Garmin nüvi 3490LMT (Bild: Garmin)"Schatzi! Nach Hause!" – Eine kurze Sprachanweisung genügt und schon berechnet das Garmin nüvi 3490LMT eine Route in die Heimat.

Die Sprachsteuerung des nüvi 3490LMT läßt sich mit einem individuellem Befehl – wie unserem "Schatzi" – starten. Anschließend kann der Anwender sein nüvi mit Kommandos wie Helligkeit, Favoriten oder Telefon steuern. Unterm Strich erweist sie sich als die beste ihrer Art. Sie macht Spaß und funktioniert!

Das Garmin nüvi 3490LMT – von der Optik eher ein Smartphone als ein Navi – bietet noch mehr Highlights. Eines davon ist die Aktivhalterung mit integriertem Lautsprecher. Das garantiert eine Portion Extra-Komfort: Das Einstecken des Kabels bei jedem Einsetzen bzw. Entfernen des nüvis entfällt. Das Kabel – eine Kombination von Stromkabel und Verkehrsfunkempfänger – ist sehr lang, erweist sich von seiner Bauweise als recht unflexibel und wirkt mit einer Breite von einem Zentimeter optisch auffällig. Die recht kurz gebaute Halterung erlaubt dank Kugelkopf ein millimetergenaues Ausrichten des Garmins. Auch praktisch: der Bildschirminhalt passt sich automatisch einem Wechsel vom Hoch- ins Querformat an.

Ein weiteres Highlight ist das kapazitive 4,3-Zoll Touchscreen-Display. Die Bedienung erfolgt Smartphone-like: durch Listen läßt sich mit Leichtigkeit blättern, die Buttons reagieren verzögerungsfrei und erleichtern mit ihrer Größe das Tippen. Obwohl das Menü nicht an jeder Stelle perfekt aufgeräumt wirkt, läßt sich das nüvi 3490LMT flüssig und elegant bedienen.

Bei der Zieleingabe macht Garmin fast alles richtig. Optionen gibt es in Hülle und Fülle (Favoriten, Koordinaten, über die Karte, nach Hause, …), lediglich beim Tippen von Adressen wäre eine noch schnellere Vorauswahl möglicher Ziele praktisch. Beispiel: Liegt das Ziel in "Hamburg", dann muss fast der gesamte Ortsnamen ("Hambur") getippt werden, bevor das nüvi einen Vorschlag macht. Andere Navis – wie das kürzlich getestete Falk Pur 550 – bieten in dieser Disziplin noch mehr Komfort.

Für die POI-Suche (Point of Interest) hat sich Garmin einige Besonderheiten einfallen lassen. Die praktische Funktion "Autobahn-POIs" zeigt POIs an der Autobahn oder in der Nähe von Ausfahrten an. Ist man in der Stadt oder auf dem Land unterwegs, bietet es sich an, POIs über die Karte zu suchen. Diese werden schließlich schön übersichtlich auf der Karte dargestellt. Einzigster Wunsch wäre noch eine individuelle Vorauswahl: statt der Anzeige von allen POIs sollte der Benutzer einzelne Kategorien auswählen können, z.B. Geldautomaten oder Tankstellen. Dafür gibt es ein anderes praktisches Detail. Mit dem Garmin POI-Loader lassen sich die vorinstallierten POIs beliebig erweitern. Das Verwenden von Wegpunktdateien (GPX-Format), z.B. mit Geocaches, läßt das nüvi 3490LMT auch zu.

Garmin nüvi 3490LMT Test: Routenberechnung, Navigation

Zum Berechnen von Routen bietet das nüvi folgende Optionen: kürzere Zeit, kürzere Strecke, weniger Kraftststoff, Luftlinie. Vermeidungskriterien wie Autobahnen und Kehrtwenden gibt es natürlich auch. Zusätzlich hilft trafficTrends beim Optimieren der Route. Dann berechnet das nüvi seine Routen auf Basis historischer Verkehrsdaten (Navteq Traffic Patterns). Daraus resultieren nach unseren Tests nicht nur sinnvolle, tageszeitabhängige Strecken, sondern auch präzisere Angaben zur Fahrtzeit. Ein großes Plus für das nüvi: Im Gegensatz zu manch anderem Navi mit Traffic Patterns berechnet das nüvi 3490LMT je nach Tages-und Nachtzeit tatsächlich unterschiedliche Strecken!

Allerdings gibt es hin und wieder ein paar Ungereimtheiten. In der Einstellung "kürzere Zeit" routet das 3490LMT auf kurzen Streckenabschnitten schon einmal auf parallel führenden Straßen, unnötige Abbiegemanöver und Ampelstops können die Folge sein. Außerdem erscheinen die Routen im Modus "weniger Kraftstoff" teils wenig plausibel. Warum soll eine Route auf einer Bundesstrasse mit vielen Ortsdurchfahrten kraftstoffsparender sein als eine mögliche Alternative auf einer nahezu parallel verlaufenden Autobahn?

Beim Routenberechnungstempo legt das nüvi 3490LMT folgende Zeiten hin, Beispiele (Einstellung: kürzere Zeit):

  • Nahverkehr, 8 km: 3,5 Sek
  • Autobahn/Stadt kombiniert, 50 km: 8,0 Sek.
  • Fernverkehr, 400 km: 23,7 (7,2) Sek.
  • Fernverkehr, 810 km: 25,3 (8,9) Sek.
  • Fernverkehr, (Autobahn und Landstraße), 1000 km: 47,8 (9,4) Sek.

Auf den ersten Blick erscheinen die Werte – vor allem bei langen Strecken – recht hoch. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass eine Routenberechnung auf Basis historischer Verkehrsdaten mehr Rechenpower verlangt. Wird die Funktion "trafficTrends" deaktiviert, verkürzen sich die Berechnungszeiten drastisch (Beispiele in Klammern).

Dank des hochauflösenden Displays und den kräftigen Farben überzeugt das 3490LMT bei der optischen Navigation. Zudem ist das Display in der Einstellung "100% Helligkeit" wirklich hell und somit sonnenlichttauglich. Die Helligkeit läßt sich für den Tages- und Nachtbildschirm aber nicht getrennt einstellen, so dass man sie oft regeln muss – was mit "Schatzi" aber ein Leichtes ist. Die Magenta eingezeichnete Strecke läßt sich auf der Karte hervorragend erkennen, eine weitere optische Hilfe sind Garmins photoReal-Kreuzungsansichten. Neben der Karte wird eine fotorealistische Darstellung eingeblendet. So praktisch die Ansichten auch sind, das Display wirkt bei gleichzeitiger Anzeige von Karte und Kreuzungsansicht überfrachtet, zumal die Schriften recht klein ausfallen. Weniger wäre hier mehr! Noch zu erwähnen: die 3D-Gelände und 3D-Gebäude Darstellungen.

Für die Sprachansagen stehen zwei Text-to-Speech Stimmen – Steffi und Yannick – zur Verfügung. Beide erledigen ihre Aufgabe zur Zufriedenheit, Ansagen wie "Nehmen sie die Einfahrt …" oder kleinere inhaltliche Fehler sind aber hinzunehmen. Auch stört es, dass der Lautsprecher bei maximaler Lautstärke zum Verzerren neigt.

Garmin nüvi 3490LMT Test: Weitere Funktionen

Funktionen bietet das nüvi in großer Zahl. Dazu gehören Hilfen bei der Parkplatzsuche, Speichern der aktuellen Position als Parkplatz, "Wo bin ich?" Funktion für den Notfall, Tripcomputer mit Reiseinformationen, Fußgängernavigation, Mehrzielrouten inklusive Streckenoptimierung, Photo-Navigation, Bildbetrachter, Hörbuch-Player, ecoRoute (Berechnung von Spritverbrauch und Kraftstoffkosten), Weltzeituhr, Wecker, Taschenrechner, Einheitenrechner und weiteres.

Bei aktivierter Funktion "trafficTrends" zeichnet das nüvi Verkehrsdaten auf, um in Zukunft noch bessere Routen berechnen zu können. Diese Nutzungsdaten werden – wenn das Gerät an den PC angeschlossen ist und der Anwender auf der Webseite "myGarmin" angemeldet ist – zur Auswertung an Garmin übertragen (Funktion "myStart"). Der Anwender muss der anonymen Datenübertragung aber zuerst zustimmen.

Zum Empfangen von Verkehrsnachrichten wartet das 3490LMT mit einem zeitlich unbegrenztem Verkehrsfunkabonnement ("3D Traffic-Funktion") auf, das auf Navteq Traffic Daten – inklusive TMCpro – zugreift. Die Integration in das Navigationsgeschehen hat im Test überzeugt, hinsichtlich der Qualität und Häufigkeit der Meldungen kann Navteq Traffic aber mit einem kostenpflichtigen System wie TomTom HD Traffic nicht mithalten.

Die Bluetooth-Freisprecheinrichtung gefällt hinsichtlich seines Funktionsumfangs, das Verbinden mit einem Android-Smartphone klappt wunderbar. Die Sprachqualität reicht aus, um auch ein längeres Telefonat führen zu können. Als erstklassig erweist sich das Eingeben einer Telefonnummer per Sprachsteuerung. Die Funktion "SMS senden und empfangen" stand – entgegen der Beschreibung auf der Garmin-Webseite – nicht zur Verfügung.

Noch etwas zur Technik. Die Position bestimmt das nüvi blitzschnell, es läßt sich wahlweise in einen Standby-Modus versetzen oder komplett ausschalten.

Garmin nüvi 3490LMT Test: Kartenmaterial, Lieferumfang

Karten: City Navigator NT-Karten für Gesamt-Europa auf Basis von NAVTEQ Kartenmaterial. Weitere Karten lassen sich auf einer microSD-Speicherkarte installieren.

Lieferumfang:

  • Navigationssystem
  • Aktivhalterung
  • Ladekabel mit Verkehrsfunkempfänger
  • Separate TMC-Antenne
  • USB-Kabel
  • Schnellstart-Anleitung

Getestete Software: Version 3.60

Straßenpreis Garmin nüvi 3490LMT: rund 300.- Euro

Der auf den ersten Blick hohe Verkaufspreis relativiert sich deutlich, da ein lebenslanger, kostenloser Karten-Updateservice inbegriffen ist. Damit erhält der Käufer bis zu viermal im Jahr neue Karten.

Garmin nüvi 3490LMT Test: Fazit

Note sehr gut für das Garmin nüvi 3490LMT

Mit dem nüvi 3490LMT hat Garmin ein starkes Navigationssystem mit Smartphone-Feeling im Programm. Mit der Sprachsteuerung läßt sich das 3490LMT spielend bedienen, das hochauflösende, kapazitive Display macht Spaß und bietet eine überzeugende Darstellung, dazu kommen viele Funktionen, klasse Hilfen bei der POI-Suche und eine Routenberechnung auf Basis historischer Verkehrsdaten – perfekt! Aber nur fast, ein paar Schwächen sind auch auszumachen. Allen voran die kleinen Ausreißer bei der Routenführung.

Der Straßenpreis von rund 300.- Euro geht für das Gebotene voll in Ordnung – zumal lebenslange, kostenlose Kartenupdates im Preis des 3490LMT inbegriffen sind!

Empfohlener Online-Shop:

Garmin nüvi 3490LMT: Pro und Contra

Pro

  • Aktivhalterung
  • Kapazitiver Touchscreen
  • Design
  • Routen auf Basis historischer Verkehrsdaten
  • Funktionsumfang
  • Tolle Sprachsteuerung
  • Klasse POI-Anzeige
  • Durchgängige Navigation in Tunnels
  • Sehr helles Display
  • Schnelle Positionsbestimmung
  • Zahlreiche Konfigurationsmöglichkeiten
  • Kostenlose Karten-Updates inbegriffen (lebenslang)

Contra

  • Keine Anzeige von Alternativrouten
  • Kleine Schwächen bei der Routenführung
  • Helligkeit für Tag-/Nachtbildschirm nicht separat einstellbar
  • Warnungen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen nicht individuell konfigurierbar (z.B. innerorts/außerorts)
  • Handbuch nur als Download erhältlich

Garmin nüvi 3490LMT Test: Bewertung

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System80%sehr gut
Navigation65%sehr gut
Bedienung80%sehr gut
Ausstattung80%sehr gut
Zubehör40%befriedigend
Bewertung72%sehr gut
Gesamtnote: System/Navigation/Bedienung zu 25%, Ausstattung zu 15%, Zubehör zu 10% gewichtet
Garmin nüvi 3490LMT Test was last modified: März 20th, 2016 by Joachim Bardua

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