Wer kennt das nicht? Nach dem Klick auf "Bestellung abschicken" gehört das "Unboxing" (Neudeutsch für "Auspacken") zur größten Freude beim Kauf eines neuen Technik-Gadgets*. Als erstes steht dann eine Spielstunde an, in der das Gadget sein Können beweisen muss und über Gefallen oder Nichtgefallen entschieden wird – der erste Eindruck ist schließlich entscheidend! Kurzum, der neue Garmin Edge 800 hat dieses Procedere mit Bravour überstanden. "Geiles Teil" lautet das Vorspiel-Fazit.

*Gadget (engl.): laut Duden ein "kleiner, raffinierter technischer Gegenstand …"

Ob der Edge 800 diese Vorgabe auch im Outdoor-Leben erfüllen kann, mußte ein mehrwöchiger Test zeigen. Allerdings mit einer Einschränkung: Die Markteinführung eines GPS-Trainingscomputers zu Weihnachten ist ein recht unglücklicher Termin; zumindest dann, wenn der Tester nicht kurzfristig nach Mallorca jeten kann.

Was macht den Edge 800 so besonders? Der Edge 800 ist – laut Garmin – der erste "reinrassige" GPS-Radcomputer mit Touchscreen. Funktional läßt er sich gut als Hybrid zwischen einem Garmin Edge 705 (dem bisherigen Top-Modell unter den Garmin Fahrradcomputern) und einem Garmin Dakota 20 (ein Outdoor GPS-Handgerät mit Touchscreen) beschreiben.

Garmin Edge 800 Test: Technik

Klein (5,1 x 9,3 x 2,5 cm) und leicht (98 g) gehören zu seinen Stärken. In Kombination mit dem Carbonlook dürfte er somit an Hightech Zweirad-Boliden eine gute Figur machen. Die Befestigung erfolgt mittels Bajonettverschluss an einer minimalistischen, optisch unauffälligen Kunststoffhalterung, die mit Gummiringen an Vorbau oder Lenker fixiert wird. Ob diese Konstruktion im harten MTB-Alltag hält, kann noch nicht beurteilt werden, sie macht zumindest einen zuverlässigen Eindruck.

Zur Energieversorgung dient ein nicht auswechselbarer Lithium-Akku, dessen Laufzeit mit 15 Stunden angegeben ist. Im Test sind wir auf folgende Zeiten gekommen (teilweise bei knackigen Minustemperaturen!):

  • 06:45/06:30 hh:mm (100% Beleuchtung über die gesamte Laufzeit, aktive Aufzeichnung und Navigation)
  • 09:45 hh:mm (0% Beleuchtung über die gesamte Laufzeit, größtenteils aktivierter HF-Sensor, aktive Aufzeichnung, lange Zeit kalten Temperaturen ausgesetzt)
  • 13:15 hh:mm (50% Beleuchtung über die gesamte Laufzeit, aktivierter HF-Sensor, aktive Aufzeichnung)
  • 15:30 hh:mm (0% Beleuchtung über die gesamte Laufzeit, aktive Aufzeichnung, "Datenlogger-Modus")

Zu GPS-Empfänger und GPS-Antenne (Hersteller, Typ) macht Garmin keine weiteren Angaben. Macht nichts, schließlich gibts da auch nichts zu kritisieren. Die Position wird dank HotFix-Technologie schnell und zuverlässig bestimmt, die Qualität von zahlreichen Streckenaufzeichnungen überzeugt.

Das folgende Beispiel zeigt eine Aufzeichnung im Vergleich zu einem Garmin GPSmap 62st (gelb) bzw. 60CSx (rot). Die Tracks aller drei Geräte sind ganz hervorragend, lediglich der 62st weicht im oberen Teil der Route auf einer Strecke von rund 150 Metern etwas ab.

Download der Tracks zum Vergleichen: Garmin Edge 800 Test (kml-Datei beispielsweise mit Google Earth öffnen)

Kommen wir zum Display. Mit einer Diagonale von 2,6-Zoll und einer Auflösung von 160 x 240 Pixel entspricht es den Displays der Garmin Dakota bzw. GPSmap 62/78 Modelle. Bezüglich der Ablesbarkeit haben wir es in erster Linie mit einem GPSmap 62st verglichen, da dessen Display zu den wirklich Guten auf dem Markt gehört. Das Edge-Display scheint etwas mehr zum Spiegeln zu neigen, dafür ist es bei voll aufgedrehter Hintergrundbeleuchtung eindeutig heller. Ein Vorteil, der gerade für Radler interessant ist: Beim Biken ist man gerne mit voller Beleuchtungspower unterwegs! Ohne Beleuchtung ist das Display des Edge dagegen einen Tick dunkler und erscheint minimal "milchig". Ingesamt gesehen ist die Ablesbarkeit sehr gut, auf eine abschliessende Bewertung wird an dieser Stelle aber verzichtet, da ein Einsatz am Bike – unter wechselnden Lichtbedingungen – nicht explizit getestet wurde!

Garmin Edge 800 Test: Bedienung

Der Edge wird in erster Linie per Touchscreen gesteuert. Ein Ziehen oder Schieben mit einem Finger genügt, um mit Leichtigkeit den Screen zu wechseln (alternativ über Buttons). Das Hin- und Herschieben des Bildschirms macht richtig Spaß und funktioniert auch mit langen Radhandschuhen sehr gut. Zusätzlich gibts noch drei Tasten mit folgenden Funktionen: Ein/Aus/Beleuchtung/Sensoren/Bike-Profil, Lap/Reset und Start/Stop. Die pfiffige Bedienung wird durch ein übersichtliches Menü ergänzt, allerdings muß reichlich Zeit investiert werden, um sämtliche Funktionen zu verstehen und anwenden zu können. An dieser Stelle kommen wir gleich zu einem Kritikpunkt: Das Edge 800 Handbuch gibt nicht auf alle Fragen Antworten (Hinweis: Ein deutschsprachiges PDF befindet sich im internen Speicher des Gerätes).

Garmin Edge 800 Test: Navigation

Zum Navigieren sind Topo- bzw. Straßenkarten eine große Hilfe. In dieser Disziplin zeigt sich ein großer Vorteil von Garmin-Navis: Das Angebot an Karten ist schier unerschöpflich!

Ein besonderes Plus: Der Edge 800 läßt sich auch mit kostenlosen OpenStreetMap (OSM) Karten bestücken. Dazu gehören beispielsweise spezielle, routingfähige Fahrradkarten. Aber nicht nur das: Rasterkarten wie Garmin Custom Maps oder Garmin BirdsEye Select sind für den Edge kein Fremdwort. Noch besser: die Kombination von Raster- und Vektorkarten. Sprich, eine Rasterkarte dient als Basis, ein Vektorkarte wie die Garmin Topo Deutschland wird als Layer darübergelegt. Damit lassen sich die Vorteile von Raster- (z.B. die Optik einer Papierkarte) mit den Vorteilen von Vektorkarten (z.B. Routing entlang von Wegen) kombinieren.

Eine Installation der Karten auf der microSD-Speicherkarte ist zwingend, da der zur Verfügung stehende, interne Speicher "nur" 105 MB umfasst. Die microSD-Karten dürfen (offiziell) 8 GB groß sein, größere sollen aber verwendbar sein. Die Topo-Karten werden – wie bei allen Garmin-Geräten – als img-Files abgespeichert, lassen sich vom Anwender umbenennen (z.B. "topo_d_2010.img", "openmtb_bayern.img") und separat aktivieren.

Sämtliche Daten speichert der Edge 800 in einem Speicherplatz schonenden Format ab (Dateien mit der Endung .fit; z.B. cycling.fit). Der Anwender kann wählen, ob seine aufgezeichneten Aktivitäten (zu finden im Ordner Garmin\Activities) oder erstellten Strecken (Garmin\Courses) im internen Speicher oder auf der Speicherkarte gesammelt werden. Der Test zeigt, dass der interne Speicherplatz zu bevorzugen ist. Grund: Die Garmin Training Center Software (Version 3.5.3) kann Daten nur aus dem internen Speicher importieren. Auf der Speicherkarte abgelegte Aktivitäten müssen erst manuell nach intern kopiert werden!

Zum Navigieren bietet der Edge folgende Optionen:

  • Luftlinien-Navigation (GoTo) zu einem beliebigen Punkt auf der Karte.
  • Routing wie beim Autonavi (Eingeben eines Ziels und los gehts). Voraussetzung: die Installation von routingfähigen Kartenmaterial, z.B. Garmin City Navigator, Garmin Topo Deutschland 2010, Openmtbmap. Dazu stehen diverse Routenberechnungsoptionen zur Verfügung (siehe Foto-Galerie), navigiert wird mit Hilfe der Karte (magenta Linie, weiße Richtungspfeile, Hinweistexte) bzw. akkustisch (Hinweistöne, Kursabweichungsalarm).
  • Die aktuelle Aktivität (Streckenaufzeichnung) wird mit "Zurück zum Start" zum Ausgangspunkt zurückverfolgt.
  • Mit der Funktion "Strecken" lassen sich Touren abradeln. Dies können beispielsweise von Tourenportalen heruntergeladene Tracks im GPX-Format, mit einem Planungsprogramm erstellte Routen oder mit dem Edge aufgezeichnete Aktivitäten* sein (* müssen aber zuerst manuell in Strecken umgewandelt werden). Eine recht praktische Funktion fehlt aber: Das Umkehren von Strecken, um sie entgegen der Aufzeichnungsrichtung verfolgen zu können. Die Navigation entlang von Strecken erfolgt optisch und akkustisch analog zum automatischen Routing.

Fotostrecke Garmin Edge 800 (anklicken)

Garmin Edge 800 Test: Training

Der Edge 800 ist nicht nur ein idealer Partner zum Navigieren, sondern auch zum Trainieren. Mit Hilfe von ANT+ Technologie lassen sich unterschiedliche Sensoren koppeln: Herzfrequenz-, Geschwindigkeits- /Trittfrequenzsensor, Leistungsmessgeräte. Ein besonders praktisches Hilfsmittel ist der Virtual Partner, mit dem sich der sportliche Radler Wettkämpfe liefern kann, um beispielsweise einen neuen Rekord auf der Hausstrecke aufzustellen. Das Trainieren wird durch zahlreiche Alarme unterstützt (nach Zeit/Distanz/Kalorien/Herzfrequenz/Trittfrequenz/Leistung). Beim Erreichen eines zuvor definierten Schwellenwertes, z.B. 3.000 Kalorien, erfolgt ein Hinweis.

Komplexe Trainings, z.B. innerhalb einer bestimmten Herzfrequenz-Zone, werden direkt auf dem Edge oder mit Hilfe der kostenlosen Software "Garmin Training Center" erstellt. Als Grundlage für die Trainings dienen drei Fahrradprofile (je Name/Gewicht/Kilometerzähler, HF-/Trittfrequenz-/Leistungssensor ja oder nein, Leistungsbereiche), ein Benutzerprofil (Geschlecht/Alter/Gewicht/Größe/Aktivitätsklasse) und frei definierbare Herzfrequenz- bzw. Geschwindigkeitszonen.

Garmin Edge 800 Test: Sonstiges

Im Rahmen des Tests sind uns noch ein paar erwähnenswerte Dinge aufgefallen.

  • Beim Starten einer Trainingsrunde meldet der Edge 800: "Bewegung erkannt. Stoppuhr starten?". Das Ärgernis, das Starten der Stoppuhr zu vergessen (und damit die gesamte Aufzeichnung), ist nun passe!
  • Auf der Satellitenseite wird die barometrische Höhe angezeigt und nicht wie bei Garmin-Geräten üblich die GPS-Höhe. Nach unserer Erfahrung gibt es bei den Höhenmessungen und -auswertungen durchaus Fehlerpotential. Um die Arbeitsweise des Gerätes zu verstehen und um Fehler zu vermeiden, empfiehlt es sich, den entsprechenden Thread im Garmin-Forum zu lesen!
  • Eine Datenübertragung per ANT+ von Gerät zu Gerät gibts nicht (z.B. Austausch von Wegpunkten).
[asa edge_800_test]B00424LN5G[/asa]

Garmin Edge 800 Test : Fazit

Das anfangs gezogene Fazit "Geiles Teil" kann auch nach dem ausführlichen Test nur bestätigt werden! Das Trainieren und Navigieren mit dem Edge 800 macht richtig Spaß. Von den vielen positiven Eigenschaften stechen inbesonders Optik, Bedienung, Funktionsumfang und das gute Display hervor. Besonders zu erwähnen ist noch die große, weltweite Auswahl an Karten, mit denen sich der Edge 800 bestücken läßt – nicht zu vergessen die kostenlosen OpenStreetMaps.

Der Edge 800 eignet sich für Radsportprofis, sportlich ambitionierte Mountainbiker oder Rennradler und Tourenradler. Die einzigste Einschränkung gibts aufgrund des nicht auswechselbaren Akkus z.B. für Alpencrosser. Wer allerdings Hotels einsamen Berghütten vorzieht, sollte damit kein Problem haben – oder belastet sein minimalistisches Gepäck mit einem externen Powerakku!

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  • Netzteil
  • Zwei Fahrradhalterungen, zwei Gummis zum Unterlegen und 14 Befestigungsgummis
  • Schnellstartanleitung

Testversion: Software-Version 2.10, GPS-Version 2.70
Ausführliche technische Daten enthält die Navi-Galerie von Navigation-Professionell.de.

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  • Geschwindigkeit- und Trittfrequenzsensor GSC 10. Garmin GSC 10 bei Amazon.de
Geiles Teil: GPS-Fahrradcomputer Garmin Edge 800 im Test was last modified: März 7th, 2016 by Joachim Bardua

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