Garmin Forerunner 410, Foto: Garmin

Mit dem Forerunner 410 schickt Garmin eine weitere GPS-Sportuhr für ambitionierte Freizeitsportler und Profis ins Rennen. Immerhin gibt es in Deutschland rund 17 Millionen Läufer und 2,5 Millionen Nordic-Walker (GfK, Zahlen aus 2004), die eine GPS-Sportuhr wie den Forerunner 410 zum Optimieren ihrer Trainings einsetzen können.

Zwei weitere, besonders für Freizeitsportler geeignete Forerunner-Modelle haben wir bereits ausführlich getestet: den Forerunner 110 und den Forerunner 210. Der Forerunner 410 hebt sich von seinen beiden Kollegen nicht nur durch einen größeren Funktionsumfang, sondern auch durch eine Besonderheit ab: Bei der Bedienung setzt Garmin auf eine Kombination von Tasten und Touchring statt auf reine Tastenklickerei.

Da der Touchring beim Vorgängermodell Forerunner 405 noch Anlaß zur Kritik gab, hat ihn Garmin beim 410 überarbeitet. Wie sich die neue Technik bewährt, soll dieser Test zeigen.

Garmin Forerunner 410: Gehäuse, Bedienung, Menü

Wie seine Geschwister 110 und 210 zeichnet sich der 410 durch eine alltagstaugliche Eleganz aus. Gegenüber dem Forerunner 210 fällt unser Testkandidat etwas größer aus (BxHxT: 4,8 x 7,1 x 1,6 cm gegenüber 4,5 x 6,9 x 1,4 cm), einen weiteren Unterschied betrifft das Armband. Durch seine Bauweise ist es weniger für Sportler mit zarten Handgelenken geeignet. Allerdings hat Garmin Vorsorge getroffen: Zum Lieferumfang gehören zwei zusätzliche Klettarmbänder, die sich nicht nur für schlanke Arme eignen, sondern auch einen angenehmen Tragekomfort bieten. Davor gibt es aber eine große Hürde zu bewältigen. Das Auswechseln der Bänder ist überaus pfriemelig und setzt gute Nerven voraus.

Der Touchring erlaubt unterschiedliche Interaktionen: kurzes oder langes Antippen mit einem Finger, Antippen mit zwei Fingern oder ein Streicheln zum Durchführen eines Bildlaufs. In Kombination mit den beiden Tasten für lap/reset/quit bzw. start/stop/enter kann dieses Spiel schon sehr verwirrend sein. Aber nur anfangs, nach einer Gewöhnungsphase gehört es schnell der Vergangenheit an. Allerdings: Ob man dieses Bedienkonzept mag oder nicht, ist sehr subjektiv. Ausprobieren!

Ganz wichtig sind die Fragen: Wie reagiert der Touchring bei Feuchtigkeit, verschwitzten oder nach dem Genuß eines Powerbars klebrigen Fingern? Wie sieht die Bedienung mit dünnen Handschuhen aus?

Unter Idealbedingungen (= trockene Finger bzw. Touchring) funktioniert die Bedienung nahezu 1A! Bei strömenden Regen macht der Touchring ebenfalls keine Zicken. Lediglich bei Dauerbeschuß unter dem Wasserhahn kommt es schon mal zu Aussetzern – beim Trainieren sind solche Bedingungen aber eher unwahrscheinlich. Bei Trainings im Winter – mit dünnen Fleecehandschuhen – gibt es Einschränkungen. Komplizierte Manöver in den Menüs sollte man besser vermeiden, der Wechsel zwischen den einzelnen Trainingsseiten funktioniert dagegen ganz gut. Als Hilfe läßt sich "Auto Scroll" – ein automatisches Blättern der Seiten – aktivieren.

Zum Einstellen bietet der Forerunner 410 zahlreiche Optionen. Dazu gehört ein Benutzerprofil (Geschlecht, Geburtsdatum Gewicht, Größe, Ruhepuls, Maximalpuls), diverse Systemeinstellungen, Alarmfunktion und – besonders wichtig – konfigurierbare Seiten bzw. Datenfelder. Von den vier möglichen Seiten (Training 1, 2, 3 und Herzfrequenz) lassen sich alle bis auf "Training 1" deaktivieren; für jede Seite besteht die Wahl zwischen ein, zwei oder drei Datenfeldern. Die Felder sind anpassbar, zur Auswahl stehen zahlreiche Optionen (Puls-Grafik, Sonnenaufgang, GPS-Genauigkeit, GPS-Höhe, Trittfrequenz, …). Achtung, die Datenfelder fallen am Display recht klein aus. Also: weniger ist mehr!

Trainingsrelevante Funktionen gibt es zuhauf:

  • Auto Pause: Die Stoppuhr wird unterhalb einer definierten Geschwindigkeit bzw. bei Stillstand angehalten. Sinnvoll z.B. für Strecken mit vielen Ampeln.
  • Auto Lap: Automatisches Speichern der Trainingsdaten nach einem bestimmten Streckenabschnitt, z.B. alle 1.000 m beim Trainieren im Stadium.
  • Virtual Partner: Praktische Funktion zum Motivieren (manchmal auch demotivierend!); nach Einstellen eines bestimmten Pace wird am Display angezeigt, wieviel Vorsprung oder Rückstand zu dem virtuellen Gegner besteht. Beim Trainieren mit Strecken kommt der Virtual Partner auch zum Einsatz (siehe unten, Navigation); mit seiner Hilfe kann der Läufer versuchen, seine Zeiten auf bereits gelaufen Strecken zu verbessern ("Kann ich meine Bestzeit auf der Feierabendrunde unterbieten?")
  • Sport-Modus: Hier läßt sich zwischen Laufen und Radfahren wählen. Hat Auswirkungen auf bestimmte Trainingseinstellungen, z.B. beim Wechsel von Laufen zu Fahrrad ändert sich automatisch die Geschwindigkeitseinheit von Tempo zu Geschwindigkeit. Auf das Übertragen der Aktivitäten zum PC hat es ebenfalls Einfluß, da die Trainings entsprechend der Aktivität gekennzeichnet werden.

Garmin Forerunner 410: Navigation

Der GPS-Empfänger geht flott zur Sache. Dank SiRFInstant-FixII Technologie wird die Position auf Basis vorausberechneter Satellitenbahnen schnell und zuverlässig bestimmt. Die Aufzeichnungen der zurückgelegten Strecken – im Vergleich zu Outdoor-GPS-Geräten und anderen Forerunner-Modellen – geben keinerlei Anlaß zur Kritik.

Zum Navigieren bietet der Forerunner 410 einiges:

  • Anzeigen der empfangenen Satelliten, Signalstärke und GPS-Genauigkeit.
  • Speichern der aktuellen Position als Wegpunkt (Name, Höhe und Koordinaten lassen sich ändern), maximal 100 Wegpunkte sind möglich. Ein Übertragen von Wegpunkten vom PC zum Forerunner ist nicht vorgesehen!
  • GoTo/Luftlinien-Navigation zu einem Wegpunkt, beispielsweise ein Parkplatz.
  • Zurück zum Start, der Läufer wird entlang der aktuellen Strecke zum Ausgangspunkt geführt.
  • Trainieren und Navigieren mit Hilfe von Strecken. Mit dem Garmin Training Center oder dem Online Portal Garmin Connect (siehe unten) lassen sich aus aufgezeichneten Aktivitäten Strecken erstellen und auf den Forerunner übertragen. Besonders mit Garmin Connect geht dies sehr komfortabel über die Bühne. Auf dem Forerunner selber lassen sich keine Strecken aus gespeicherten Aufzeichnungen generieren. Wird eine Strecke ausgewählt, führt der 410 den Läufer mit Hilfe seiner Navigationsseite zum Ziel. Auf ein Abweichen von der Strecke wird mit der Info "Kursabweichung" hingewiesen.

Garmin Forerunner 410: Training

Das Steuern von Ausdauer-, Intervall-, Herzfrequenz- oder erweiterten Trainings sind eine Stärke des Forerunner 410. Sie lassen sich im Menü des Forerunners erstellen, ebenso ist es möglich, komplexe Trainings am PC mit dem Garmin Training Center zu planen und auf den 410 zu übertragen.

Wie gestaltet sich die Trainingspraxis mit dem Forerunner? Eigentlich ganz einfach. "Training" antippen, Stoppuhr starten und los gehts! Wenn die GPS-Position noch nicht ermittelt ist, ist allerdings noch etwas Warten angesagt. Ähnlich einfach funktioniert es mit – möglichst schon zuhause – vordefinierten Trainings: im Menü des Forerunners zu dem Training klicken, "Training starten" aktivieren, Stoppuhr an und fertig!

Ein kleines Beispiel wäre ein Ausdauertraining auf Kalorien-Basis. Dazu wird z.B. eine Tafel Schoki – sprich 500 Kalorien – als Ziel definiert. Der Forerunner informiert kontinuierlich über den Kalorienverbrauch, bei Zielerreichung weist er optisch ("Training abgeschlossen") und akkustisch darauf hin. Die Angaben zu den verbrauchten Kalorien fallen laut Garmin sehr genau aus, da die Berechnung auf Basis der Herzfrequenzvariabilität erfolgt.

Nach 5 Minuten Inaktivität geht der Forerunner 410 in den Schlafmodus über. (Aufgeregte) Wettkämpfer können sich daran stören; fällt der Startschuß, muß der Foreunner durch Antippen einer Taste erst wieder zum Leben erweckt und der Trainingsmodus gestartet werden. Ein Deaktivieren dieser Funktion im Setup wäre praktisch.

Garmin Connect

Eine Aktivität im Online-Portal Garmin Connect (zum Vergrößern anklicken!)

Garmin Forerunner 410: Auswerten der Trainingsdaten

Zum Auswerten der Trainings bietet Garmin zwei Möglichkeiten an. Die Software Garmin Training Center oder das Online Portal Garmin Connect. Beiden mangelt es nicht an Funktionalitäten, die Online-Version birgt aber noch einen großen Vorteil.

Da GPS-Sportuhren wie der Forerunner 410 über keinen barometrischen Höhenmesser verfügen, sondern die Höhe per GPS bestimmen, fallen z.B. Angaben zu den zurückgelegten Höhenmetern recht ungenau aus. Deshalb: Beim Übertragen der Daten zu Garmin Connect erfolgt eine automatische Korrektur der Höhendaten auf Basis von Landes- vermessungsdaten, der Sportler erhält plausible Werte.

Garmin Forerunner 410: Datenübertragung, Zubehör

Zum Aufladen des Foreruners wird eine zweipolige Ladeklemme mitgeliefert. Die Klemme wird mit dem ebenfalls im Lieferumfang befindlichen USB-Netzteil oder einer USB-Buchse (z.B. am PC) verbunden.

Forerunner 410 mit Garmin Fahrradhalterung

Forerunner 410 mit Garmin Fahrradhalterung (zum Vergrößern anklicken)


Die Datenübertragung erfolgt dagegen drahtlos mit einem USB ANT Stick. Ein direkter Zugriff auf Verzeichnisse und Dateien des 410 ist dabei nicht möglich, am PC erscheint der Forerunner nicht als eigenes Laufwerk. Die Kombination von ANT Stick und dem Online-Portal Garmin Connect hat sich als sehr komfortabel erwiesen. Nach einer erstmaligen Installation und Einrichtung werden die Daten automatisch zu Garmin Connect hochgeladen. Auch ist es möglich, Daten zwischen kompatiblen Forerunnern mittels ANT+ auszutauschen.

Über ANT+ wird auch das Zubehör gekoppelt: Herzfrequenzsensor, ein Laufsensor zum Trainieren in Hallen und der GSC 10 Geschwindigkeits- bzw. Trittfrequenzsensor für Radsportler. Wer viel mit dem Rad unterwegs ist, sollte unbedingt eine Forerunner-Fahrradhalterung montieren (Abbildung rechts).

Garmin Forerunner 410: Fazit

Die – zugegebenermaßen – anfängliche Skepsis wegen der komplex erscheinenden Bedienung hat sich beim Testen schnell gelegt! Nach einer kurzen Gewöhnungsphase ließ sich der Touchring des Forerunners virtuos einsetzen, trotzdem dürfte das Bedienkonzept nicht jedermanns/-fraus Sache sein! Gut: Unter feuchten Bedingungen bereitet der Touchring keine Probleme – im Gegensatz zu Wintertrainings mit Handschuhen. Manch ein Läufer oder Radsportler kann sich auch an der eher kurzen Akkulaufzeit von 8 Stunden im Trainingsmodus stören.

Das war es schon mit der Kritik, dafür hat es sich gezeigt, dass der 410 das richtige Maß an Funktionen an Bord hat. Im Vergleich zum Forerunner 210 sind praktische Trainingsoptionen wie Auto Pause und der Virtual Partner mit dabei, die Datenfelder lassen sich konfigurieren, ein Wechsel zwischen Fahrrad und Laufen ist möglich und – besonders klasse – man kann mit ihm Navigieren. Mehr kostet natürlich mehr! Für den Forerunner 410 inklusive HF-Sensor sind immerhin knapp 360.- Euro hinzulegen (Forerunner 210 ca. 230.- Euro, Straßenpreise).

In unserer Testserie fehlt jetzt nur noch der brandneue Forerunner 610: besonders stylisch und mit einer innovativen Bedienung per Touchscreen. Hier ist er: Forerunner 610 Test

Alle Garmin Forerunner GPS-Sportuhren sind in unserer Outdoor & Fitness Navi-Galerie aufgeführt.

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Garmin Forerunner 410: Lieferumfang

  • Forerunner 410
  • Herzfrequenzsensor (je nach Modell)
  • USB ANT Stick
  • Zwei zusätzliche Armbänder
  • Netzladegerät
  • Lade-/Datenklemme
  • Schnellstartanleitung
  • Benutzerhandbuch auf CD-ROM

Getestete Software-Version: 2.10

Garmin Forerunner 410 – GPS-Sportuhr im Test was last modified: Mai 4th, 2015 by Joachim Bardua

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