Garmin geht 2014 gleich mit fünf neuen nüvis der Essential-Reihe ins Rennen: 55LT, 55LMT, 56LMT, 65LMT und 66LMT. Navigation-Professionell.de hat sich das nüvi 65LMT herausgepickt und näher angeschaut. Wie die Bezeichnung "Essential" schon ausdrückt, sollen beim nüvi 65LMT alle wesentlichen Navigationsfunktionen an Bord sein – der Test wird’s zeigen!.

Die Essential-nüvis mit "LMT" im Namen unterscheiden sich nur bei der Displaygröße und dem vorinstallierten NAVTEQ-Kartenmaterial. Die erste Zahl in der Bezeichnung weist auf die Displaygröße hin (5- bzw. 6,1-Zoll), die zweite Zahl auf das vorinstallierte Kartenmaterial (5: 22 europäische Länder; 6: 45 Länder Europas).

Der Straßenpreis variiert entsprechend von 135.- bis 179.- Euro. Das Testgerät nüvi 65LMT kommt derzeit auf 158.- Euro, bietet ein 6,1-Zoll Display und Karten von 22 Ländern.

Garmin nüvi 65LMT

Garmin nüvi 65LMT (Bild: Garmin)

Garmin nüvi 65LMT Test: Technik

Das schwarze Kunststoffgehäuse des nüvi 65LMT macht einen soliden Eindruck, der Anschluß für das Ladekabel befindet sich auf der Gehäuserückseite – das optische Gesamtbild wird also nicht durch einen seitlich oder unten hervorstehenden Stecker gestört. Oben links auf dem Gehäuse gibt es noch einen Ein/Ausschalter, auf der Rückseite einen Slot für eine microSD-Karte, die beispielsweise weiteres Kartenmaterial aufnimmt.

Die recht kurze und minimalitische Fahrzeughalterung hat sich im Test bewährt, bei einer sauberen Frontscheibe ist ein fester Sitz gewährleistet. Ansonsten überzeugt sie durch ein einfaches Einsetzen bzw. Entnehmen des nüvis. Wer mag kann das 65LMT auch im Hochformat betreiben; ob es möglich ist, hängt allerdings vom Neigungswinkel der Frontscheibe ab.

Der Akku hält nur rund eine Stunde durch. Dies ist in der Praxis aber nicht so tragisch, da Verkehrsnachrichten nur bei eingestecktem Ladestecker empfangen werden und er deshalb in der Regel immer in der Kfz-Steckdose sitzt.

Der GPS-Empfang ist erstklassig, Wartezeiten bis zur Positionsbestimmung gibt es praktisch nicht, ebenso kein anfängliches Abdriften der Position.

Garmin nüvi 65LMT Test: Bedienung, Zieleingabe

nüvi 65LMT: praktisches Suchfeld

Eingeben eines beliebigen Suchbegriffs

Die Benutzeroberfläche ist übersichtlich gehalten, die wichtigsten Funktionen sind schnell verinnerlicht. Einige Feinheiten erschliessen sich allerdings erst nach einer gewissen Eingewöhnungszeit bzw. nach einem Studium der Bedienungsanleitung. Ein Beispiel ist die "Wo bin ich?" Funktion: Durch ein Antippen des Fahrzeugsymbols auf der Kartenseite werden Infos wie Position und Adresse angezeigt, Shortcuts erleichtern die Suche nach wichtigen POIs (Polizei, ..). Dafür erleichtern große Symbole das Tippen, außerdem verlaufen alle Interaktionen mit dem System schnell und flüssig.

Das Einstellungsmenü bietet viele Optionen zum Feintunen des nüvis. Beim Setup fällt aber auf, dass für Tempoalarme nur ein "an" oder "aus" zur Auswahl steht. Individuelle Warnungen wie z.B. "Warne mich außerorts bei einer Überschreitung von 15 km/h" sind nicht vorgesehen. Dafür gibt es andere Vorteile. Zu nennen wären Hinweise zu Umweltzonen, (nicht sehr zuverlässige) Warnungen bei Schulzonen oder die individuell konfigurierbaren Kurzbefehle im Zieleingabe-Menü, die z.B. eine Verknüpfung mit einer Suche nach Postfilialen ermöglichen. Radarkamera-Infos lassen sich nachrüsten, ein Jahresabo für Europa kostet kräftige 29,95 Euro.

Als äußerst praktisch erweist sich das Eingeben eines beliebigen Begriffs oder einer Adresse in ein Suchfeld (Abbildung rechts). Die Suche erfolgt nach Vorgaben wie "in der Nähe" oder "entlang der Route". Ansonsten sind alle wichtigen Optionen zur Zieleingabe vorhanden, inklusive dem Eingeben von Koordinaten.

Garmin nüvi 65LMT Test: Routen

Zur Berechnung der Routen stehen die Optionen "Luftlinie", "kürzere Zeit", "kürzere Strecke" und "weniger Kraftstoff" zur Auswahl. Das nüvi 65LMT bietet leider keine Routenberechnung auf Basis historischer Verkehrsdaten, eine von Garmin bei anderen nüvis als "trafficTrends" bezeichnete Funktion.

Da die Einstellung "Kürzere Zeit" sicherlich die am häufigsten verwendete Methode ist, stand sie im Mittelpunkt des Tests. Die gewählten Routen fallen in der Regel überzeugend aus, allerdings gibt es auch ein paar Ausnahmen, bei denen man eher geneigt ist zu sagen "da würde ich nicht langfahren". Dies ist insbesondere bei innerstädtischen, quer durch München führenden Strecken, aufgefallen. Das nüvi will mittendurch obwohl außen herum besser wäre. Kürzlich getestete Navis von Becker, Falk und TomTom, die allesamt auf historische Verkehrsdaten setzen, schneiden im direkten Vergleich besser ab.

Ähnliches gilt für die "weniger Kraftstoff" Routen. Da werden schon einmal wirklich unnötige Schlenker eingebaut oder die Strecke verläuft auf einer mit Ampeln, Kreisverkehren und Ortsdurchfahrten gespickten Straße statt auf der parallelen Autobahn, auf der bei moderater Fahrweise mit Sicherheit weniger Kraftstoff verbraucht wird.

Bei Bedarf berechnet das nüvi 65LMT bis zu zwei Alternativrouten. Nicht selten wird nur eine Alternative angezeigt, außerdem erscheinen die Vorschläge – vor allem im Vergleich zu anderen Navis – nicht immer plausibel.

Garmin nüvi 65LMT Test: Navigation

Die Navigationsbildschirm überzeugt durch seine aufgeräumte Gestaltung. Eine gute Übersicht über die vorausliegende Strecke, Kreuzungsansichten und ein Fahrspurassistent lassen keine Zweifel aufkommen. Besonders gut gefällt auch die Darstellung von bis zu drei POI-Typen auf der Karte.

Als besonders wertvoll erweist sich die Infoleiste am rechten Kartenrand. Hier lassen sich unterschiedliche Informationen einblenden. Als besonders hilfreich erweisen sich die Optionen "POI entlang der Route" bzw. "Reisedaten". Dann werden – je nach Vorgabe – laufend die nächsten Tankstellen, Parkplätze und Geldautomaten angezeigt. Im Modus "Reisedaten" wird der Fahrer mit Informationen wie Spritkosten, verbleibende Distanz und Zeit zum Ziel versorgt. Der Fahrer erhält mit einem Blick eine übersicht zu allen essentiellen Daten. In dieser Leiste werden bei Bedarf auch die auf NAVTEQ Traffic Daten basierenden Verkehrsmeldungen übersichtlich angezeigt.

Für die Sprachansagen stehen Anna (mit der Ansage von Straßennamen) und Marie zur Auswahl. Die Ansagen sind so gestrickt, dass nicht selten ein Blick auf den Navigationsbildschirm nötig ist. Einerseits wünscht man sich häufiger mal die Info wie weit es noch bis zum nächsten Ereignis wie einem Kreisverkehr oder eine Abbiegung ist, andererseits kann die Ansage inhaltlich falsch ausfallen. Bei einer Autobahnauffahrt heißt es schon einmal "Richtung Garmisch" obwohl man die Auffahrt nach München nimmt.

nüvi 65LMT Kartenseite

Garmin nüvi 65LMT: Übersichtliche Kartenansicht, praktische Infoleiste auf der rechten Seite, oben rechts Warnhinweis bei Schulen.

Garmin nüvi 65LMT Test: Weitere Funktionen

Beim weiteren Funktionsumfang hat das nüvi 65LMT mehr zu bieten als nur essentielle Funktionen. Zum Wiederfinden läßt sich die Parkposition abspeichern, es gibt Mehrzielrouten inklusive einer Optimierungsfunktion, mit "Wo war ich?" werden vorherige Routen und Ziele angezeigt und "myTrends" sagt das nächste Ziel voraus. "ecoRoute" hilft beim Berechnen der Kraftstoffkosten und Optimieren des Spritverbrauchs.

Ein Reisecomputer mit zwei Zählern informiert zu allerlei statistischen Daten. Als hilfreich kann sich das Vermeiden von Streckenabschitten erweisen. Beim nüvi 65LMT läßt sich eine Vermeidung nach Entfernung einrichten oder eine bestimmte Straße sperren.

Ein praktisches Extra ist der Garmin POI Loader, eine Software für Windows und Mac, mit der sich eigene POIs auf das nüvi laden lassen.

Garmin nüvi 65LMT Test: Fazit

Das Garmin nüvi 65LMT erweist sich im Test als ein grundsolides Navigationssystem, das vor allem durch eine starke Technik, ein schön großes Display, seinen mehr als essentiellen Funktionsumfang und den übersichtlichen Navigationsbildschirm punkten kann.

Schwachstellen gibt es auch, allen voran bei den Sprachansagen und der Routenführung. Die Sprachansagen machen nicht selten einen Blick auf die Karte nötig, die Routenführung kann insbesondere in der Option "weniger Kraftstoff" kaum überzeugen.

In der Summe seiner Eigenschaften hat sich das Garmin nüvi 65LMT ein "sehr gut" redlich verdient, allerdings muss hinzugefügt werden, dass es in seiner Preisklasse auf eine starke Konkurrenz trifft. Allen voran die Becker Ready Modelle, die bei der Routenberechnung auf historische Verkehrsdaten setzen und eine erstklassige Zielführung bieten.

Garmin nüvi 65LMT Testnote

Garmin nüvi 65LMT Test: Pro und Contra

Pro

  • Kostenlose, lebenslange Kartenupdates inbegriffen
  • Premium-TMC im Preis
  • Großes 6-Zoll Display
  • Zuverlässiger und schneller GPS-Empfang
  • Praktische Infoleiste am rechten Kartenrand
  • Aufgeräumter, übersichtlicher Navigationsbildschirm
  • Wahlweise Quer- oder Hochformat
  • Gesamter Funktionsumfang
  • Übersichtliche Verkehrs-/Staumeldungen

Contra

  • Routenführung mit Präferenz "Weniger Kraftstoff"
  • Verbesserungspotential bei den Sprachansagen
  • Versteckte Funktionen (z.B. Wo bin ich?)
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Aufgrund der vielen Gemeinsamkeiten gelten alle mit dem nüvi 65LMT im Test gemachten Erfahrungen auch für die anderen 2014er Essential-Modelle.

Garmin nüvi 65LMT Test: Bewertung

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System87%überragend
Navigation70%sehr gut
Bedienung67%sehr gut
Ausstattung60%gut
Zubehör40%befriedigend
Bewertung69%sehr gut
Gesamtnote: System/Navigation/Bedienung zu 25%, Ausstattung zu 15%, Zubehör zu 10% gewichtet
Kriterien: System (GPS-Empfang/Systemstabilität/Dauer Routenberechnung), Navigation (Routenqualität/Visuelle- & akkustische Zielführung/Verkehrsinfos), Bedienung (Montage/Anleitung/Benutzerführung), Ausstattung/Zubehör (Anzahl an Funktionen bzw. mitgeliefertes Zubehör)

Getestete Software: Version 2.20

Garmin nüvi 65LMT Test was last modified: August 10th, 2015 by Joachim Bardua

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