Die Sony Smartwatch 3 ist aktuell die einzigste Android Wear Smartwatch mit einem integrierten GPS-Empfänger. Grund genug, die Sony Smartwatch 3 als Fitness-Uhr zu testen. Mit der entsprechenden App und einem Bluetooth-Herzfrequenzsensor ausgestattet, könnte sie durchaus reinrassigen GPS-Sportuhren Konkurrenz machen und sich im Gegensatz zu anderen Smartwatches – beispielsweise der Apple Watch – auch unabhängig von einem Smartphone einsetzen lassen. So zumindest die Idee!

Sony Smartwach 3 mit Endomondo App

Sony Smartwach 3 mit Endomondo App

Sony verzichtet bei der Smartwatch 3 auf einen integrierten Herzfrequenzsensor. Ein Feature, das Smartwatches und GPS-Sportuhren wie die Apple Watch, die Asus VivoWatch, die Fitbit Surge, der Garmin Forerunner 225 oder die TomTom Cardio Runner bieten. Also steht als erstes die Frage im Raum: Läßt sich die Sony Smartwatch 3 überhaupt mit einem externen Bluetooth-Herzfrequenzsensor koppeln? Die Antwort lautet nein, die Bluetooth-Verbindung zu einem Sensor muss von einer App initiiert werden. Im Menü der Smartwatch 3 wird ein Sensor zwar als gepairt angezeigt, die Verbindung hat aber stets den Status getrennt (ausprobiert mit einem Polar H7 und einem Suunto Smart Sensor).

Bleibt noch der GPS-Empfänger. Auch hier steht der Gedanke “Unabhängigkeit von einem Smartphone” im Vordergrund, sprich: Das zum Betrieb einer Android Wear Smartwatch notwendige Smartphone zu Hause lassen und sich auf das Training konzentrieren. Als Erstes gilt es, eine passende App zu finden, die den GPS-Empfänger der Sony Smartwatch 3 unterstützt. Apps gibt es zur Genüge, Beispiele sind Endomondo, Ghostracer, iFit, My Tracks, Straca, RunKeeper und Runtastic. Nach einer ersten Analyse fällt die Auswahl auf Endomondo und Ghostracer.

Sony Smartwatch 3 im Fitness-Test: Technik und Erfahrungen

Zunächst noch einige Fakten zur Technik der Sony Smartwatch 3:

  • Display: Kapazitives, transflektives TFT LCD, farbig (16-bit, High Color: 65K Farben), 320×320 Pixel, 1,6-Zoll
  • Gewicht: 38,9 g ohne Armband, 74,3 g mit Kunststoff-Armband (nachgewogen)
  • Abmessungen: 3,6 x 5,1 x 1,0 cm
  • System: Broadcom System-on-Chip (SoC) Plattform (siehe: digitaljournal.com)
  • Konnektivität: Bluetooth 4.0, WiFi*, NFC, microUSB (*: ab Android Wear 5.1.1)
  • Sensoren: GPS, Beschleunigungsmesser, Gyroskop, Kompass, Umgebungslicht
  • Prozessor: Quad ARM A7 (4 Kerne), 1.200 mHz
  • Speicher: 512 MB RAM, 4 GB eMMC (für Apps, Daten etc.)
  • Akku: Lithium-Polymer, 420 mAh
  • Schutzfaktor: IP68
  • Betriebssystem: Android Wear 5.0.2

Die Smartwatch 3 ist mit 74 g relativ schwer. Zum Vergleich, ein paar reinrassige GPS-Sportuhren: Epson Runsense SF-810 52 g, TomTom Cardio 63 g, Garmin Forerunner 920 XT 61 g, Garmin Forerunner 620 44 g, Suunto Ambit3 Run 72 g.

Die Staub- und Wasserdichtigkeit ist mit IP68 angegeben, ein gelegentlicher Einsatz beim Schwimmen ist laut Sony zulässig (“Die gelegentliche Verwendung in gechlorten Swimmingpools ist zulässig, sofern das Smartphone im Anschluss mit Leitungswasser abgespült wird. Die Verwendung in Meer- und Salzwasser ist nicht zulässig.” Quelle: Sony).

Der Vierkernprozessor und die üppige Speicherausstattung machen sich positiv bemerkbar, die Sony Smartwatch 3 läßt sich flüssig und ohne Wartezeiten bedienen.

Mit dem 420 mAh Akku sind folgende Laufzeiten zu erreichen. Im Alltagsbetrieb sind drei Tage im Rahmen des Möglichen (Sony gibt bei normaler Nutzung zwei Tage an), mit GPS werden vier (Bildschirm dauerhaft an) bis fünf Stunden (Bildschirm zeitweise deaktiviert) erreicht.

Weitere Erfahrungen:

  • Display: Generell gut ablesbar, aber leichter Gelbstich.
  • Optik: Eher eine Fitness- als eine Office-Smartwatch, dürfte sich aber mit Erscheinen der Edelstahl-Variante ändern.
  • microUSB Port: Zum Aufladen der Smartwatch; praktisch da weit verbreitet und kein proprietäres Kabel benötigt wird; die kleine Kunststoffkappe macht allerdings keinen allzu soliden Eindruck.
  • Kunststoff-Armband: Läßt die Sony “billig” erscheinen, nicht optimale Größenanpassung (entweder zu fest oder zu locker), kann sich unbeabischtigt öffnen, zieht Staub und Schmutz magisch an, auswechselbar.
Sony Smartwatch 3 Rückseite

Sony Smartwatch 3, Rückseite; hinter der grauen Abdeckung verbirgt sich der microUSB-Port

Sony Smartwatch 3 Edelstahl

Sony Smartwatch 3 in der Edelstahl-Variante (Bild: Sony)

Sony Smartwatch 3 im Fitness-Test: Endomondo

Endomondo, eine der beliebten Apps in Google Play, hat eine entscheidende Einschränkung: Eine Herzfrequenzanzeige ist nur in Verbindung mit einem Smartphone möglich.

  • Anzeigen der Herzfrequenz auf der Smartwatch nur in Verbindung mit einem Smartphone (Bluetooth-HF-Sensor mit Smartphone gekoppelt) und Nutzung des Smartphone GPS-Empfängers.
  • Stand-Alone Nutzung ohne Smartphone möglich (GPS-Empfänger der Sony Smartwatch 3 wird verwendet, dann ist aber keine Herzfrequenzanzeige möglich).
  • Drei Datenseiten mit anpassbaren Feldern.
  • Öffnen der App nach Aktivierung des Smartwatch-Displays etwas umständlicher als bei Ghostracer.
  • Automatische Upload der Trainings zu Endomondo.com (von dort Export als gpx- bzw. tcx-Dateien möglich).
  • Kein lokaler Datenexport auf das Smartphone (zumindest wurde diese Möglichkeit nicht gefunden).
  • Premium-Version (keine Werbung, Herzfrequenzzonen, Energiesparmodus etc.) nur gegen monatliche bzw. jährliche Gebühr (5,99€ / 26,99€).
  • Weitere Infos: play.google.com

Endomondo Smartwatch Auswahl

Endomondo Smartwatch Auswahl

Endomondo Android Wear Optionen

Endomondo Android Wear Optionen

Sony Smartwatch 3 im Fitness-Test: Ghostracer

Ghostracer erweist sich schnell als die Laufsport-App für die Sony Smartwatch 3!

  • Sony Smartwatch 3 Unterstützung (weitere Android Wear Smartwatches sollen folgen).
  • Komplett ohne Smartphone einsetzbar.
  • Verwendet internes GPS der Sony Smartwatch 3.
  • Zeigt Herzfrequenz von Bluetooth Sensor auch ohne Smartphone an (getestet mit Suunto Smart und Polar H7 Sensoren).
  • Zwei Datenseiten mit anpassbaren Datenfelder.
  • Datenexport via Smartphone zu Strava.com.
  • Lokaler Datenexport als gpx-Dateien auf Smartphone.
  • Bei ausgeschaltetem Display reicht eine schnelle Handgelenksdrehung und ein Antippen des Displays, um die Ghostracer Datenseite wieder anzuzeigen (klappt nicht immer, Android Wear 5.0.2).
  • Ghostracer Pro (keine störende Werbung, weitere Funktionen), als In-App Kauf für ca. 4.- Euro.
  • Weitere Infos: play.google.com

Ghostracer: Android Wear Einstellungen

Ghostracer: Android Wear Einstellungen

Ghostracer: Datenseiten und Datenfelder anpassen

Ghostracer: Datenseiten und Datenfelder anpassen

Sony Smartwatch 3 mit Polar H7 HF-Gurt

Sony Smartwatch 3, Ghostracer, Herzfrequenzaufzeichnung mit einem Polar H7 HF-Gurt

Sony Smartwatch 3 im Fitness-Test: GPS

Nach den positiven Erfahrungen mit Ghostracer zeigt sich schnell ein Nachteil: Die gemessenen Streckenlängen fallen sehr ungenau aus! Ein paar Beispiele im Vergleich zu diversen anderen GPS-Geräten verdeutlichen dies:

  • Aktivität 1 (Endomondo): 11,22 / 10,5 / 10,1 km (Sony Smartwatch 3 / Garmin fenix / Garmin Oregon)
  • Aktivität 2 (Endomondo): 7,9 / 7,6 / 7,6 km (Sony Smartwatch 3 / Garmin Forerunner 210 / Fitbit Surge)
  • Aktivität 3 (Ghostracer): 12,3 / 9,9 / 9,7 km (Sony Smartwatch 3 / Garmin Oregon / Polar M400)
  • Aktivität 4 (Ghostracer). 5,9 / 5,15 / 5,1 km (Sony Smartwatch 3 / Fitbit Surge / Polar M400)
Sony Smartwatch 3 GPS

Sony Smartwatch 3, Aufzeichnung mit Endomondo; im Vergleich zur Fitbit Surge (rot) und Garmin Forerunner 210 (dunkelblau), Abweichung bis zu 30 m

Sony Smartwatch 3 , Streckenabweichung

Sony Smartwatch 3 (zyanblau), Aufzeichnung mit Ghostracer; Abweichung auf der Hausstrecke im Vergleich zu diversen anderen GPS-Sportuhren

Sony Smartwatch 3 im Fitness-Test: Fazit

Das Fazit fällt recht entäuschend aus. Die Streckenaufzeichungen per GPS sind sehr ungenau, die Akkulaufzeit mit aktiviertem GPS ist mäßig, ein Einsatz als GPS-Sportuhr unabhängig von einem Smartphone ist nur mit wenigen Apps möglich. Die Sony Smartwatch 3 eignet sich primär für Sportler, die allenfalls mal ein Läufchen aufzeichnen möchten und keine ambitionierten Ziele haben. Auch wenn eine App wie Ghostracer die Herzfrequenz anzeigen kann, fehlen wichtige Funktionen wie z.B. Herzfrequenzzonen.

Wer ernsthaft trainieren möchte greift besser zu einer GPS-Sportuhr wie der Polar M400, die zusammen mit einem Polar HF-Gurt knapp 170.- Euro kostet, einen klasse Funktionsumfang inklusive Aktivitäts-Tracker bietet und nach einem bald erhältlichen Update auch Push-Benachrichtigungen anzeigen kann. Eine weitere Alternative wäre die universell einsetzbare Garmin vivoactive Multisport-Smartwatch.

Ob sich die Sony Smartwatch 3 als Outdoor-Uhr einsetzen läßt, wird ein weiterer Test zeigen. Immerhin gibt es schon Android Wear unterstützende Apps wie ViewRanger GPS.

Als Alltags-Smartwatch ist sie dagegen echt klasse – das Preis/Leistungsverhältnis stimmt, 170.- Euro sind ein fairer Preis für die Sony Smartwatch 3!

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Sony Smartwatch 3 im Fitness-Test: Pro und Contra

Pro

Contra

  • Schnell und üppiger Speicher
  • GPS-Empfänger
  • Gute Akkulaufzeit als Alltagsuhr
  • Wasserdicht, Einsatz beim Schwimmen möglich
  • Viele Schnittstellen, mit WiFi zukunftssicher
  • Preis-Leistung-Verhältnis
  • Geringer Funktionsumfang der Laufsport-Apps
  • Ungenaues GPS
  • Billig erscheinendes Armband
  • Im Vergleich zu GPS-Sportuhren recht schwer
Sony Smartwatch 3 im Fitness-Test was last modified: Juli 17th, 2017 by Joachim Bardua

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