Sportlich ambitionierte Radfahrer schmücken die Lenker ihrer Edelbikes nicht mehr mit simplen Fahrradcomputern. Der Trend geht zu Hightech Geräten mit GPS-Unterstützung.

Ein Vertreter dieser Klasse ist der neue Xplova G3, an dem nicht nur Radsportler mit einem Hang zu Statistiken ihre Freude haben dürften. Der smarte Fahrradcomputer im Carbonlook erfasst und visualisiert immerhin rund 80 verschiedene Daten. Aber nicht nur das. Der Xplova G3 kann auch navigieren, und zwar auf Basis von OpenStreetMap-Karten!

Der Xplova G3 konnte witterungsbedingt nicht in aller Ausführlichkeit beim Fahrradfahren getestet werden. Der folgende Artikel sollte Interessierten aber dennoch einen umfassenden Eindruck vermitteln!

Xplova G3 Test: Technik

Mit seinen kompakten Abmessungen macht der Xplova auch am Lenker eines eleganten Renners eine gute Figur. Der GPS-Datensammler wird einfach nur in die Halterung an Lenker oder Vorbau geschoben und eingeklippt. Die Schienen zur Aufnahme der Halterungen befinden sich nicht mittig an der Rückseite des Xplovas, sondern am unteren, leicht abgewinkelten Part des Gehäuses. Ob diese Position – vor allem beim Einsatz am MTB – eine ausreichende Dauerhaltbarkeit garantiert, wird sich zeigen müssen.

Gleich beim Starten zeigt der Xplova Klasse: Der Bootvorgang ist innerhalb von 30 Sekunden erledigt, manch anderes Windows CE System kann da vor Neid erblassen!

Die Energieversorgung erfolgt über einen auswechselbaren, Nokia BL-5CA kompatiblen Lithium-Ionen Akku (Kosten für einen Zweitakku: ca. 10.- €). Toll, da somit auch Mehrtagestouren unabhängig von der Steckdose möglich sind. Xplova gibt als Laufzeit 10 Stunden an, im Test sind wir auf ca. 06:30 bis 06:40 hh:mm (Beleuchtung dauerhaft auf 100%, aktive Navigation, Strecken-Aufzeichnung) bzw.11:10 bis 11:30 hh:mm (Beleuchtung auf ca. 40%, aktive Aufzeichnung) gekommen.

Mit PC oder Laptop wird der Xplova G3 über einen USB-Anschluß verbunden. Da er sofort in den Massenspeichermodus übergeht, besteht Zugriff auf den internen Speicher. Für Datenaufzeichnung und Kartenmaterial stehen 1,18 GB Speicher zur Verfügung, eine Erweiterung mittels Speicherkarte ist nicht vorgesehen.

Die Abmessungen des Xplova-Farbdisplays betragen3,5 x 4,4 cm (2,2-Zoll Diagonale). Die Auflösung ist nicht spezifiziert, das Display macht aber einen sehr scharfen, hochauflösenden Eindruck. Die Bezeichungen der Datenfelder sind dafür recht klein geraten. Eine optimale Ablesbarkeit ist erst dann gegeben, wenn der Radsportler mit der Nase überm Lenker hängt und nicht im aufrechten Cruising-Modus durch die Lande pedaliert. Die Hintergrundbeleuchtung ist in der Regel unverzichtbar, denn ohne läßt sich das recht dunkle Display kaum ablesen.

Bedient wird der Xplova mit sieben Tasten und einem Joystick. Tasten und Joystick lassen sich mit langen Radhandschuhen sicher bedienen. Welche Funktionen hinter den einzelnen Tasten stecken, ist nach wenigen Übungsstunden verinnerlicht.

Temperatursensor, elektronischer Kompass und barometrischer Höhenmesser gehören zur Grundausstattung des Xplovas. Inbesonders der Höhenmesser ist eine feine Sache. Dadurch werden besonders genaue Aufzeichnungen, z.B. der zurückgelegten Höhenmeter, ermöglicht. Beim GPS-Empfänger bzw. der GPS-Antenne geizt Xplova mit Informationen. Weder Hersteller noch Antennentyp (vermutlich eine Patch-Antenne) sind angegeben. Macht nichts, die Performance der GPS-Einheit ist durchwegs gut. Die Positionsbestimmung erfolgt sehr flott, die Qualität von Streckenaufzeichnungen ist überzeugend.

Folgende Karte – von einer Skitour – zeigt den Xplova (rot) im Vergleich zu einem GPS-Handgerät (Garmin GPSmap 78s, blau). Obwohl der Xplova größtenteils in der Hosen- oder Jackentasche transportiert wurde, ist die Aufzeichnung wirklich gut. Ausreisser sind der ungünstigen Aufbewahrung zuzuschreiben.

Tracks als kml-Datei herunterladen

Xplova G3 Test: Daten & Training

Neben der Kartenseite stehen dem Radler ein Dash Meter (“Großer Tacho”) mit bis zu drei Unterseiten bzw. drei Diagrammseiten und eine Trainingsseite zur Verfügung. Auf den individuell anpassbaren Seiten lassen sich alle nur erdenklichen Daten visualisieren, dazu gehören: Höhendaten, Trittfrequenz, Kalorien, Strecke, Herzfrequenz, Runde, Geschwindigkeit, Neigung, Zeit und Sonstiges (ingesamt 80 einzelne Datentypen!). Zum Trainieren gibts ein Benutzerprofil (Name, Geschlecht, Geburtsdatum, Gewicht, Größe, Herzfrequenzwerte) und drei Fahrradprofile (Name, Status (verwenden, nicht verwenden), Kilometerzähler, Gewicht, Radumfang, Sensoren ein/aus).

Funktionen zum Steuern von Trainings sind nicht in dem Umfang vorhanden, wie es bei anderen Mitbewerbern der Fall ist. Insbesonders vermissen wir einen Virtual Partner, von dem man sich wunderbar anspornen lassen kann. Es gibt: Alarmtypen (Zeit, Strecke, max./min. Geschwindigkeit, max./min. Herz-/Trittfrequenz), Autospeichern, Zwischenzeiten und drei Trainingsprogramme (nach Zeit/Strecke/Kalorien). Beispiel: Einstellen eines Wertes von 2.000 Kalorien, beim Erreichen erfolgt ein optischer und akkustischer Hinweis.

Der Xplova G3 läßt sich per ANT+ mit einem optional erhältlichen Herzfrequenz bzw. Geschwindigkeits- /Trittfrequenz-Kombisensor verbinden. Laut Xplova-Webseite sind auch Leistungsmessgeräte anschliessbar. Im Test war es problemlos möglich, einen Garmin Herzfrequenz-Brustgurt anzuschliessen.

Xplova G3 Test: Karten & Navigation


Beim Navigieren setzt Xplova auf Karten des OpenStreetMap-Projektes (OSM). Eine Basiskarte im Maßstab 1.75.000 ist bereits an Bord, Download und Übertragen von weiteren Karten auf das Gerät erfolgt über die mitgelieferte Software X-Tracks. Xplova stellt auf seinem Server weltweites OSM-Kartenmaterial inklusive Höhenlinienkarten zur Verfügung: Ob Deutschland, Frankreich, China oder Neuseeland, das Angebot ist nahezu komplett. Die Karten stammen vom September bzw. Oktober 2010, generell sollen sie alle drei Monate neu generiert werden.

Die Verwendung von OSM-Karten hat handfeste Vorteile: Durch eine große Community wird die Entwicklung kontinuierlich vorangetrieben, so dass sie kommerziellen Karten zunehmend Konkurrenz machen bzw. in einigen Regionen sogar schon überlegen sind. Außerdem sind OSM-Karten kostenlos – das Budget des Xplova-Besitzers wird also nicht weiter gestresst. Wer sich die OSM-Karten näher anschauen möchte, sollte dies über den OSM Online-Kartenviewer machen (OpenStreetMap).

Zum Navigieren müssen am PC mit X-Tracks Strecken geplant werden (siehe unten). Mit dem Gerät selber ist es nicht möglich, Routen zu erstellen oder Wegpunkte als Ziel auszuwählen, ebenso gibts keine Option, mit dem Xplova aufgezeichnete Aktivitäten unmittelbar zur Zielführung einzusetzen.

Auf der Kartenseite wird mit Hilfe der magenta gefärbten Strecke navigiert, Richtungspfeile und Töne weisen auf Abbiegungen hin (aber nur, wenn die Strecke in X-Tracks mit der Option “An der Straßen entlang” geplant wird). Die Datenfelder auf der Kartenseite lassen sich so konfigurieren, dass Infos wie “Abbiegung nach 20 m” angezeigt werden. Weitere Hinweise wie “Falsche Richtung” oder “Abseits der Strecke” erleichtern die Orientierung. Eine sinnvolle Funktion ist die “Rückwärtsverfolgung”, damit werden Strecken in die entgegengesetzte Richtung abgeradelt.

Kritikpunkte am Xplova G3. Das Verschieben des Cursors mit dem Joystick erfolgt nur ruckelig, auch kommt es vor, dass die auf der Karte angezeigte Position nicht aktuell ist. Mit dem Gerät erstellte Punkte lassen sich nur via Windows-Explorer löschen (Löschen der Datei “NewCreateMark.bin”), zudem ist es anscheinend nicht möglich, sie am PC zu verwenden. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die mitgelieferte, 16 seitige Kurzanleitung. Viele Funktionen, vor allem das Navigieren, werden nicht erklärt, ein ausführliches Handbuch steht aktuell nicht zur Verfügung.

Xplova G3 Test: X-Tracks

X-Tracks ermöglicht auf Basis von Online-Karten wie Google Maps, OSM bzw. der genialen OpenCycleMap (OCM) das Zusammenstellen von individuellen Strecken, und zwar mit einem automatischen Routing entlang des Strassennetzes oder als freie Routen (als Luftlinie von Punkt zu Punkt)(oder eine Kombination von beiden Möglichkeiten). Die Strecken werden dann als trk- oder gpx-Files auf den Xplova G3 übertragen umd zum Navigieren eingesetzt.

X-Tracks bietet noch die Funktion, die Strecke mit Markierungen zu versehen. Das sind POIs wie Wasserstellen und Geschäfte. Dazu kommen noch von X-Tracks errechnete Hinweise – “Smart-Signs” – auf Steigungen oder den höchsten Punkt einer Tour.

Neben den Möglichkeiten, Karten herunterzuladen (Kartenmanger) und Strecken zu planen (Routenmanger), dient X-Tracks auch zum Verwalten und Visualisieren der Aktivitäten. Die Aktivitäten lassen sich in Google-Maps anzeigen und mit Hilfe von Tabellen und Diagrammen auswerten. Weiterhin lassen sich Daten zur Ausrüstung eingeben (Marke, Modell, Gesamtnutzung, …) und ein Benutzerprofil pflegen, bei dem für jeden Tag Daten wie Ruhepuls, Hautfalte (!), Schlafqualität oder Gewicht hinterlegt werden können.

Der Routenmanger erlaubt das Exportieren von Strecken als trk- bzw. gpx-Dateien, importieren lassen sich – beispielsweie aus Internet-Tourenportalen – gpx-, trk- oder log-Dateien. Die exportierten trk-Dateien können von anderen Tools (GPS-Track-Analyse.NET bzw. GPSies.com) nicht gelesen werden, die gpx-Dateien hingegen schon. Weiterhin gibt es die Möglichkeit, Aktivitäten als gpx-Dateien zu exportieren bzw. zum Routenmanger zu übertragen.

Xplova G3 Test: Fazit

Der GPS-Fahrradcomputer Xplova G3 bietet grundlegende Trainings- und Navigationsfunktionen, seine besondere Stärke ist aber die Darstellung zahlreicher statistischer Daten. Zum Navigieren setzt Xplova auf die Power von OpenStreetMap. Klasse, da somit keine Investitionen in teueres Kartenmaterial nötig sind. Besonders praktisch ist auch das gesamte Kartenhandling, da komplizierte Freischaltungen und Installationen entfallen – ein paar Klicks, und die neue Karte ist auf dem Gerät. Vom Funktionsumfang ist der Xplova G3 vor allem für sportive Freizeitradler interessant, die auf ausgefuchste Trainings- und Navigationsfunktionen verzichten können.

Der Xplova ist derzeit für ca. 250.- Euro erhältlich, der Herzfrequenzsensor soll 49,99 Euro, der Geschwindigkeits- /Trittfrequenzsensor 54,99 Euro kosten (beide ab Januar erhältlich).

Mit dieser Preisgestaltung dürfte es der Xplova G3 schwer haben, sich gegen seinen größten Konkurrenten, den Garmin Edge 705, durchzusetzen. Den Edge 705 gibts bereits für ca. 250.- Euro inkl. Herz- bzw. 280.- Euro inkl. Herz- und Trittfrequenzsensor (Test Edge 705). Der Edge kann ebenfalls mit OSM-Karten (die Installation ist allerdings mit etwas Aufwand verbunden) und bietet deutlich mehr Navigations-, aber auch Trainingsfunktionen. Weitere, für eine Kaufentscheidung wichtige Informationen zu den einzelnen Geräten, enthält unsere Navi-Galerie (Kategorie “Radsport”).

Leser-Bewertung

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (192 GPS-Fans, ∅ Score: 68,44 %)

Mit einem Klick auf die entsprechende Anzahl an Sternen können Sie den Xplova G3 bewerten!

Xplova G3 Test: Lieferumfang, Software

  • Xplova G3
  • USB-Kabel
  • Zwei Fahrradhalterungen mit Kabelbindern
  • Netzteil
  • Schnellstartanleitung
  • DVD mit Handbuch und Software

Testversion: Software Version 1.0.3.6

GPS-Fahrradcomputer Xplova G3 im Test was last modified: Februar 3rd, 2012 by Joachim Bardua

Pin It on Pinterest

Share This