Vor rund einem Jahr hat Garmin mit Custom Maps erstmals den Einsatz von Rasterkarten auf seinen aktuellen Outdoor-Navis ermöglicht. Rasterkarten haben schließlich den Charme der alterwürdigen Papierkarte und erlauben Outdoorern, sich aufgrund des vertrauten Kartenbildes besser orientieren zu können.

Custom Maps haben aber so einige Nachteile. Der Outdoorer muß seine Rasterkarten mit Google Earth aufwendig kalibrieren oder eine weitere, kostenpflichtige Software wie Touratech QV oder MagicMaps Tour Explorer zum Bestücken seines Garmins einsetzen. Custom Maps sind dazu mit Einschränkungen verknüpft: Die maximale Bildgröße jeder einzelnen Custom Map Kachel beträgt ca. 3 MB bzw. 1024 x 1024 Pixel (oder 512 x 2048 etc.) und auf einem Gerät sind maximal 100 Kacheln verwendbar.

Nach diesem ersten Ausflug in die Welt der Rasterkarten hat Garmin kürzlich einen neuen Online-Dienst ins Leben gerufen, der mit den Einschränkungen und Nachteilen der Custom Maps aufräumt. Mit BirdsEye Select steht jetzt allen Garmin-Fans, die einen Edge 800, Dakota, GPSmap 62, GPSmap 78, Oregon 450 oder 550 ihr Eigen nennen, ein interessantes Produkt zur Verfügung.

Garmin BirdsEye Select: Übersicht

Die Karten werden mit Hilfe der kostenlosen Software Garmin BaseCamp erstellt, aus dem Internet heruntergeladen und auf das Gerät übertragen. Anschließend lassen sie sich auf dem Outdoor-Navi, für das sie lizenziert sind, und in BaseCamp zeitlich unbegrenzt nutzen. Karten gibts für: Deutschland, Österreich, Schweiz, Südtirol, Großbritannien, Irland sowie Frankreich. Je nach Land sind die Quellen unterschiedlich, für Deutschland stammen sie von den Landesvermessungsämtern, für Österreich und die Schweiz vom Kompass-Verlag, für Frankreich vom IGN. Und die Kosten fallen je nach Land unterschiedlich aus. Für D-A-CH ist zum Download von 2.400 km² eine Investition von 19,99 Euro notwendig, für F-GB-IR gibts zum gleichen Preis nur 600 km². Derzeit ist esnotwendig, für jedes Land ein separates, jeweils 12 Monate gültiges Guthaben zu unterhalten (weitere Details enthält dieser Artikel: Garmin BirdsEye Select).

Die folgende Fotostrecke zeigt, wieviel Karte es für 19,99 Euro gibt (Beispiele aus Deutschland, die markierten Flächen betragen je ca. 2.400 km²)(anklicken):

Garmin BirdsEye Select: Praxis

So viel zu den Rahmenbedinungen. Nach dem Kauf-Procedere über den Garmin Online-Shop (Link in Garmin BaseCamp) gehts zuerst ans Auswählen der anvisierten Fläche(n). Ein Assistent führt durch die einzelnen Schritte und stellt dem Outdoorer alle notwendigen Werkzeuge zur Verfügung. Zum Zurechtschneiden des gewünschten Kartenausschnittes gibts zwei Methoden: Freihand-Zeichnen oder Erstellen eines passenden Rechtecks durch Ziehen und Verschieben mit der Maus. Die gekaufte Fläche kann sogar in Teilbereiche zerlegt werden: eine Karte von der Zugspitze, eine andere von der Mecklenburgischen Seenplatte. Praktisch: Der Assistent zeigt beim Zurechtschneiden die ungefähre Quadradmeterzahl an. Das Zusammenstellen wird ungemein erleichtert, wenn in BaseCamp schon eine weitere Karte, wie z.B. die Freizeitkarte des GPSmap 62st oder Oregon 450t, vorhanden ist.

Navigation-Professionell.de hat mit BirdsEye Select Deutschland das Generieren von Karten für den heimischen Alpenraum ausprobiert. Die Vorgehensweise ist erfreulich einfach, es hat sich aber schnell herausgestellt, dass beim Zeichnen in grenznahen Gebieten (Deutschland/Österreich) recht großzügig verfahren werden sollte. Es empfiehlt sich, auch Teile von Österreich miteinzubeziehen. Sonst können bei der späteren Karte entscheidende Teile in Deutschland fehlen. Für die österreichischen Grenzgebiete geht man allerdings nicht leer aus, Garmin liefert eine passende Rasterkarte mit.

Rasterkarten haben einen entscheidenden Nachteil: Sie sind beim Zoomen nur in einem bestimmten Maßstabsbereich scharf. Garmin gleicht diesen Umstand aus, indem der Anwender für Deutschland nicht nur eine Karte 1:25.000, sondern weitere Layer mit den Maßstäben 1:100.000 bzw. 1:200.000 erhält. Somit ist die Rasterkarte in einem gewissen Umfang stufenlos zoombar (Vektorkarten sind beim Vergrößern/Verkleinern stets scharf!).

Nach dem automatischen Download stehen die neuen Karten auf dem GPS-Gerät und in BaseCamp zur Verfügung. Auf dem GPS-Gerät werden die einzelnen Karten im internen Speicher (\Garmin\BirdsEye) als JNX-Dateien gespeichert (z.B. Garmisch.JNX). Eine Karte mit einer Fläche von rund 2.000 km² nimmt ca. 170 MB ein. Falls der Speicherplatz knapp ist, können sie auch – falls vorhanden – auf die Speicherkarte verschoben werden (vorher den Ordner \Garmin\BirdsEye anlegen). Anschließend ist noch ein Aktivieren im Setup notwendig (Einstellungen > Karte > Karteninformationen > BirdsEye-Satellitenbilder). Es lassen sich aber nur alle BirdsEye-Karten zusammen aktivieren, ein Auswählen einzelner JNX-Dateien ist nicht möglich.

Deutsche BirdsEye Nutzer erhalten mit den Rasterkarten der Landesvermessungsämter im Maßstab 1:25.000 eine phantastische Grundlage für ihre Touren. Die 1:25.000 ist sicherlich eine der besten Karten für Outdoor-Zwecke. Sie enthält – zumindest hier in den bayerischen Bergen – alle wichtigen, zum Wandern und Biken benötigten Pfade und Wege. Wenn der Outdoorer dann noch eine Vektorkarte wie die Garmin Topo Deutschland 2010 sein Eigen nennt, ist das Glück perfekt. Dann lassen sich die Daten der Vektorkarte – POI, Wege, Höhenlinien – als Layer über die Rasterkarte legen. Da die Topo D 2010 auf dem gesamten Wegenetz routingfähig ist, erschliessen sich damit weitere Möglichkeiten: Rasterkarte als Basis, Vektorkarte zum Outdoor-Routing. Die Kombination Raster/Vektor hat neben dem Routing noch andere Vorteile. Die POI-Datenbank der Vektorkarte bietet sich zur Suche von Zielen an und die Beschriftung steht bei Ausrichtung der Karte in Bewegungsrichtung nicht mehr auf dem Kopf (bei Rasterkarten unvermeidbar).

Eine Frage sei aber erlaubt. Wird überhaupt eine zusätzliche Rasterkarte benötigt, wenn die Garmin Topo Deutschland 2010 schon vorhanden ist? Unserer Meinung nach nicht (Aussage gilt für die getestete Region!), da die auf den Karten der Landesvermessungsämter basierende Topo D 2010 für sich gesehen eine ganz hervorragende Karte ist. Beispielsweise sind das Wegenetz der Topo D und der Rasterkarte absolut identisch.

Die Screenshots in der folgenden Fotostrecke sprechen für sich!

Garmin BirdsEye Select: Fazit

Mit BirdsEye Select gibt Garmin den Nutzern von aktuellen Garmin Outdoor GPS-Handgeräten die Möglichkeit an die Hand, ihr Outdoor-Navi auf unkomplizierte Weise mit Rasterkarten zu bestücken. Das umständliche Kalibrieren in Google Earth oder der Einsatz einer GPS-Planungssoftware bzw. anderen Kartenwerken (z.B. Touratech QV, MagicMaps) ist nicht mehr erforderlich, zumal das BirdsEye Angebot einige wichtige europäische Reiseländer umfasst. Auch entfallen die genannten Einschränkungen der Garmin Custom Maps.

Wer Karten weiterer Länder benötigt oder spezielle Rasterkarten wie die Alpenvereinskarten oder Swiss Map einsetzen möchte, ist aber auch weiterhin auf Custom Maps angewiesen. Hier zeigt sich ein Nachteil von BirdsEye Select: Das Angebot ist – länderspezifisch – auf bestimmte Quellen beschränkt (Landesvermessungsämter, Kompass, …). Letztendlich ist BirdsEye Select ein Rechenexempel. Wer nur hin und wieder mal eine Rasterkarte benötigt (z.B. für eine spezielle Urlaubsregion), navigiert mit BirdsEye Select kostengünstiger als mit anderen Lösungen.

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Ausprobiert: Garmin BirdsEye Select Rasterkarten was last modified: März 12th, 2016 by Joachim Bardua

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