Wer als Segler, Bootsführer, Paddler, Angler oder anderer Wassersportler auf der Suche nach einem Outdoor-Navi für feuchte Abenteurer ist, sollte sich das Garmin GPSmap 78 oder GPSmap 78s näher anschauen. Wasserdicht, schwimmfähig und mit allen erdenklichen Navigationsfunktionen ausgestattet, sind die beiden Garmins eine sinnvolle Alternative zu Oregon, GPSmap & Co.

Alle aktuellen Outdoor-Navis von Garmin basieren auf einer weitgehenst einheitlichen Hard- und Software-Plattform. Unterschiede gibts vor allem bei Gehäuse, GPS-Antenne, Display, Schnittstellen und Bedienkonzept. In diesem Test konzentrieren wir uns deshalb auf die Besonderheiten, mit denen sich die beiden GPSmap 78 Modelle von der übrigen Garmin Welt abheben. Wer weitere Infos benötigt, dem sei als Einstieg unsere Navi-Galerie empfohlen – dort gibts viele Infos zu Technik und Funktionen sowie Links zu zahlreichen Testberichten.

Als Test-Kandidat stand uns ein GPSmap 78s zur Verfügung. Vom GPSmap 78 unterscheidet es sich in folgenden Punkten: High-Speed USB statt “normales”, dazu wartet das 78s mit drahtlosem Datenaustausch, Barometer und elektronischem Kompass auf. Und natürlich im (Straßen-) Preis: rund 320.- zu 280.- Euro (Listenpreise: 379.- bzw. 329.- Euro).

Marine-Navi Garmin GPSmap 78s: Gehäuse und Bedienung

Ein respektables Volumen gehört zu den Charakteristika des GPSmap 78s. Das braucht es auch, um schwimmfähig zu sein! Allerdings stellt sich die Frage, ob Garmin für den Fall der Fälle nicht Mut zur Farbe haben sollte, z.B. signalorange statt schwarzgrau! Wasserdicht ist das 78er ebenfalls, und zwar nach IPX7. Heißt im Klartext: Schutz bei zeitweiligem Untertauchen (30 Minuten in 1 m Tiefe). Für richtig feuchte Abenteuer empfiehlt es sich aber, das gute Stück in einer wasserdichten Hülle (Aquapac etc.) zu verpacken. Eine sich über das Seekajak ergiessende Welle übt nun einmal mehr Druck auf die Dichtungen aus, als es bei einem IPX-Test der Fall sein dürfte.

Aber keine Bange, das GPSmap 78s bleibt auch eingetütet bedienbar, und zwar ganz excellent! Ob in einer Schutzhülle oder nicht, mit oder ohne Handschuhe, die Bedienung mittels acht Tasten und Wippe ist vom Feinsten. Da die Bedienelemente oberhalb des Displays angeordnet sind, läßt es sich mit dem Daumen (egal ob rechts oder links) spielerisch und sicher bedienen. Außerdem liegt das GPSmap 78s richtig gut in der Hand, vorausgesetzt, der Outdoorer ist nicht gerade mit zarten Kinderhänden gesegnet. Gegenüber dem Garmin GPSmap 62 kommt noch ein Plus dazu: Tasten und Wippe haben einen angenehmen Druckpunkt. Summa Summarum – Vom Bedienkonzept ist das 78s ein Universaltalent. Aus unserer Sicht eignet es sich nicht nur für Marine-Aktivisten und Süßwasser-Fans, sondern auch für terrestrische Outdoorer wie Geocacher, Wanderer, Alpinisten und Biker (mit Einschränkungen, siehe nächster Absatz).

Bei den Befestigungselementen und dem Zubehör unterscheidet sich das 78er von Dakota, Oregon und 62er. Unten am Gehäuse gibt es zwar eine kleine Öse für die mitgelieferte Handschlaufe, dafür verzichtet Garmin auf den rückseitigen Einschub für den praktischen Karabinerclip bzw. die Fahrradhalterung. Bei Aktivitäten zu Fuß ist der Outdoorer also auf andere Lösungen angewiesen, z.B. eine Nylontasche für den Rucksackträger oder Gürtel (Tipp: z.B. bei Globetrotter.de nach einer passenden Foto/Handy-Tasche fahnden). Zum Biken siehts eher schlecht aus, aktuell gibts es eine passende Fahrradhalterung nur von RAM Mounts (anscheinend aber nicht in Deutschland). Garmin hat aber eine Marine- sowie eine Kfz-Halterung im Programm.

Marine-Navi Garmin GPSmap 78s: Display, GPS-Empfang

Perfekter GPS-Empfang
Zum Display: Beim Test des GPSmap 62st lautete das Fazit: “Unterm Strich eines der besten Displays für Outdoor-Navis!” Da die Displays beider GPSmap-Modellreihen identisch sind, fügen wir an dieser Stelle nichts mehr hinzu!

Der GPS-Empfänger wird von Garmin nur als “hochempfindlicher GPS-Empfänger” beschrieben, der Antennentyp ist ebenfalls nicht näher spezifiziert. Laut Quellen im Internet wird – wie bei Dakota, Oregon und GPSmap 62 – GPS-Technologie von STMicroelectronics eingesetzt. Nur bei der GPS-Antenne unterscheiden sich die Modelle. Die 78er haben eine Patch-Antenne, die 62er eine Quadrifilar-Helix-, die Touchscreen-Verwandten eine “Keramik-Antenne”. Um einen optimalen GPS-Empfang zu gewährleisten, müssen die einzelnen Modelle gemäß ihres Antennentyps ausgerichtet werden. Das GPSmap 78(s) möglichst horizontal (die Antenne befindet sich oberhalb der Tastatur), das GPSmap 62s(t) möglichst senkrecht nach oben, bei Oregon und Dakota ist es erfahrungsgemäß relativ egal. Beim 78 und 78s gibts analog zum 62s und 62st auf der Rückseite noch einen MCX-Anschluß für eine externe GPS-Antenne.
Satelliten-Konstellation
Wie die Tests zeigen, ist der GPS-Empfang vom Feinsten. Die Position wird dank Hot Fix-Technologie nach dem Einschalten in der Regel sehr schnell bestimmt. Im direkten Vergleich zu einem GPSmap 62st scheint das 78s noch einen Tick empfindlicher zu sein. Zur Positionsbestimmung werden schon einmal ein/zwei Satelliten mehr herangezogen, die auf der Satellitenseite angezeigte Signalstärke kann auch größer sein.

Zwei Tracks als Beispiel: Download: Garmin GPSmap 78 Test (kml-Datei beispielsweise mit Google Earth öffnen)

Trotz der zeitweise sehr ungünstigen Satellitenkonstellation (Abbildung rechts: vier Satelliten in Reihe) legen beide Geräte in dem Beispiel überzeugende Tracks hin (Bedingungen: 62st am Rucksackträger, 78s horizontal ausgerichtet in der Hand; Aufzeichnungsart “auto”, Intervall “normal”). GPSmap 62st (blau) bzw. einem GPSmap 78s (gelb)

Marine-Navi Garmin GPSmap 78s: Akkulaufzeit

Garmin gibt als Betriebsdauer 20 h an. Im Test kommen wir auf folgende Zeiten:

  • Alle Verbraucher aktiviert (Beleuchtung 100%, keine automatische Displayabschaltung, Trackaufzeichnung, aktive Navigation, Karte in Fahrtrichtung, Töne an, EGNOS an): Alkaline-Batterien (Duracell Plus) 11:55 hh:mm; NiMH Akkus (Eneloop mit 2.000 mAh) 11:40 hh:mm.
  • Verbraucher möglichst deaktiviert (“Datenlogger-Modus”, Trackaufzeichnung aktiv): Alkaline-Batterien (Duracell Plus) 16:30 hh:mm bzw. 17:35 hh:mm; NiMH Akkus (Eneloop mit 2.000 mAh) 20:30 hh:mm.

Marine-Navi Garmin GPSmap 78s: Schnittstellen

Das Thema “Schnittstellen” ist bei GPS-Geräten ein schier unerschöpfliches und nicht minder komplexes Thema. Im Folgenden geben wir einen Überblick über die Schnittstellen des GPSmap 78s und das notwendige Zubehör.

Auf der Rückseite des GPSmap 78s, hinter Gummidichtungen verborgen, sind eine USB- (Typ Mini-B) und eine serielle Schnittstelle (für 4-Pol Rundstecker) zu finden. Einen drahtlosen Datenaustausch mit kompatiblen Garmin-Geräten via ANT+ gibts zusätzlich, darüber lassen sich beispielsweise Wegpunkte, Geocaches oder Tracks hin- und herschieben.
Konfiguration der seriellen Schnittstelle
Der USB-Anschluß dient beim 78s ausschließlich zum Austausch von Daten wie Kartenmaterial oder GPX-Dateien. Beim Anschliessen an PC oder Laptop geht das Gerät sofort in den Massenspeichermodus über. Im Windows-Explorer sind dann bis zu zwei Laufwerke zu sehen (Garmin für den internen Speicher, Wechseldatenträger für die microSD-Speicherkarte, falls eingelegt). Ein kleiner Exkurs: Garmin-Geräte wie das GPSmap 62, die über keine separate serielle Schnittstelle verfügen, können über den USB-Port NMEA-Daten übertragen. Auf Empfängerseite (PC, Laptop) muß aber zum Emulieren eines virtuellen COM-Ports die Software “Garmin Spanner” installiert sein. Das GPSmap 78s hat dagegen keinen Spanner-Modus, Positionsdaten werden nur über den seriellen Port übertragen!

Zum Verwenden der seriellen Schnittstelle ist ein spezielles Kabel notwendig (ca. 35.- Euro, im Zubehörhandel erhältlich), das an einem Ende mit einem 4-Pol Rundstecker, am anderen mit einem 9-poligen RS-232 Stecker versehen ist. Falls PC oder Laptop (oder ein sonstiges, als Datenempfänger dienendes Gerät) nur über eine USB-Schnittstelle verfügt, ist ein zusätzlicher USB/RS232-Adapter notwendig (je nach Typ 10.- bis 30.- Euro). Er wird als Brücke zwischen den USB-Anschluß des PCs und dem RS-232 Stecker des Datenkabels geschaltet, benötigt aber auf Empfängerseite die Installation eines speziellen Treibers. Weiterhin gibts spezielle Kabel für eine Stromversorgung über die serielle Schnittstelle sowie kombinierte Kabel für Stromversorgung und Datenübertragung.
Konfiguration der NMEA Datenübertragung
Zum Konfigurieren der seriellen Schnittstelle stehen im Setup des GPSmap 78s mehrere Optionen zur Verfügung:

  • Garmin – seriell: Garmin proprietäres Format für Daten nach dem PVT Protokoll (Position, Velocity, Time), als Alternative zum NMEA-Protokoll. Auf Empfängerseite kann nicht jedes Programm mit dem PVT Protokoll umgehen, im Test hat es mit Fugawi Global Navigator 4.5, Touratech QV 4.0 und Google Earth funktioniert.
  • NMEA-Eing./-Ausg. (konfigurierbar, siehe Screenshot): Standard NMEA 0183 Ein-/Ausgang, für viele Programme bzw. Geräte wie z.B. Kartenplotter geeignet.
  • Textausgabe: Textausgabe im ASCII Format für Orts-/Geschwindigkeitsdaten.
  • RTCM (Radio Technical Commission for Maritime Services): DGPS-Eingang im RTCM SC-104 Format (zur Übertragung von Korrekturdaten zum GPSmap 78s).

Wer in die technischen Spezifikationen tiefer einsteigen will, kann sich folgende Links näher anschauen: Garmin.com, Gpsinformation.org

Marine-Navi Garmin GPSmap 78s: Marine-Funktionen

Von den vielen Möglichkeiten des GPSmap 78s seien noch ein paar für Marine-Einsätze besonders interessante erwähnt:
Abweichung von der Kurslinie (CDI)

  • Barometermodus, der auch im ausgeschalteten Zustand alle 15 Minuten den Luftdruck aufzeichnet und somit Wettervorhersagen ermöglicht.
  • Garmin Bluechart Marine-Karten, mit denen auch Gezeiten-Tabellen zur Verfügung stehen.
  • Diverse Einstellungen für Seekarten (Seekartenmodus, Darstellung).
  • Anker-, Kursabweichung-, Tiefwasser-, Flachwasseralarm.
  • MOB-Taste (“Mann über Bord”), markiert bei längerem Drücken die Position und ermöglicht unmittelbar, die Navigation zu diesem Punkt zu starten.
  • Anzeige der besten Tage und Uhrzeiten für Angelerfolge.
  • Auf der Karten- oder Kompassseite wird die Abweichung von einer vorgegebenen Kurslinie angezeigt, vorausgesetzt, im Setup wird “Kurs (CDI)” eingestellt (Einstellungen > Richtung). Praktisch, wenn der Outdoorer auf einem größeren Gewässer unterwegs ist und stets wissen möchte, wie die Abweichung vom Sollkurs ist (Screenshot rechts).

Marine-Navi Garmin GPSmap 78s: Fazit

Kauftipp GPSmap 78

Das Garmin GPSmap 78s überzeugt im Test als ein Allround GPS-Handgerät, das sich nicht nur für Marine-Abenteuer eignet, sondern auch für Outdoor-Aktivitäten wie Geocaching oder Wandern. Zu den besonderen Pluspunkten des GPSmap 78s zählen Handhabung, Schnittstellen, Funktionsumfang, der überragende GPS-Empfang und das große Angebot an Karten. Aufgrund dieser überzeugenden Leistung erhält das GPSmap 78s von Navigation-Professionell.de einen Kauftipp.

Im Vergleich zu den Touchscreen-Navis von Garmin gefällt uns inbesonders das Bedienkonzept. GPS-Handgeräte mit Tasten lassen sich nach unseren Erfahrungen in der Regel schneller und sicherer bedienen. Bei Outdoor-Touren, sei es im Kajak, auf Skitouren oder beim Wandern, erweist sich dies immer wieder als ein unschlagbarer Vorteil.

Garmin GPSmap 78s: Lieferumfang, Software

  • Garmin GPSmap 78s
  • USB-Kabel
  • Handgelenkschlaufe
  • Schnellstartanleitung

Testversion: Software Version 2.80, GPS Software Version 4.52
Technischen Daten zu allen Modellen enthält die Navi-Galerie von Navigation-Professionell.de.

Empfohlener Online-Shop:

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Nicht nur für feuchte Abenteuer: Marine-Navi Garmin GPSmap 78s im Test was last modified: Juli 18th, 2017 by Joachim Bardua

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