Garmin Transalpin 2012 Pro mit ActiveRoutingActiveRouting nennt Garmin sein neues Outdoor-Routing-Feature. Dahinter verbirgt sich ein automatisches Routing entlang von allen in einer topografischen Karte enthaltenen Wegen und Straßen. Der Clou an der Sache: ActiveRouting berechnet Strecken in Abhängigkeit von der gewählten Aktivität. Ein Wanderer kann also einen anderen Vorschlag erhalten als ein Mountainbiker.

Um ActiveRouting überhaupt nutzen zu können, wird eine topografische Karte mit ActiveRouting-Funktionalität benötigt. Derzeit unterstützen die Garmin Topo Deutschland 2012 Pro und die Garmin Transalpin 2012 Pro das aktivitätsspezifische Routing. Weitere Karten – wie die Topo Frankreich – sollen folgen.

ActiveRouting läßt sich auf einem PC im Zusammenspiel mit der kostenlosen Software Garmin BaseCamp und auf Garmin-GPS-Geräten nutzen. Volle ActiveRouting-Funktionalität bieten das Montana, Oregon x50 und die GPSmap-Reihe; beim Dakota, eTrex 20/30 und Edge 800 steht ActiveRouting nur mit begrenztem Funktionsumfang zur Verfügung (siehe: ActiveRouting – ausführliche Produktinfos).

Die wichtigste Frage lautet: Was kann ActiveRouting in der Praxis? Zu diesem Zweck haben wir drei Fallbeispiele gewählt:

  • Eine Rundwanderung in den Bayerischen Bergen
  • Eine Radtour – ebenfalls als Rundtour geplant – rund um den Starnberger See
  • Eine Wanderung entlang eines in der Karte enthaltenen markierten Weges

Warum Rundtouren? Beim Wandern oder Radfahren sind Rundtouren eine häufig gewählte Variante. Sie verlangen etwas mehr Planungsaufwand als eine einfache Tour von A nach B. Nicht nur Start und Ziel müssen definiert werden, sondern auch mindestens zwei Zwischenziele.

Garmin ActiveRouting: Beispiel 1 – Rundwanderung

Vorgabe: Die Rundwanderung – ein Klassiker in den Bayerischen Alpen – führt vom Walchensee über Heimgarten und Herzogstand wieder zum Ausgangspunkt zurück. Zur Planung genügen vier Punkte: Start, Ziel und zwei Zwischenziele.

Ergebnis: ActiveRouting berechnet die ideale Route. Die Tour fällt bei jeder gewählten Aktivität (Zu Fuss, Wandern, Bergsteigen) identisch aus.

Was allerdings zu beachten ist: Die vorgeschlagene Route passt nicht unbedingt zum Können eines jeden Wanderers. Die Tour entspricht eher dem Aktivitätsprofil "Bergsteigen". Garmin weist in dem Booklet zur Karte darauf hin: "Die Routingergebnisse sind immer nur ein Vorschlag des Systems, das den Leistungsstand des Nutzers nicht berücksichtigen kann. Daher ist es unbedingt erforderlich, dass der Routenvorschlag in jedem Fall durch den Nutzer in Bezug auf Attraktivität und Sicherheit qualifiziert wird."

Im Test hat sich beim Planen zahlreicher Touren in den Bayerischen Alpen gezeigt, dass ActiveRouting insgesamt sehr gute und plausible Ergebnisse liefert. Entspricht die berechnete Strecke mal nicht dem "Optimum", darf man sich trotzdem eines gewiss sein: ein Ankommen mit Hilfe des GPS-Gerätes ist garantiert!

Nach der Planung in BaseCamp muß die Tour nur noch als Route oder Track (durch Umwandlung der Route in einen Track) auf das GPS-Gerät kopiert werden. Dort wird sie anschließend im Menü "Zieleingabe > Routen bzw. Tracks" ausgewählt.

(Abbildung zum Vergrößern anklicken)

Garmin ActiveRouting: Route mit zwei Zwischenzielen

Garmin ActiveRouting: Mit BaseCamp geplante Route mit zwei Zwischenzielen (Walchenseee-Heimgarten-Herzogstand)(zum Vergrößern anklicken)

Garmin ActiveRouting: Beispiel 2 – Eine Rundtour mit dem Fahrrad

Vorgabe: Ziel ist eine eine gemütliche Fahrradtour rund um den Starnberger See. Als touristische Highlights sollen die Votivkapelle, die Roseninsel und das Buchheim-Museum besucht werden, außerdem stehen das Undosa Restaurant in Starnberg und die Eisdiele in Seeshaupt auf dem Programm. Die Tour wird entsprechend angelegt: Start, Ziel und fünf Zwischenziele passend zu den geplanten Stopps.

Ergebnis: Wird als Aktivitätsprofil "Fahrrad" gewählt, wird die Strecke nicht komplett berechnet. Teilweise erfolgt ein Luftlinienrouting von Zwischenziel zu Zwischenziel. Der Grund ist im gewählten Aktivitätsprofil zu suchen, da hier "schmale Pfade" als Vermeidungskriterium aktiviert sind. Und die beiden ersten Zwischenziele wurden genau auf solche Wege gesetzt! Mit dem Aktivitätsprofil "Tourradfahren" erhält man dagegen ein hervorragendes Ergebnis, das gut der Vorgabe von Garmin entspricht (Tourradfahren: "Fahrradtouren auf befestigten und unbefestigten Wegen mit einer Vermeidung von größeren Straßen und Fußwegen"). Ganz anders sieht es mit dem Profil "Mountainbiken" aus. Auch mit der Routenpräferenz "kürzere Strecke" führt die Strecke immer wieder vom See weg. Das erste Zwischenziel wird zudem nur über einen Umweg erreicht. Durch ein Konfigurieren des Mountainbike-Profils (Routenpräferenz, Vermeidungskriterien) kann aber noch etwas Feintuning betrieben werden, die Strecke führt dann etwas mehr direkt am See entlang. Als letzte Variante wird die Aktivität "Wandern" gewählt. Damit läßt sich – von Nuancen abgesehen – für Anhänger von schmalen Pfaden eine schöne und interessante Streckenführung möglichst nah am See erzielen.

Was zeigt dieses Beipiel? Das Setzen der Zwischenziele muß überlegt sein und es lohnt sich, die unterschiedlichen Aktivitätsprofile durchzuspielen. Erst dann läßt sich ein möglichst optimales Ergebnis gemäß den eigenen Präferenzen erzielen.

(Fotostrecke zum Vergrößern anklicken)

Garmin ActiveRouting: Beispiel 3 – Wanderung entlang eines markierten Weges

Die Garmin-Karten Topo Deutschland 2012 Pro und Transalpin 2012 Pro enthalten eine Vielzahl an markierten Rad-, Wander- und MTB-Wegen. Die Topo Deutschland 2012 wartet in erster Linie mit überregionalen Wegen auf, die Transalpin 2012 bietet zusätzlich das Transalp-Wegenetz für Mountainbiker. Kleine, regionale Wanderwege sind in der Datenbank dagegen nicht vertreten.

In BaseCamp werden diese Wege am besten mit Hilfe der Suchfunktion aufgespürt (Beispiel TransAlpin 2012 Pro: "Suchen: Markierte Wege; nahe: Mitte der Karte; enthält: Transalp"). Ist die Suche beendet, werden die zum gewählten Kartenausschnitt passenden Wege in einem separaten Fenster aufgelistet; mit einem Klick läßt sich ein Weg auf der Karte einblenden und steht als Basis für eine eigene Routenplanung zur Verfügung. Außerdem lassen sich die markierten Wege auf der Karte anzeigen, indem in der Symbolleiste die gewünschte Aktivität gewählt wird. Bei "Wandern, Zu Fuss, Bergsteigen" erscheinen die relevanten Wege rot, bei "Fahrrad, Tourradfahren, Mountainbiken" dagegen lila. Nur leider heben sich die aktivitätsspezifischen Wege auf der Karte nicht allzu deutlich ab, hier besteht noch etwas Verbesserungspotential.

Auf den GPS-Geräten werden die markierten Wege über die Funktion "Zieleingabe > Wege/Pfade" aufgelistet. Die Wege lassen sich aber auch – analog zu BaseCamp – auf der Karte rot oder lila markiert anzeigen. Wichtige Voraussetzung: im Menü "Einstellungen > Routing" die entsprechende Aktivität wählen. Sehr hilfreich wäre eine Funktion, mit der sich einzelne Wege aktivieren und gut sichtbar einblenden liesen (analog zu einzelnen Tracks, quasi ein Manager für markierte Wege/Pfade).

Wie können die markierten Wege zum Routing bzw. Navigieren genutzt werden?

In BaseCamp:

  • Zeichnen eines Tracks entlang des markierten Weges (weniger empfehlenswerte Methode).
  • Erstellen einer Route durch das Setzen eines Start- bzw. Zielpunktes möglichst direkt auf dem markierten Weg, dann in den Eigenschaften der Route "Markierte Wege suchen" aktivieren und den gewünschten Weg auswählen. Auf diese Weise läßt sich beispielsweise mit Hilfe des Transalp-Netzes der TransAlpin 2012 Pro sehr elegant ein mehrtägiger Alpencross planen. Für jeden Tag wird eine separate Route angelegt und als Track auf das Gerät übertragen. Beim zum Testen geplanten Alpencross "Mittenwald – Riva" ergibt sich eine insgesamt sehr gute Übereinstimmung zwischen Transalp- und ActiveRouting-Strecke, die durch ein Setzen von Zwischenzielen noch optimiert werden kann.
  • Planen einer Route mit Zwischenzielen entlang des markierten Weges (ohne Verwenden der Funktion "Markierte Wege suchen").
  • Nach der Planung wird die Tour als Route oder in einen Track umgewandelt auf das GPS-Gerät übertragen und steht dort zum Navigieren zur Verfügung.

Auf dem GPS-Gerät:

  • Die mit Basecamp erstellten Routen bzw. Tracks werden über "Zieleingabe > Routen" bzw. "Zieleingabe > Tracks" zum Navigieren ausgewählt.
  • Planen einer Route mit Hilfe des Routenplaners; die Zwischenziele werden am besten mit Hilfe der Karte entlang des rot oder lila eingezeichneten Weges gesetzt (Funktion im Routenplaner: "Ersten Punkt wählen/Nächsten Punkt wählen > Karte verwenden"). Die Berechnung der Strecke erfolgt auf Basis des eingestellten Aktivitätsprofils.
  • Auswahl eines markierten Weges über die Funktion "Zieleingabe > Wege/Pfade" und Auswählen eines Ziels (z.B. Alpenvereinshütte) auf dem gewünschten Weg (siehe Fotostrecke unten).
  • Ohne jegliche Planung: Einfach dem auf der Karte eingezeichneten, markierten Weg folgen. Wie gesagt, die Wege müssten sich aber deutlicher abheben.

Fotostrecke ActiveRouting (markierten Weg zur Tourenplanung verwenden) (anklicken!)

Garmin ActiveRouting: Mit BaseCamp erstellte und in einen Track umgewandelte Route wird zum Navigieren verwendet.

Garmin ActiveRouting: Mit BaseCamp erstellte und in einen Track umgewandelte Route wird zum Navigieren verwendet.

Garmin ActiveRouting: Mit BaseCamp erstellte Route wird zum Navigieren verwendet

Garmin ActiveRouting: Mit BaseCamp erstellte Route wird zum Navigieren verwendet

Garmin ActiveRouting: Zusammenfassung, Fazit

Unterm Strich bringt Garmin ActiveRouting in der Praxis zahlreiche Vorteile. Das Planen von Routen geht mit wenigen Klicks von der Hand. Aktivität auswählen, Start, Ziel definieren, gegebenenfalls noch Zwischenziele setzen und anschließend berechnet ActiveRouting eine Strecke, die sich bei Bedarf durch das Setzen weiterer Zwischenziele oder ein Ändern des Aktivitätsprofils noch einmal optimieren läßt. Ein weiterer Trumpf sind die markierten Wege. Ob ein Alpencross entlang des Transalp-Netzes oder eine Wanderung entlang des Fernwegenetzes, ActiveRouting ermöglicht im Verbindung mit der integrierten Wege-Datenbank ein elegantes Planen von Mehrtagestouren.

Zum Planen von längeren Touren eignet sich insbesondere Garmin BaseCamp, dem die volle Prozessor-Power und der Komfort eines PCs zur Verfügung steht. In BaseCamp lassen sich – im Vergleich zu den Garmin-GPS-Geräten – außerdem die Aktivitätsprofile etwas feiner konfigurieren und der Nutzer kann eigene Aktivitätsprofile anlegen. Wer allerdings unterwegs eine Tour planen möchte, muß sich mit dem Routenplaner – den es auf allen Garmin-Outdoor-Geräten gibt – auseinandersetzen. In dieser Disziplin heben sich inbesonders die Touchscreen-Modelle, allen voran das Garmin Montana, aufgrund ihres Bedienungskomforts hervor.

Im Detail gibt es aber noch Verbesserungspotential, beispielsweise beim Management der markierten Wege. Auch die Streckenführung ist nicht immer perfekt. Aber wirklich allen Anforderungen beim Wandern, Radfahren oder Mountainbiken gerecht zu werden, dürfte schwierig sein – zummal ActiveRouting noch am Anfang seiner Karriere steht!

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Garmin ActiveRouting – Was kann es, wie funktioniert es? was last modified: März 20th, 2016 by Joachim Bardua

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