Outdoor-Touren führen oft in entlegende Gegenden mit eingeschränkter oder sogar keinerlei Mobilfunkanbindung. Wer dann mit Freunden kommunizieren, per GPS Tracking oder SMS seinen Standort mitteilen oder sogar einen SOS-Notruf absetzen will, hat schlichtweg ein Problem. Allerdings gibt es Abhilfe. Das Stichwort lautet “Satellite Messaging”.

DeLorme InReach im Outdoor-Einsatz

DeLorme InReach im Outdoor-Einsatz

Dahinter verbergen sich HighTech-Gadgets, die per GPS-Satelliten die Position bestimmen und über ein anderes Satellitensystem Textnachrichten oder Positionsmeldungen versenden. Für Outdoorer kommen derzeit – neben den eher bei Wassersportlern verbreiteten Seenotrettungssendern (EPIRB, Emergency Position Indicating Radio Beacon) – zwei Geräte in Frage: von Globalsat der SPOT Satellite Messenger und von DeLorme der inReach 2-way Satellite Communicator.

Das DeLorme inReach – seit November 2011 auf dem Markt – bietet gegenüber dem von uns bereits getesteten SPOT Satellite Messenger zwei entscheidende Vorteile:

  • 2-Wege Kommunikation, d.h. neben dem Senden ist zusätzlich das Empfangen von Textnachrichten möglich. Und – besonders wichtig im Notfall – der Outdoorer wird informiert, dass sein Notruf bei der GEOS Rettungszentrale eingegangen ist.
  • Die Kommunikation erfolgt über das Iridium Satellitenkommunikationssystem mit einer globalen Abdeckung von Pol zu Pol (weitere Infos: Wikipedia).

Das inReach läßt sich auf unterschiedliche Art und Weise einsetzen. Als Stand-Alone-Gerät bzw. im Zusammenspiel mit einem Android Smartphone oder dem DeLorme GPS-Handgerät PN-60w. Deshalb bietet DeLorme auch zwei Modelle an: inReach für Android und inReach für PN-60w.

Erst in Verbindung mit diesen Partnern läuft das inReach so richtig zur Hochform auf. Grund: Wird das inReach im Stand-Alone-Modus verwendet, ist neben dem Übermitteln der aktuellen Position (GPS Tracking) und dem Absetzen von SOS-Meldungen “nur” das Versenden von drei vordefinierten Textmitteilungen möglich. Wird es aber mit einem der genannten Geräte verbunden, stehen weitere Funktionen zur Verfügung, z.B.:

  • Senden und Empfangen von individuellen SMS-Mitteilungen (bis zu 160 Zeichen, an/von beliebige/n E-Mail Empfänger/n bzw. Mobilfunknummern)
  • Kommunikation zwischen inReach Anwendern
  • Verfolgen von GPS-Positionen auf Topo-Karten (kostenlose, detaillierte Karten gibt es allerdings nur von N-Amerika)

Für uns Europäer ist das Modell inReach for Android besonders interessant, da es sich mit jedem GPS-fähigen Andoid Smartphone bzw. Tablet einsetzen läßt. Voraussetzung: Für die genannten Funktionen wird die kostenlose Android App “DeLorme Earthmate” benötigt. Außerdem erscheint es wenig sinnvoll, sich noch ein exotisches DeLorme GPS-Handgerät wie das PN-60w zuzulegen.

Update 09.06.2012: Mittlerweile ist das InReach auch zu Geräten mit iOS kompatibel (iPhone, iPad, iPod).

DeLorme inReach Android: Kosten

Mit einem Nachteil muss der kaufwillige Outdoorer aber leben: Für DeLorme-Produkte gibt es in Europa keinen Vertrieb. Ein Eigenimport aus den USA ist deshalb notwendig, auch läuft der Support nur über die USA.

Der Kaufpreis beträgt 249,95 USD (ca. 190.- EUR, Kurs am 13/04/2012), dazu kommen Versandkosten/Steuer/Zollgebühren von rund 50.- EUR. Zum aktuellen Dollarkurs sind also fast 250.- EUR hinzulegen. Das ist aber nicht alles. Um das inReach überhaupt verwenden zu können, muss ein monatlicher Subscription Plan abgeschlossen werden. Für die erstmalige Aktivierung ist zusätzlich 11,95 USD (ca. 9.- EUR) zu bezahlen.

Update 30.05.13: Mittlerweile gibt es einen deutschen Vertrieb

DeLorme bietet drei verschiedene Subsription Plans an:

DeLorme inReach Subsription Plans (Quelle: DeLorme)

DeLorme inReach Subsription Plans (Quelle: DeLorme)

SOS-Meldungen und eine bestimmte Anzahl an Textnachrichten lassen sich bei jedem Plan verschicken, ein Echtzeit-GPS-Tracking – dann können Freunde und Verwandte die Position des Outdoorers auf einer interaktiven Karte verfolgen – gibts nur beim Recreation bzw. Expedition Plan.

Ein Wechsel zwischen den einzelnen Plänen ist möglich, ein Upgrade ist kostenlos, ein Downgrade kostet jeweils 24,95 USD (ca. 19.- EUR). Welcher Plan sinnvoll ist, hängt von den persönlichen Präferenzen und Aktivitäten ab. Für viele Outdoorer dürfte eine Kombination von Safety und Recreation Plan sinnvoll sein. Für größere Touren wird der Recreation Plan gewählt, für Touren vor der Haustür oder am Wochenende reicht dagegen der Safety Plan in der Regel aus. Beispiele:

  • 1x Jahr Safety Plan: 119,40 USD (ca. 90.- EUR)
  • 1x Jahr Recreation Plan: 299,40 USD (ca. 227.- EUR)
  • 1x Jahr Recreation Plan bzw. Safety Plan im Wechsel, Recreation Plan für 3x 2 Wochen, ansonsten Safety Plan: voraussichtlich 216,75 USD (ca. 165.- EUR), inkl. 3x Downgrade-Kosten.

Hinweise: Nach den eigenen Erfahrungen greifen die Preise für die U.S. Subscription Plans. Um keine Überraschungen zu erleben, sollten vorab die Details auf der DeLorme Webseite geprüft werden. Zusätzlich sollten sich Interessenten die “inReach Subscriber Terms and Conditions” näher anschauen. Besonders wichtig sind die Abschnitte 2.1 und 2.4 bzgl. den Vereinbarungen mit GEOS. GEOS organisiert beim Absetzen eines SOS-Notrufs die Rettungsmaßnahmen; das Abschliessen einer GEOS SAR Membership kann sinnvoll sein (Kosten siehe: GEOS SAR Membership Order Page, ab 13,95 USD)

DeLorme inReach Android: Technik

DeLorme hat dem inReach nicht nur Funktionen spendiert, mit denen es sich als Kommunikator und Notfallsender für jede noch so entlegene Outdoor-Spielwiese empfiehlt, sondern auch die passende Technik.

Das Gehäuse macht schon optisch einen stabilen und äußerst zuverlässigen Eindruck. Die Spezifikationen untermauern diesen Eindruck: wasser- und staubdicht nach IP67, schwimmfähig und ein Aufprallschutz gemäß militärischen Standards (Mil STD 810F). Das Gehäuse ist mit Abmessungen von 8,6 x 7,2 x 4,4 cm (HxBxT) allerdings recht groß, wird die Antenne mitgemessen, beträgt die Höhe sogar 12,1 cm. Das Gewicht beträgt inklusive zweier Li-Batterien 233g.

Auf der Frontseite gibt es insgesamt 4 Tasten, einen Schieber zum Verriegeln der SOS-Taste und mehrere LEDs. Oben rechts am Gehäuse hat DeLorme eine ausreichend große Öse zum Befestigen der mitgelieferten Handschlaufe oder einer dünnen Reepschnur integriert. Auf der Rückseite gibt es noch einen ebenfalls sehr stabil erscheinenden Befestigungsclip. Das unten am Gehäuse befindliche Batteriefach wird mittels zweier D-Ring-Schrauben geöffnet. Das Batteriefach selber schützt eine umlaufende Dichtung vor Feuchtigkeit; in dem Fach befinden sich noch zwei Anschlüsse, einer davon ist als microUSB ausgelegt und dient Firmware-Updates (lassen sich über die DeLorme-Webseite explore.delorme.com problemlos mit wenigen Klicks durchführen!).

Die Energieversorgung erfolgt idealerweise mit zwei AA Lithium-Batterien, mit denen die Laufzeit bei einem Trackingintervall von 10 Minuten 60 Stunden betragen soll. Wenn andere Typen (Alkaline, NiMH) Verwendung finden, sollte das Batterie-Profil geändert werden. An einer externen Stromquelle läßt sich das inReach dagegen nicht betreiben.

Das Tracking-Intervall läßt sich individuell einstellen. Ist der Outdoorer in Bewegung, übermittelt das inReach in Abständen von 10, 30, 60, 120 oder 240 Minuten die Position.

Fotostrecke DeLorme inReach (anklicken)

DeLorme inReach Android: Praxis

Ein wichtiger Aspekt ist die Bedienung mit Handschuhen. Auch hier zeigt das inReach keine Schwächen. Selbst mit dicken, wintertauglichen Fingerhandschuhen läßt sich das wohl wichtigste Bedienelement, der Verriegelungs- mechanismus für die SOS-Taste, zur Seite schieben. Sämtliche Tasten lassen sich unter solchen Bedingungen problemlos drücken, die Bedienung mit einer Hand ist ebenfalls gewährleistet. Die anfängliche Skepsis gegenüber dem recht großen Gehäuse hat sich in der Praxis nicht bewahrheitet. Es liegt zwar nicht sehr gut in der Hand, läßt sich in der Regel aber problemlos verstauen. Nur bei Schwimmwesten kann es in mancher Außentasche recht knapp werden. Schließlich macht gerade beim Paddeln ein Befestigen am Körper Sinn!

Weitere Aspekte bei der Beurteilung des inReach sind die Positionierungsgenauigkeit und die Zuverlässigkeit beim Versenden von Nachrichten. Die Genauigkeit der übermittelten GPS-Position ist für eine evemtuelle Rettungsmaßnahme besonders wichtig. In der Regel haben sich die Angaben als präzise herausgestellt. Im Extremfall wurden unter schwierigen Bedingungen (z.B. tief eingeschnittene Täler, ungünstige Satelliten- konstellationen) Abweichungen von bis zu 150 m festgestellt. Auf den vielen Touren mit dem inReach trat dieser Fall aber nur selten auf. Da beim Ermitteln der GPS-Koordinaten auch die Befestigungsposition eine Rolle spielt, wurde das inReach auf unterschiedliche Art und Weise mitgeführt: in der Rucksackdeckeltasche, seitlich außen am Rucksack, in einer Außentasche der Kajakschwimmweste, unter einer Plane auf einer Pulka oder in einer Ortlieb-Fahrradtasche. Die unterschiedlichen Positionen hatten aber keine signifikanten Auswirkungen auf die Positionierunggenauigkeit.

Das inReach muss aber nicht nur Signale von GPS-Satelliten empfangen können, sondern auch vom Iridium-Satellitensystem. Hier wurden in der Praxis ähnliche Erfahrungen wie mit dem GPS-System gemacht. In einem tief eingeschnittenen und bewaldeten Tal konnten temporär keine Nachrichten versendet werden. In einem anderen Fall hat eine Häuserfront die Verbindung zum Iridium-Netzwerk verhindert. Erst ein Ortswechsel konnte das Problem lösen.

Besonders positiv fällt die extrem schnelle Übermittlung von Nachrichten auf. Egal ob es eine Textnachricht an eine Mobilfunknummer oder eine GPS-Tracking Meldung ist, die Zustellung erfolgt innerhalb von ein bis zwei Minuten!

DeLorme InReach, Earthmate App, Messages

DeLorme InReach, Earthmate App, Messages

Schwierigkeiten kann es auch mit den Empfängern von Textnachrichten geben. An eine Mobilfunknummer eines isländischen Betreibers liesen sich partout keine Nachrichten übermitteln, mit einer weiteren Handynummer des gleichen Netzanbieters hat es dagegen einwandfrei geklappt. Um wirklich sicher zu gehen, sollte deshalb vor jeder Tour ein Probelauf durchgeführt werden – schließlich kann einiges davon abhängen!

Die Verbindung zu einem Android Smartphone erfolgt über Bluetooth. Das Pairing geht meistens problemlos über die Bühne, allerdings verbindet sich die Earthmate App nicht immer zuverlässig mit dem inReach. Bei diesen Prozeduren sollte man sich unbedingt an die Beschreibungen halten; gute Infos enthält die DeLorme Tipps und Tricks Seite bzw. das inReach Forum.

Um das inReach überhaupt nutzen zu können, ist eine Konfiguration über eine Webseite notwendig (explore.delorme.com). Darüber wird das Gerät freigeschaltet, ein Subsription Plan gebucht, Benutzer angelegt, Einstellungen wie das bevorzugte Koordinatensystem festgelegt, interaktive Karten zum Verfolgen der Position generiert, Kontakte sowie Textnachrichten angelegt und verwaltet, das inReach mit Twitter und Facebook verknüpft, GPS Positionen als gpx, kml oder csv Dateien exportiert usw.!

Das der Webseite explore.delorme.com eine zentrale Bedeutung zukommt, zeigt sich auch daran, welche Nachrichten darüber verfolgt werden können:

  • vom inReach im Stand-Alone-Modus an beliebige E-Mail Empfänger bzw. Mobilfunknummern
  • von und zum inReach, wenn es mit einem Android Smartphone verbunden ist
  • zwischen dem inReach und der Webseite explore.delorme.com
  • zwischen zwei inReach Geräten (nicht ausprobiert)
  • von und zu GEOS während eines Notfalls (nicht ausprobiert)

Die Konfiguration der drei Nachrichten, die das inReach im Stand-Alone-Modus versendet, ist vor einer Tour besonders wichtig. Ein beispielhafte Abfolge sieht wie folgt aus:

  • Nachricht 1: Everything is ok, we are on schedule!
  • Nachricht 2: Everything is ok, but we are behind our planned schedule!
  • Nachricht 3: We need help! Pick us up immediately (gps coordinates as below)!

Noch zu erwähnen ist, dass sich diese Nachrichten an zahlreiche Empfänger versenden lassen. Eine Beschränkung bezüglich der Anzahl an E-Mail Adressen bzw. Mobilfunknummern scheint es nicht zu geben, bei unseren Tests hat es mit bis zu 12 Empfänger problemlos geklappt.

Wie erwähnt, lassen sich interaktive Karten generieren, über die Freunde, Verwandte, Kollegen oder wer auch immer den Verlauf der Tour einsehen können. Die User können aber auch “auf Knopfdruck” die Real-Time-Position anfordern oder dem Outdoorer eine Nachricht senden. Die einzelnen Funktionen lassen sich für jede einzelne Karte unterscheidlich konfigurieren, ein Passwortschutz der Karte ist ebenfalls möglich.

Insgesamt gesehen wird ein immenser Funktionsumfang geboten! Um alle Möglichkeiten ausschöpfen zu können und das Zusammenspiel aller Komponenten (Webseite, inReach, Earthmate App) zu gewährleisten, ist allerdings eine nicht unerhebliche Einarbeitungszeit notwendig!

DeLorme inReach GPS Satelliten Communicator: Interaktive Online-Karte, Positionsdaten auf Satellitenbild, Nord-Island

DeLorme inReach GPS Satelliten Communicator: Interaktive Online-Karte, Positionsdaten auf Satellitenbild, Nord-Island

DeLorme inReach Android: Lieferumfang, Zubehör

  • DeLorme inReach GPS Communicator
  • Trage-/Befestigungsschlaufe
  • Zwei Lithium-Batterien
  • USB-Kabel (für Firmware-Updates)
  • Quick Start Guide

Weiteres Zubehör gibt es von Drittanbietern. RAM Mounts bietet ein Cradle (Bezeichnung: RAM-HOL-DEL2U), mit dem das inReach an unterschiedlichen Halterungen befestigt wird, z.B. Fahrrad, Geländewagen, Boot.

DeLorme inReach Android: Fazit

Das Ergebnis des mehrmonatigen Tests kann nur lauten: absolut empfehlenswert! Für Outdoorer, die solo unterwegs sind, Touren in entlegenen Regionen durchführen, sich mehr Sicherheit wünschen oder einfach nur jederzeit und überall erreichbar sein wollen, ist das DeLorme inReach erste Wahl! Besonders hervorzuheben sind die Android App, die Anbindung an das Iridium Satellitenkommunikationssystem und der Rückkanal zum Empfangen von Nachrichten. Mit diesen Funktionen hebt sich das inReach von seinem Mitbewerber – dem Spot GPS Messenger – deutlich ab.

Das Gebotene hat natürlich seinen Preis: Für das Gerät sind rund 250.- EUR zu bezahlen, dazu kommt eine jährliche Nutzungsgebühr von mindestens 90.- EUR. Dafür erhält der Outdoorer ein Kommunikationsmittel, das sich als State of the Art bezeichnen läßt und zurecht bereits zahlreiche Awards abgeräumt hat!

DeLorme inReach Android: Bewertung

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DeLorme inReach Android: Pro und Contra

Pro

  • 2-Wege Kommunikation über Iridium Satellitensystem mit weltweitem Empfang
  • Zuverlässige und schnelle Übertragung der Nachrichten
  • In der Regel sehr gute Positionierungsgenauigkeit
  • Funktionsumfang
  • Mit oder ohne Android Smartphone bzw. Tablet nutzbar
  • Versand einer Textnachricht an zahlreiche Empfänger möglich
  • Robustes, wasserdichtes Gehäuse

Contra

  • Kein deutscher/europäischer Vertrieb
  • Relativ groß und schwer
  • Längere Einarbeitungszeit nötig
DeLorme inReach Test: GPS Tracking und Notfallsender was last modified: März 20th, 2016 by Joachim Bardua

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