Garmin Forerunner 610, Foto: Garmin

Garmin Forerunner 610, Foto: Garmin

Funktionalität und Design sind neben Marke und Preis zwei ausschlaggebende Kriterien beim Kauf eines neuen Produkts. In diesen beiden Disziplinen gehört der Garmin Forerunner 610 schon von Beginn an zu den Gewinnern. Immerhin ist er bereits mit einem begehrten Red Dot Design Award 2011 ausgezeichnet worden, bei dem Kriterien wie Innovation, Funktionalität, Ergonomie und emotionaler Gehalt zur Bewertung beitragen.

In der Tat! Sein elegantes, in schwarz gehaltenes Äußeres mit blauen Designelementen hebt ihn von seinen Forerunner-Kollegen 110, 210, 405 und 410 deutlich ab (von den Forerunnern 305 und 310XT mal ganz abgesehen). Aber auch seine Abmessungen fallen für eine GPS-Sportuhr sehr moderat aus. Weniger hoch und weniger tief als die vier anderen Modelle, macht er sogar unter einem Businessanzug eine gute Figur.

Das gelungene Design wird durch eine Innovation ergänzt: Die Bedienung erfolgt im per Touchscreen (und drei Tasten).

Auf der Laufstrecke sollte aber weniger das Outfit, sondern die reine Funktionalität zählen. Kann ich mit dem Touchscreen auch bei strömenden Regen schnell von der Stoppuhr- zur Herzfrequenzseite wechseln? Läßt sich im Fall der Fälle zum Ausgangspunkt zurück navigieren? Welche Trainingsfunktionen sind an Bord?

Garmin Forerunner 610: Bedienung, Tragekomfort, Menü

Ob mit Fingernagel oder Fingerkuppe, ein kurzes Antippen des Touchscreens genügt und der Forerunner 610 zeigt die nächste Seite an. Alternativ genügt ein zartes Streicheln des Touchscreens in eine beliebige Richtung. Ebenfalls möglich: ein Blättern durch die Seiten bzw. Aufrufen von Funktionen durch Antippen der sensiblen “blauen” Schaltflächen links bzw. unterhalb vom Display. Für wichtige Funktionen (Beleuchtung/Stoppuhr/Runde/Reset/Wechsel der Sportart) stehen aber noch drei Tasten bereit.

Mit dünnen Fingerhandschuhen leistet sich der 610 gleichfalls keine Schwächen. Und sind Hände, Kleidung und Uhr so richtig patschnass, auch dann erfüllt der Touchscreen des Foreunner 610 seinen Zweck zu 100%! Skeptiker, die eher auf Sportuhren mit Tasten stehen (Forerunner 110, 210), können also den 610 durchaus ins Auge fassen. Perfekt: Gegenüber dem Forerunner 410 läuft die gesamte Handhabung deutlich flüssiger und spielerischer.

Stopp! Einen Nachteil hat der Touchscreen des Forerunner 610. Er sieht schnell unansehnlich aus, Putzaktionen sind also angebracht!

Trotz Kunststoff-Armband trägt sich der Forerunner 610 sehr angenehm. Wer es nicht mag: Laut Handbuch soll es als Alternative ein Stoffarmband geben. Der hohe Tragekomfort gilt ebenfalls für den Textil-Herzfrequenzsensor.

Das Menü ist Forerunner-typisch aufgebaut. Für das Einrichten des Gerätes – vor allem aber dem Ausprobieren der vielen Funktionen – müssen vor allem GPS-Sportuhr-Novizen schon einige Zeit einplanen. Das Benutzerprofil (Geschlecht/Geburtsjahr/Gewicht/Größe) ist schnell erledigt, das Konfigurieren der Seiten benötigt dafür mehr Zeit. Die Auswahl lautet: Stoppuhr-, Herzfrequenz-, Benutzer 1-, Benutzer 2-Seite. Jede läßt sich Ein- oder Ausschalten bzw. mit unterschiedlichen Datenfeldern (Anzahl, Inhalte) versehen. Bis zu vier Datenfelder sind möglich, für die Inhalte gibt es zehn Kategorien mit zahlreichen Optionen. Zu viele Felder sollte man allerdings nicht wählen, da die Schriftgröße ansonsten recht klein ausfällt – zumindest für die Generation 50+!

Im Setup fallen ein paar Optionen auf, die bei den kleineren Forerunnern (110, 210, 410) nicht vorhanden sind. Zum einen gibt es einen Vibrationsalarm, zum anderen eine Datenaufzeichnung zu jeder Sekunde. Den “intelligenten Modus”, der automatisch nach bestimmten Algorithmen aufzeichnet, gibt es weiterhin.

Garmin Forerunner 610: Navigation, GPS, Akku

Zum Navigieren hat der Forerunner 610 grundlegende Funktionen an Bord. Im Menü “Zieleingabe” gibt es Infos zur aktuellen, als Wegpunkt speicherbaren Position. Einmal abgespeichert, lassen sich Name, Koordinaten und Höhe bearbeiten. Ein Austauschen von Wegpunkten mit einem PC ist übrigens nicht möglich. Die Wegpunkte (max. 100) können als Navigationsziel verwendet werden, außerdem steht beim Laufen die wichtige Funktion “Zurück zum Start” zur Verfügung. In beiden Fällen wird der Sportler mit Hilfe eines Richtungspfeils inklusive Distanzangabe zum Ziel geführt. Was er dagegen nicht bietet: ein Navigieren entlang von Strecken.

Beim GPS-Empfang gibt sich der Neue keine Blößen. Wie bei allen aktuellen Forerunnern setzt Garmin auf SiRFInstant-FixII Technologie. Dabei wird die Position auf Basis vorausberechneter Satellitenbahnen schnell und zuverlässig bestimmt. Eine spezielle Satellitenseite mit Anzahl, Nummer, Signalstärke und GPS-Genauigkeit findet sich in den Systemeinstellungen.

Wie sich der SiRFstarIV Chip des 610 im Einsatz schlägt, zeigt folgendes Beispiel.

Statt – der Hochhäuser wegen – nach New York zu jetten, haben wir eine anspruchsvolle Strecke in einem sehr dicht bewaldeten Gebirgstal ausgewählt. Der 610 zeigt, wie auch seine Forerunner Kollegen 210 und 410, ein sehr gutes Ergebnis. Statt Schwächen beim GPS-Empfang, hat sich dafür etwas anderes offenbart. Beim 410 und 610 war im ersten Teil der Strecke “Autopause” “Wenn angehalten” aktiviert. Folge: bei niedrigen Geschwindigkeiten (ungefähr kleiner 3 km/h) verharren die beiden und es findet keine Datenaufzeichnung statt (erkennbar an den Geraden).

Download der Tracks zum Vergleichen: Garmin Forerunner 610 Test (kml-Datei beispielsweise mit Google Earth öffnen)(Trackfarben; Foerunner 210: grün, Foerunner 410: rot, Foerunner 610: blau, Outdoor-GPS-Gerät GPSmap 62st: gelb)

Zu den Akkulaufzeiten. Garmin gibt 4 Wochen im Stromspar- (Forerunner 410: 2 Wochen) und 8 Stunden im Trainingsmodus (410: dito) an. 8 Stunden können für manchen Extremisten – vor allem unter den Radsportlern – durchaus zu wenig sein. Für solche Aktivitäten ist nach wie vor der Forerunner 310XT mit bis zu 20 Stunden im GPS-Modus das Maß der Dinge.

Garmin Forerunner 610: Training

Als grundlegende Trainingsformen bietet der 610 Intervall- und benutzerdefiniertes Trainings, aber keine Ausdauertrainings analog zum Forerunner 410. Dafür sind neue Funktionen verwirklicht. Nicht nur, dass zwischen Laufen und Radfahren gewechselt werden kann (bietet der 410 ebenfalls), es sind nun Sportarten-spezifische Einstellungen möglich. Dies betrifft: Alarme (Distanz, Herzfrequenz, Zeit, Kalorien, Trittfrequenz), Auto Lap, Auto Pause, Auto Scroll sowie die einzelnen Seiten (Anzahl Datenfelder etc.). Noch besser: Der Virtual Partner ist ebenfalls für jede Sportart konfigurierbar. Ein Hinweis: Multisport-fähig wie die Klassiker Forerunner 310XT bzw. 305 ist der Neue nicht!

Neu hinzugekommen ist die separate Funktion “Virtual Racer”. Damit kann man gegen historische Läufe (oder Radstrecken) antreten und versuchen, die letzte Zeit zu toppen. Der virtuelle Gegner läuft schließlich die reale, auf der Vergleichsstrecke gemessene Geschwindigkeit. Dazu läßt sich jede, im Protokoll des Forerunners gespeicherte Strecke heranziehen; alternativ können Strecken z.B. aus dem Online-Portal Garmin Connect verwendet werden (die Übertragung erfolgt via PC). Gelingt das Vorhaben, die alte Zeit zu unterbieten, heißt es: “Sie haben gewonnen. Training abgeschlossen!” Die Funktion “Virtual Partner” gibt es weiterhin; damit läßt es sich – im Gegensatz zur realen Geschwindigkeit beim Virtual Racer – gegen eine voreingestellte Geschwindigkeit laufen.

Ebenfalls neu: der Trainingseffekt. Der Forerunner gibt Informationen zur Effektivität des Trainings. Liegt der Wert beispielsweise im Bereich von 4.0 bis 4.9, bedeutet dies eine “deutliche Verbesserung der aeroben Fitness”. Berechnet wird er auf Basis des Benutzerprofils, der Herzfrequenz bzw. Dauer und Intensität des Trainings.

Für manche Sportler wäre es vorteilhaft, wenn der Energiesparmodus deaktivierbar wäre. Dieser Modus – mit Anzeige von Uhrzeit und Datum – wird nach 5 Minuten Inaktivität automatisch aktiviert. Beim Start zu einem Wettkampf kann es durchaus stören, wenn der Forerunner durch ein Streichen über das Display erst wieder geweckt werden muß!

Garmin Forerunner 610: Zubehör, Datenübertragung

Forerunner 610 mit Garmin Fahrradhalterung

Forerunner 610 mit Garmin Fahrradhalterung (Bild zum Vergrößern anklicken)


Wer den Forerunner 610 beim Radsport verwenden möchte, kann auf diverses Zubehör zurückgreifen. Mit einer speziellen Fahrradhalterung läßt er sich am Lenker montieren, mit dem GSC 10 Geschwindigkeits- und Trittfrequenzsensor stehen weitere Messwerte zur Verfügung. Für Indoor-Aktivitäten ohne GPS-Empfang kommt der optionale Laufsensor zum Einsatz. Zu einer ANT+ Körperwaage ist er kompatibel, zu Leistungsmessgeräten allerdings nicht.

Zum Aufladen des Foreruners wird eine zweipolige, magnetische Ladeklemme mitgeliefert, die recht fest am Forerunner sitzt. Die Klemme wird mit dem ebenfalls im Lieferumfang befindlichen USB-Netzteil oder einer USB-Buchse (z.B. am PC) verbunden.

Die Datenübertragung erfolgt dagegen drahtlos mit einem USB ANT Stick. Ein direkter Zugriff auf Verzeichnisse und Dateien des 610 ist dabei nicht möglich, am PC erscheint der Forerunner nicht als eigenes Laufwerk. Die Kombination von ANT Stick und dem Online-Portal Garmin Connect (zum Sammeln und Auswerten der Trainingsdaten) hat sich als sehr komfortabel erwiesen. Nach einer erstmaligen Installation und Einrichtung werden die Daten automatisch zu Garmin Connect hochgeladen. Ein Datenaustausch – wie beim Forerunner 410 – zwischen kompatiblen Geräten mittels ANT+ ist nicht möglich.

Garmin Forerunner 610: Fazit

Kauftipp Juni 2011, Garmin Forerunner 610

Kein Wunder, dass der Forerunner 610 mit einem Red Dot Design Award ausgezeichnet wurde – Innovation, Funktionalität und emotionaler Gehalt sind wirklich beeindruckend!

Der Forerunner 610 macht nicht nur Spaß, sondern versteht auch seinen Job. Viele wichtige und neue Trainingsfunktionen sind an Bord, Wegpunkte lassen sich ansteuern und er kann zurück zum Start eines Laufs führen. Besonders klasse: das getrennte Setup für die beiden Sportarten “Laufen” und “Radfahren”. Durch zusätzliche Sensoren läßt sich der Einsatzbereich des 610 noch einmal erweitern; für Radsportler gibt es einen Geschwindigkeits- /Trittfrequenzsensor, für Hallentrainings einen Laufsensor.

Für dieses technische Wunderwerk sind derzeit – inklusive HF-Sensor – stolze 399.- Euro hinzulegen. Wer mit weniger Funktionen auskommt, kann sich den Forerunner 210 näher anschauen (ca. 230.- Euro). Eine weitere, etwas günstigere Alternative, wäre der Forerunner 410 (ca. 350.- Euro). Seine Touch-Bedienung ist allerdings nicht so elegant, dafür bietet er noch andere Trainingsfunktionen. Triathleten werden eher zum Mulitsport-fähigen Forerunner 310XT greifen, der zudem eine lange Akkulaufzeit bietet und keine Schwimmeinlagen scheut (ca. 320.- Euro). Und wer es richtig preiswert haben will, kann auf den Klassiker Foreruner 305 zurückgreifen, den es schon für unter 140.- Euro gibt (sämtliche Preisangaben von Amazon).

Die Alternativen haben aber einen “Nachteil”: Das “Haben wollen” ist bei ihnen nicht so dominant!

Empfohlener Online-Shop: Garmin Forerunner 610 HR bei Amazon!

Alle Garmin Forerunner GPS-Sportuhren sind in unserer Forerunner Navi-Galerie aufgeführt.

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Familientreffen: Forerunner 210 (links), Forerunner 610 (Mitte), Forerunner 410 (rechts) (Bild zum Vergrößern anklicken)

Garmin Forerunner 410: Lieferumfang

  • Forerunner 610
  • Herzfrequenzsensor (je nach Modell)
  • USB ANT Stick
  • Netzladegerät
  • Lade-/Datenklemme
  • Schnellstartanleitung
  • Benutzerhandbuch auf CD-ROM

Getestete Software-Version: 2.20

Garmin Forerunner 610 Test – “Haben wollen” GPS-Sportuhr was last modified: Mai 4th, 2015 by Joachim Bardua
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