger Ausfall des GPS-Systems beobachtet.

Das schön große, kapazitive 6,2-Zoll Display aus Echtglas ermöglicht ein angenehmes Bedienen des Beckers, für die Kartenseite und die Buttons zum Aufrufen von Funktionen steht viel Platz zur Verfügung. Einzigste Schwäche ist die Tendenz zu einem deutlichen Spiegeln bei Sonneneinstrahlung.

Bei der CPU hat man hin und wieder den Eindruck, dass sie an ihre Grenzen kommt. Insgesamt gesehen läßt sich das Becker aber flüssig bedienen. Lediglich das Berechnen von Alternativrouten kann dauern, was aber durchaus verschmerzbar ist.

Der Akku des professional.6 LMU hält mit Mühe eine Stunde durch (maximale Helligkeit, ohne WiFi). Zum Schonen des Akkus wäre ein mechanischer Ausschalter wünschenswert, den es beim Becker Professional 50 noch gibt. Auf der Wunschliste steht noch ein weiterer Punkt: Beim Laden per Netzteil gibt es keinerlei Info ob der Akku voll ist oder nicht.

Das Gehäuse des professional.6 LMU bietet noch einen Slot für microSD-Karten, eine USB-Buchse und zwei Buchsen zur Integration in das Fahrzeug bzw. zum Anschliessen einer Rückfahrkamera (für 3,5 mm Klinkenkabel bzw. 2,5 mm AV-Kabel). Konsequent wäre eine Integration dieser beiden Buchsen in die Aktivhalterung.

Becker professional.6 LMU

Becker professional.6 LMU (Bild: Becker/United Navigation)

Becker professional.6 LMU Test: Navigation

Die Bedienung gestaltet sich trotz des großen Funktionsumfang recht einfach. Unterstützt wird sie durch eine Sprachsteuerung mit folgenden Funktionen: Zieleingabe (Adresse, Sonderziel, letzte Ziele, nach Hause), Route (zeigen, löschen, Straße sperren), mehr (Wo bin ich?, Länderinfo, Hilfe). Bei moderaten Umgebungsgeräuschen funktioniert die Sprachsteuerung gut, es stört aber, dass für eine durchgängige Bedienung manuelle Eingriffe nötig sind. Zumindest ein Aktivieren der Sprachsteuerung per Sprachbefehl sollte möglich sein (analog zu den aktuellen TomTomm GO-Geräten mit einem “Hallo Becker“).

Das Navigieren ist die große Stärke des Becker professional.6 LMU. Die Kartenansicht ist klasse, diverse Navigationshilfen wie Richtungspfeile, Beschilderung und Fahrspurassistent helfen beim Navigieren. Der Fahrer hat immer einen perfekten Überblick über die vorausliegende Strecke, in Verbindung mit den Sprachansagen wird somit eine vorausschauende und spritsparende Fahrweise unterstützt. Auf der Kartenseite stehen drei Infofelder für Daten wie z.B. Ankunftszeit, verbleibende Zeit, Reststrecke, Geschwindigkeit und Höhe zur Verfügung. Ein viertes Feld wäre sinnvoll, Platz ist ausreichend vorhanden. Über einen Button unten rechts am Display läßt sich schnell auf wichtige Funktionen wie “Wo bin ich?” oder das Sperren von Streckenabschnitten zugreifen. Das Eingeben von Zielen wird an dieser Stelle außen vor gelassen, da es alle Anforderungen erfüllt.

Für die Sprachansagen stehen zwei weibliche bzw. männliche Stimmen zur Auswahl, jeweils eine davon mit Text-To-Speech. Die Sprachqualität ist aber nicht mehr das, was man von einem Becker-Navi erwarten würde. Dafür sind die Ansagen hinsichtlich der Häufigkeit ausreichend und vom Timing nahezu perfekt. Beim letzten Hinweis vor einer Abbiegung kann es aber passieren, dass noch eine weitere Straße zwischen Ansagezeitpunkt und Abbiegung liegt.

Eine weitere Stärke des Beckers ist der Funktionsumfang. Neben vielen Konfigurationsmöglichkeiten gibt es z.B. einen praktischen Bordcomputer, Fahrerprofile, zahlreiche Warnhinweis-Optionen (z.B. individuell konfigurierbare Geschwindigkeitswarnungen), ein Höhenprofil der Strecke, Alternativrouten, RouteMove (Anpassen der Streckenführung per Finger), einen Marco Polo Reiseführer und vieles mehr.

Die Strecken kann das Becker professional.6 LMU auf Basis historischer Verkehrsdaten berechnen (“zeitabhängige Routenführung”). Die Streckenwahl ist im Großen und Ganzen sehr gut, ein weiterer Vorteil sind die realistischen Angaben zur voraussichtlichen Ankunftszeit. Die historischen Verkehrsdaten stehen aber nur für zehn Länder zur Verfügung: Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Lichtenstein, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Schweiz (laut Ordner “histspeed” im Dateisystem des Geräts). Eine wichtige Info, die auf der Produktseite nicht zu finden ist.

Kartenmaterial gibt es für 47 Länder Europas. Analog zu den Link2Live Diensten sind sie lebenslang und kostenlos im Kaufpreis enthalten. Ganz wichtig: Nicht vergessen, die kostenlosen Updates und Dienste innerhalb von 30 Tagen nach der ersten Nutzung des Navis online zu aktivieren! Ein entsprechender Aufkleber auf dem Gerät – der beim Unboxing nicht zu übersehen ist – könnte helfen.

Die Echtzeit-Verkehrsmeldungen reichen zwar nicht an die Qualität von TomTom Traffic heran, bieten aber einen deutlichen Mehrwert gegenüber normalen TMC-Meldungen. Bei der Integration der Meldungen besteht aber Verbesserungsbedarf. Insbesondere bei Fahrten zu Stoßzeiten mit vielen Verkehrsereignissen stellt es sich als nervig heraus, dass jede noch zu unwichtige Meldung am Bildschirm angezeigt wird. Hinweise mit keiner oder nur wenigen Minuten Verzögerung sollten einfach herausgefiltert werden. Eine weitere Schwäche: Hinweise werden trotz wiederholtem Ablehnen mehrfach angezeigt. Nicht immer bewahrt einem das Becker davor, in einem Stau zu stehen. Dann kommt sinngemäß die Frage: “Sie befinden sich in einem Stau, möchten Sie diesen umfahren?” – obwohl es keinerlei Alternative gibt. In der Summe haben sich Live-Meldungen als sehr unzuverlässig erwiesen. Noch zu erwähnen ist der HQ TMC Verkehrsfunkempfänger, der einspringt, wenn keine Live-Dienste zur Verfügung stehen.

Becker professional.6 LMU Test: Fazit

Das Becker professional.6 LMU bietet für rund 250.- Euro eine riesige Ausstattung und eine Menge an Funktionen. Die Bedienung ist übersichtlich und einfach, Ziele lassen sich auf alle erdenklichen Weisen eingeben, die gewählten Routen passen, beim Navigieren wird der Fahrer perfekt unterstützt. Neben der ungenügenden Integration der Echtzeit-Verkehrsinformationen schwächelt das Becker professional.6 LMU vor allem bei der Hardware, allen voran beim GPS-Empfang. Insgesamt gesehen ergibt sich der Eindruck, das die Qualität der Hardware bei Becker deutlich nachgelassen hat. In Folge muss sich das Becker professional.6 mit einem Mittelplatz in unserer Bestenliste begnügen – Potential zu einer besseren Platzierung wäre vorhanden!

Testnote Becker professional.6

Empfohlener Online-Shop:

Als Alternative ist das TomTom GO 600, das ebenfalls Echtzeit-Verkehrsinformationen per Smartphone bietet.

Becker professional.6 LMU Test: Pro und Contra

Pro

  • Großes kapazitives Display
  • Aktivhalterung mit universellem HR-System
  • Optische Navigation
  • Funktionsumfang
  • Bordcomputer mit großer Geschwindigkeitsanzeige
  • Link2Live Dienste via Smartphone
  • Zusätzlicher TMC-Empfänger
  • Lebenslange Kartenupdates inbegriffen

Contra

  • Spiegelndes Display
  • Schwächen beim GPS-Empfang
  • Kurze Akkulaufzeit
  • Kein mechanischer Ein/Ausschalter
  • Integration der Verkehrsmeldungen

Becker professional.6 LMU Test: Bewertung

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System60%gut
Navigation75%sehr gut
Bedienung80%sehr gut
Ausstattung80%sehr gut
Zubehör40%befriedigend
Bewertung70%sehr gut
Gesamtnote: System/Navigation/Bedienung zu 25%, Ausstattung zu 15%, Zubehör zu 10% gewichtet
Kriterien: System (GPS-Empfang/Systemstabilität/Dauer Routenberechnung), Navigation (Routenqualität/Visuelle- & akkustische Zielführung/Verkehrsinfos), Bedienung (Montage/Anleitung/Benutzerführung), Ausstattung/Zubehör (Anzahl an Funktionen bzw. mitgeliefertes Zubehör)
Test Auto-Navigation: Becker professional.6 LMU was last modified: Juli 18th, 2017 by Joachim Bardua
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