Garmin hat mit dem Oregon 550t ein neues Aushängeschild in der Sparte "Outdoor GPS-Handgeräte" eingeführt. Das Flaggschiff, der auf fünf Modelle angewachsenen Oregon-Serie, stellt einen Leckerbissen ohne gleichen dar. Eine 3,2 Megapixel Digitalkamera und eine europäische Freizeitkarte machen Appetit auf den Oregon 550t.

Die Nachfolger im ausführlichen Test: Garmin Oregon 600(t) und Garmin Oregon 650(t)

Neben einer genial einfachen Bedienung per Touchscreen bietet die Oregon-Serie vom Funktionsumfang nahezu alles, was ein Outdoor-Herz begehrt. Zwar gibt es hier und da noch ein paar Wünsche, doch in der Summe ihrer Eigenschaften sind die Oregons nach einigen Software-Updates ganz hervorragende Allrounder geworden. Dazu gehören (je nach Modell): Viele Navigationsfunktionen (Tracks, Routen, Wegpunkte, Trackback, Sight’N’Go, GoTo), Autonavigation mit City Navigator Karten, Outdoor-Routing mit aktuellen Garmin Topokarten sowie Paperless Geocaching, Verwenden von Rasterkarten und Satellitenbildern, Aufzeichnen und Anzeige von Herz- und Trittfrequenz, MOB (Man Overboard), Waypoint Averaging, Marinealarme, Stoppuhr, Wecker, Rechner, Kalender, Benutzerprofile, drahtloser Datenaustausch, NMEA-Daten, barometrischer Höhenmesser … und einiges mehr!

Beim Oregon 550t kommen noch weitere Features hinzu. Außer der 3,2 Megapixel Digitalkamera und der europäischen Freizeitkarte im Maßstab 1:100.000 hat der Oregon 550t einen 3-achsialen Kompass an Bord, der in jeder Lage – ob waagrecht oder schräg gehalten – die Himmelsrichtung korrekt anzeigt.

Über die Oregon Outdoor-Navis ist schon viel geschrieben und noch mehr diskutiert worden. Vor allem das Display ist Gegenstand kontroverser Diskussionen. Der Oregon 550t wartet in dieser Disziplin mit einer Weiterentwicklung auf: Das Display soll eine bei Sonneneinstrahlung verbesserte Ablesbarkeit haben.

Der folgende Test konzentriert sich vor allem auf die Neuerungen wie Display, Kamera und Freizeitkarte. Zahlreiche, weitere Infos sind beispielsweise in dem Test vom Garmin Oregon 300 zu finden.

Garmin Oregon 550t: Energieversorgung

Das Setup erlaubt die Wahl zwischen Alkaline, Lithium und NiMH-Akku. Die meisten Anwender benutzen erfahrungsgemäß NiMH-Akkus, so daß beim Testen der Akkulaufzeit nur dieser Typ beücksichtigt wird. Zum Einsatz kommen die empfehlenswerten Eneloop Akkus von Sanyo.

Für das erste Testszenario wurde der Oregon 550t auf zahlreichen Wanderungen über die heimischen Berge getragen. Dabei wurden alle Energiesparmaßnahmen, die das Gerät anbietet, ausgenutzt. Allerdings wurden auf jeder Tour ca. 10 bis 15 Fotos geschossen. Der Oregon 550t kommt auf eine Laufzeit von 17:00 bis 18:00 hh:mm. Zum Vergleich: Ein parallel verwendeter Oregon 300 hat eine Laufzeit von ca. 19:00 hh:mm.

Der zweite Test beinhaltet ein für Radtouren typisches Szenario: Hintergrundbeleuchtung dauerhaft auf 100% (Energiesparmodus auf "aus"), aktive Trackaufzeichnung und Tracknavigation. Nach der Tour wurden die Geräte bis zur Erschöpfung der Akkus als Logger eingesetzt. Hier ergeben sich folgende Werte: Oregon 550t ca 09:00 hh:mm (inklusive einiger Fotos), Oregon 300 08:15 bis 09:15 hh:mm.

Garmin Oregon 550t: Display

Das 3-Zoll Display des Oregon 550t wird als "auch bei Sonneneinstrahlung gut lesbar" beworben. Wie bei allen bisherigen Oregon-Geräten (200/300/400) ist dies tatsächlich der Fall – voarausgesetzt, das Gerät wird mit der Hand perfekt ausgerichtet. Dann sind Ablesbarkeit und Darstellung einer topographischen Karte ganz hervorragend! Wenn das Gerät allerdings nicht optimal platziert ist, muß in der Regel die Hintergrundbeleuchtung aktiviert werden.

Das Display des Oregon 550t unterscheidet sich vom Display des beliebten Oregon 300 in zwei Disziplinen: Es hinterläßt nicht den typischen, vor allem bei dunkler Umgebung (bedeckter Himmel, Schatten) oder ausgeschalteter Hintergrundbeleuchtung auftretenden, milchig-trüben Eindruck. Unter solchen Bedingungen ist sein Display einen Hauch klarer und kontrastreicher. Ein weiterer Unterschied ist das beim 550t deutlich stärker ausgeprägte Spiegeln, das aber mit der Zusatzbeleuchtung ausgeglichen werden kann.

In der Summe hat der Oregon 550t das beste Display aller Garmin Touchscreen Outdoor-Navis. Zahlreiche Touren zeigen, daß es für Wanderer optimal geeignet ist, Radfahrer aber wie bei allen Oregons weiterhin mit Einschränkungen leben müssen. Der oftmals gezogene Vergleich zu den Oldies eTrex und GPSmap hinkt ein wenig. Das Display der Oldies ist zwar unter nahezu allen Lichtbedingungen hervorragend ablesbar, dafür sind die Auflösung und die zur Verfügung stehende Displayfläche kleiner.

Garmin Oregon 550t: GPS-Empfang

Beim GPS-Empfang setzt Garmin auf einen hochempfindlichen, WAAS fähigen GPS-Empfänger. Aus welcher Hardware-Schmiede dieser stammt, ist nicht spezifiziert. Da der Oregon 550t und der Oregon 300 die gleiche GPS-Software Version 3.70 haben, ist davon auszugehen, daß der GPS-Chip identisch ist und es sich vermutlich um einen STA2062 "Cartesio" von STM handelt.

Dank HotFix-Technologie wir die Position in der Regel extrem schnell bestimmt, was sich in der Praxis in Verbindung mit der extrem kurzen Bootdauer als ein Segen erweist.

"Wie akkurat ist mein Gerät?" – Ein wichtiges Beurteilungskriterium für diese Frage sind Trackaufzeichnungen. Dazu wurden auf zahlreichen Wanderungen und Radtouren Tracks aufgezeichnet und anschließend mit diversen GPS-Geräten verglichen.

Ein Track als Beispiel: Oregon 550t (grün), Oregon 300 (blau), GPSmap 60Cx (rot). Die Aufzeichnung zeigt, daß sich alle Geräte auf einem gleich hohen Niveau befinden.

Download der Tracks zum Vergleichen: Garmin Oregon 550 Test (kmz-Datei beispielsweise mit Google Earth öffnen)

Die im internen Speicher vorinstallierte topografische Freizeitkarte im Maßstab 1:100.000 deckt Europa weitgehenst ab. Die Grenze bilden im Norden Norwegen, Schweden und Finnland (ohne Island und Spitzbergen), im Osten Estland, Lettland, Littauen, Polen, Slowakei, Ungarn, Rumänien und Bulgarien, im Süden Sizilien, Zypern, Türkei (je nach Region mit unterschiedlichem Informationsgehalt), Portugal, Spanien (mit Kanaren und Balearen) und im Westen Schottland und Irland.

Der Informationsgehalt der Karte ist immens hoch, kann aber je nach Region sehr unterschiedlich ausfallen. Beispielsweise sind in Nord-Schweden und -Norwegen keine Höhenlinien verzeichnet, die Schweiz ist nicht so detailliert wie andere Länder, in Deutschland kann es vorkommen, daß lokal einzelne Flüsse fehlen. Dafür enthält die Karte an anderer Stelle, z.B. in den Ammergauer Alpen, einige Wanderwege. Die POI-Datenbank ist ganz hervorragend und ermöglicht eine umfassende, europaweite Suche. Die Freizeitkarte ist nicht routingfähig!

Die Karte bedeutet einen deutlichen Mehrwert und kann jedem Europa-Traveller nur wärmstens empfohlen werden. Den Mehrpreis von ca. € 70.- im Vergleich zum Oregon 550 ist die Karte allemal wert! In Verbindung mit einer Tracknavigation läßt sie sich sehr gut beim Wandern und Radfahren einsetzen.

Neben der europäischen Freizeitkarte hat der Oregon 550t noch eine weltweite Basiskarte mit Höhenmodell an Bord. Das Höhenmodell erlaubt eine überaus informative, plastische Geländedarstellung.

Vergleich der der Garmin Topo-Deutschland v3 (links) mit der Freizeitkarte (rechts)

300_1550_1Vergleich Garmin Topo-Deutschland v3 (links) mit der Freizeitkarte (rechts)
300_3550_3Vergleich Garmin Topo-Deutschland v3 (links) mit der Freizeitkarte (rechts)

Garmin Oregon 550t: Digitalkamera

Outdoor GPS-Handgeräte mit Digitalkamera sind rar gesät. Neben dem Oregon 550/550t gibt es seit fast 2 Jahren den Magellan Triton 2000 (Test: Triton 2000), der aber seiner Zeit voraus war und sich am Markt nicht etablieren konnte.

Die Digitalkamera des Garmin Oregon 550t kommt mit Autofocus, 3,2 Megapixel und vierfachem Digitalzoom. Die Bilder lassen sich wahlweise im internen Speicher (ca. 0,6 GB stehen zur Verfügung) oder einer microSD-Speicherkarte abspeichern. Im Setup stehen unterschiedliche Auflösungen zur Auswahl: 3,2 MP, 2 MP und 1 MP. Die Dateigröße der JPEG-Bilder beträgt bei 3,2 MP ca. 500 bis 900 KB, die Auflösung 2048 x 1536 Pixel. Weiterhin kann zwischen einem "Standard" und "Low Light" Modus gewählt werden.

Das Objektiv ist im Gehäuse versenkt, so daß es optimal vor Fingerabdrücken geschützt ist. Die Bildqualität kann für eine 3,2 MP Kamera durchaus überzeugen und übertrifft so manche Handy-Digitalkamera. Die Bildserie demonstriert die Leistungsfähigkeit der Kamera. Die Originalbilder und noch einige weitere können zu Vergleichszwecken über folgenden Link heruntergeladen werden: Oregon 550t Bilderdownload (Foto DSC00026 entspricht Foto DSC00025, allerdings bei maximalem Zoomfaktor). Das Motiv ist auf dem Display wegen Spiegelungen und Fingerabdrücken manchmal nur schwierig zu erkennen. Die Displaybeleuchtung sollte deshalb beim Fotografieren unbedingt eingeschaltet sein!

Die Digitalkamera eignet sich in erster Linie für Dokumentationen und weniger für Schnappschüsse, da alleine das Aktivieren der Kamera nach Drücken des Kamera-Buttons ca. 3 Sekunden benötigt. Vom Drücken des Auslösers bis zur erneuten Aufnahmebereitschaft vergehen weitere 3 Sekunden.

Aufnahmen mit dem Oregon 550t: Bilder auf 600×450 Pixel verkleinert

Aufnahme Oregon 550t

Aufnahme Oregon 550t

Aufnahme Oregon 550t

Aufnahme Oregon 550t

Die Digitalfotos werden automatisch mit Geo-Koordinaten versehen und können beispielsweise für Geotagging-Portale verwendet werden.

Die Bilder können auch mit Hilfe des integrierten Bildbetrachters nach Position und Datum sortiert werden. Es soll auch möglich sein, aus einer anderen Quelle stammende, georeferenzierte Fotos auf dem Oregon zu speichern und als Wegpunkte zu verwenden.

Lieferumfang

Der Lieferumfang ist recht umfangreich. Zu kritisieren ist das Benutzerhandbuch – viele Funktionen werden nur unzureichend beschrieben.

  • Karabiner-Clip
  • USB-Kabel
  • AA-Ladegerät
  • 2 AA-NiMH-Akkus
  • Benutzerhandbuch auf CD-ROM
  • Schnellstartanleitung

Getestete Software

  • Software Version: 2.30
  • GPS Software Version: 3.70
  • Freizeitkarte: 3.01

Fazit

Mit dem Oregon 550t hat Garmin ein Outdoor GPS-Handgerät im Programm, das nahezu keinen Wunsch offen läßt. Der Oregon 550t zeichnet sich insbesonders durch eine problemlose Handhabung, übersichtliche Menüstruktur und umfangreiche Ausstattung aus. Besonders hervorzuheben ist die topographische Freizeitkarte 1:100.000, die für Europa-Reisende einen deutlichen Mehrwert bietet und den Aufpreis gegenüber dem Oregon 550 auf jeden Fall wert ist. Die integrierte Digitalkamera eignet sich ideal für jegliche Art von Dokumentation, zumal die Fotos mit Koordinaten versehen und jederzeit als Navigationsziel verwendet werden können.

In der Summe seiner Eigenschaften ist der Garmin Oregon 550t ein empfehlenswerter Allrounder für zahlreiche Outdoor-Aktivitäten.

NEU: Online Navi-Galerie

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Outdoor GPS-Handgerät Garmin Oregon 550t im Test was last modified: März 3rd, 2016 by Joachim Bardua

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