Ganz schön pfiffig, das neue Navigon 70 Plus. Der kleinste Spross der 70er-Serie hat ganz schön was zu bieten. Einen sinnvollen Funktionsumfang und einige Innovationen, die es in sich haben: 5-Zoll Display mit Annäherungssensor und aktiven Fahrspurassistenten.

Das Navigon 70 Plus ist das Einsteigermodell in die Navigon 70er-Familie, als weitere Mitglieder gesellen sich das Navigon 70 Premium und das Navigon 70 Premium Live (noch im dritten Quartal 2010 erhältlich) hinzu. Das Premium hat zusätzlich 3D-Gebäude und -Landschaften, TMCpro, Sprachsteuerung und eine Freisprecheinrichtung an Bord, das Premium Live setzt mit seinen Live-Services noch eins obendrauf (Online-Infos zu: Verkehr, Wetter, Radarfallen, Parkplätze, Google-Suche, Tankstellen, kulturellen Veranstaltungen). Wer auf diese Extras verzichten kann, erhält beim Navigon 70 Plus eigentlich alle wesentlichen Funktionen (und noch einiges mehr), die für ein erfolgreiches Navigieren von A nach B notwendig sind.

TMC-Verkehrsinformationen, Fußgängernavigation, Hilfe bei der Parkplatzsuche, My Routes, Infos zu fest installierten Blitzern, Warnhinweise bei Geschwindigkeitsüberschreitungen, POI-Klick, Routenplanung mit mehreren Zwischenzielen, Aufzeichnen der zurückgelegten Strecke, Führen eines Fahrtenbuchs, Routensimulation, Notfallhilfe-Infos, Sonderziele auf der Route, Sperrung von Streckenabschnitten und vieles mehr – alles Funktionen, die Navigation-Professionell.de bereits in zahlreichen Tests von Navigon-Navis ausführlich beschrieben hat (Navigon Tests), so dass sich dieser Artikel in erster Linie auf die Neuerungen konzentriert.

Navigon 70 Plus: Perfekt Navigieren

Einen Fortschritt mit Spaßfaktor stellt der Annäherungssensor dar. Bei den Navigons »ohne« geht es auf dem Bildschirm bislang recht eng zu. Grund: Die am unteren Bildschirmrand angeordnete Optionen-Leiste (Zugriff auf Lautstärkeregelung, wichtige Funktionen etc.) klaut einiges an wertvollen Platz. Jetzt gehts anders: Nähert man sich dem Navi mit der Hand, wird dank Annäherungssensor temporär die Optionen-Leiste eingeblendet. Zusätzlich poppt am oberen Bildschirmrand die MyBest POI Leiste (mit drei bevorzugten POI-Kategorien) auf. In Kombination mit dem 5-Zoll Display steht jetzt auf der Navigationsseite ausreichend Platz zur Verfügung – für Übersichtlichkeit ist gesorgt! Wer diese pfiffige Idee nicht mag, kann den Sensor ausschalten und die Leiste durch Antippen aktivieren oder sogar dauerhaft auf dem Bildschirm einblenden.

Mit dem aktiven Fahrspurassistenten hat Navigon den wohl besten Fahrspurassistenten am Markt erfunden. Eine mitlaufende Animation zeigt stets die richtige Fahrspur an – ein Feature, das man nach einger Zeit wirklich nicht mehr missen möchte! In Verbindung mit den souveränen Sprachansagen und der perfekten Übersicht über die vorausliegende Strecke ist ein Verfahren nahezu unmöglich.

Zum Thema Routenführung: Das 70 Plus bietet alle erdenklichen Optionen. Schnelle, optimale, kurze oder schöne Routen, diverse Ausschlußkriterien (perfekt: Einstellungen für eine länderspezifische Nutzung von Mautstraßen!) und MyRoutes (Anzeigen von Alternativrouten). Die Streckenführung ist in der Regel sehr gut und zuverlässig, ein Vergleich mit Navis, die historische Verkehrsdaten bei der Routenberechnung berücksichtigen (NAVTEQ Traffic Patterns, TomTom IQ Routes), zeigt aber, dass noch etwas Optimierungspotential besteht. Wenn Navigon in Zukunft derartiges Kartenmaterial anbieten würde, wäre dies ein weiterer Schritt zum perfekten Navi!

Etwas nervig kann das Verhalten beim Abweichen von der Route sein. Das 70 Plus versucht wiederholt, den Fahrer auf die ursprüngliche Strecke zurückzuführen (öfters sogar mit Aufforderungen zu Wendemanövern). Sinnvoller wäre es, falls möglich, eine komplett neue Strecke zu berechnen.

Eine weitere Neuerung sind die Navigon Sightseeing Tours. Elf Touren sind vorinstalliert, z.B. »Romantisches Bayern«. Diese Route führt auf König Ludwigs Spuren von Schloss zu Schloss, für jede Attraktion wird eine Beschreibung mitgeliefert. Praktisch: Die Reihenfolge der Ziele läßt sich individuell konfigurieren. Ebenfalls neu sind die Navigon Sightseeing POIs. Zu wichtigen Sehenswürdigkeiten (z.B. in München: Alte Pinakothek, Deutsches Museum) sind viele Infos abrufbar, als Navigationsziele lassen sie sich ebenfalls auswählen.

Grund zur Freude bereitet der GPS-Empfang. Bei einigen Navigon Navis mußte man nicht selten Geduld aufbringen, bis die Position bestimmt war. Bei dem 70 Plus dagegen nicht mehr! Navigon hat kräftig an den Schrauben gedreht und in diesem Zusammenhang auch den GPS-Chip Hersteller gewechselt (von SiRF zu STMicroelectronics). Beim Thema Speed gibts insgesamt nur positives: Routen werden rasend schnell berechnet, unangenehme Wartezeiten kennt das 70 Plus schlichtweg nicht.

Navigon 70 Plus: TMC mit einer Schwäche

Die TMC-Verkehrsnachrichten werden perfekt in die Navigation eingebunden, so dass der Fahrer über die Verkehrssituation stets im Bilde ist.

Ein Manko zeigt sich aber bei der Technik: Das TMC Symbol ist häufiger als erwartet »rot« oder »grau mit einem roten Punkt«. Bedeutung laut Handbuch: Der TMC-Empfänger ist empfangsbereit, findet aber keinen Sender, der TMC-Signale aussendet. Der bisweilen mäßige Empfang tritt nicht nur in ländlichen Gegenden, sondern auch in städtischen Bereichen auf. Ein Beispiel (reproduzierbar): Zuerst gehts auf der A95 gut 30 Kilometer nach München, anschließend auf den Mittleren Ring ein gutes Stück durch die Stadt und erst in Höhe des Münchner Fernmeldeturms (Olympiaturm) werden auf einen Schlag rund 30 TMC Meldungen angezeigt – vorher bleibt die Liste leer! Navigon sollte hier unbedingt nachbessern, da das Bild des ansonsten sehr guten Navis getrübt wird.

Navigon 70 Plus: Kartenmaterial

Das Navigon 70 Plus hat Karten mit dem Navigon Release-Datum Q2 2010 an Bord. In diesem Kartenset sind jetzt auch Island, Moldawien und die Ukraine enthalten (mit unterschiedlichen Abdeckungsgraden).

Die komplette Liste lautet: Albanien, Andorra, Belarus, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Gibraltar, Griechenland, Groß-Britannien, Die Insel Man, Irland, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Mazedonien, Moldawien, Monaco, Monte Carlo, Montenegro, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, San Marino, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ukraine, Ungarn, Vatikan

Weiterhin gibt es Navigon FreshMaps zum Vorzugspreis: Aktiviert der Käufer FreshMaps innerhalb von 30 Tagen nach dem Kauf, dann muß er 19,95 Euro statt 99,00 Euro zahlen. Dafür erhält er 24 Monate lang regelmäßig aktualisierte Karten zum Download.
Navigon 70 Plus Note sehr gut

Navigon 70 Plus: Fazit

Das Navigon 70 Plus hinterlässt im Test einen überzeugenden Eindruck. Besonders hervorzuheben sind der aktive Fahrspurasistent, der praktische Annäherungssensor und das große, viel Übersicht bietende 5-Zoll Display. In Kombination mit den erstklassigen Sprachansagen und den vielen Navigationshilfen (Richtungspfeile, Beschilderungshinweise, Reality View, …) ist ein Verfahren nahezu ausgeschlossen. Weiterhin zeigen sich im Detail Verbesserungen gegenüber bisherigen Navigon-Modellen, beispielsweise beim GPS-Empfang. Einzigste Mankos des 70 Plus sind der zeitweise schwächelnde TMC-Empfang und die Ablesbarkeit des Displays bei Sonneneinstrahlung.

Zu einem aktuellen Straßenpreis von rund 190.- Euro erhält der Käufer ein empfehlenswertes Navigationssystem, das im Test die Gesamtnote »sehr gut« erhält, in der entscheidenden Disziplin »Navigation« sogar ein »überragend« abräumt.

Empfohlene Online-Shops:

Pro

  • Klasse optische und akkustische Zielführung
  • Dynamischer Fahrspurassistent
  • Großes, übersichtliches Display
  • Funktionsumfang: Nicht zu viel und nicht zu wenig
  • Integration der Verkehrsnachrichten in die Navigation
  • Schnelle Routenberechnung
  • Navigon Sightseeing
  • Stabile Frontscheibenhalterung erlaubt perfektes Ausrichten des Navis
  • Abgewinkelter Stecker des Ladekabels
  • Ladekontrollleuchte
  • Umfangreiches Kartenmaterial
  • FreshMaps Angebot

Contra

  • Schwächen beim TMC-Empfang
  • Ablesbarkeit des Displays bei Sonneneinstrahlung

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Ganz schön pfiffig: Navigon 70 Plus im Test was last modified: Mai 4th, 2015 by Joachim Bardua

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