Auto-Routing bei Fahrrad- & Outdoor GPS-Geräten

Joachim Bardua
24. Juli 2020

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Auto-Routing – das automatische Berechnen einer Strecke auf dem Wegenetz der Karte zum Ziel ist ein Feature, das bei Auto-Navis (PNDs) selbstverständlich ist. Bei GPS-Geräten für Outdoor- und Sport hat Auto-Routing in den letzten Jahren zunehmend Einzug gehalten und ist inzwischen bei vielen Geräten ein wichtiger Bestandteil des Repertoires an Navigationsfunktionen.

Die große Frage lautet aber: Wie gut funktioniert Auto-Routing für Fahrradfahrer, Wanderer und andere Outdoorer?

Zum grundlegenden Verständnis, beim Auto-Routing  sind drei Ebenen zu betrachten.

 

Auto-Routing – Die Ansprüche der Nutzer

 

Nehmen wir mal die Radfahrer, bei denen die Ansprüche an Strecken lauten können:

  • Egal ob Bundes- oder Landstraße
  • Nur auf Landstraßen
  • Nur auf von Bundes- oder Landstraße getrennten Fahrradwegen
  • Es können auch von den Straßen abgetrennte Fahrradstreifen sein
  • Die Radwege müssen geteert sein
  • Die Radwege können unbefestigt sein, aber nicht zu grob
  • Wirtschaftswege sind eine Option, aber nur "autobahnmäßig" ausgebaute Forststrassen
  • Niemals auf kleinen Pfaden und Wanderwegen
  • Möglichst nur auf Trails
  • Möglichst wenig Höhenmeter
  • Nur auf markierten Fahrradtouren
  • Geeignet für Rennrad, Gravelbike, Tourenrad, Mountainbike, mit Kinderanhänger, mit oder ohne E …

 

Diese Liste lässt sich fast beliebig erweitern. Bei Wanderern sieht es vielleicht nicht ganz so kompliziert aus, aber auch hier gibt es die unterschiedlichsten Anforderungen an eine vom GPS-Gerät berechnete Strecke.

 

Auto-Routing – Die in den Karten enthaltenen Informationen

 

Die zum Routing verwendeten Karten müssen – um ein zu den Anforderungen passendes Routing überhaupt gewährleisten zu können – alle nur erdenklichen Informationen enthalten.

 

OpenStreetMap

 

Inzwischen sind auf OSM basierende Karten üblich, sei es bei Garmin, Mio oder Wahoo. Für OSM gibt es zum Einordnen der Verkehrswege ganz schön komplex ausfallende Klassifikationen, Beispiele: Fahrrad, Wandern.

Und diese vielen Infos müssen in den Karten landen, beispielsweise durch fleissige OSM-Mapper. Dies mag in Ländern wie Deutschland und Österreich noch der Fall sein, in Regionen wie Sizilien haben die Menschen aber andere Prioritäten …!

 

Markierte Rad- und Wanderwege

 

Auch diese Infos sollten in den Karten vorhanden sein. Ein Beispiel ist die Garmin Topo Deutschland, zu der es eine Liste mit enthaltenen Radwegen gibt: Markierte Rad- und Wanderwege Topo Deutschland

 

Beliebte Strecken

 

Von Anwendern häufig gefahrene Strecken sind auch ein Mittel um die Routenberechnung zu beeinflussen. Bei Garmin nennt sich dies "Routing nach Beliebtheit". Dahinter steckt eine Auswertung von Strecken, die Nutzer zu Garmin Connect hochgeladen haben.

Die Garmin-Karten enthalten diese Daten, der Anwender muss nur die entsprechende Funktion aktivieren, damit solche beliebten Strecken in das Routing einfliessen.

Routing nach Beliebtheit hat einen großen Vorteil: Über die Jahre dürfte die Datenqualität und damit die Routenführung immer besser werden.

 

Auto-Routing –  Einstellungen & Software-Algorithmen auf den GPS-Geräten

 

Eine ganz wichtige Komponente sind neben den verwendeten Karten die auf den Geräten vorhandenen Einstellungen – z.B. die Berechnungsmethoden oder die Vermeidungskriterien.

Beispiele

Garmin Edge 1030 Plus

  • Routing nach Beliebtheit
  • Routing-Modus (Rennradfahren, auf versch. Untergründen, Offroad-Radfahren, Mountainbiken, Autofahrt, Motorradfahren, Zu Fuß, Gerade Linie)
  • Berechnungsmethode (Distanz minimieren, Zeit minimieren, geringer Anstieg)
  • Vermeidungen (Wichtige Autobahnen, Mautstraßen, unbefestigte Straßen, Fähren, schmale Wege)

 

Tahuna Teasi One 4

  • Routeneinstellung (Hauptstraßen, unbefestigte Straßen, Radwege, Fähren)
  • Einbahnstraßen benutzen
  • Einfache, kurze oder vorgeschlagene Routen

 

Dazu kommen die Algorithmen zur Berechnung der Routen. Da hat jeder Hersteller sein eigenes Rezept.

Garmin stimmt seine Berechnungsmethoden sicherlich auf die hauseigenen Karten ab. GPS Tuner – ein ungarisches Unternehmen das die Navi-Software für Mio, Sigma und Tahuna entwickelt – vermutlich auf OSM-Karten, da die drei genannten Anbieter ausschließlich auf OSM setzen.

Fazit – Auto-Routing in der Outdoor-Praxis

 

Damit eine "optimale Strecke" herauskommt müssen viele Komponenten zusammenspielen – was in der Praxis aber nicht immer so funktioniert wie gewünscht.

In einem einfachen Fall, vom Wanderparkplatz zum Gipfel ist das Ergebnis in der Regel gut (da gibt es meistens auch nicht so viele Optionen), bei einem komplexen Fall wie einer langen Fahrradstrecke dagegen nicht, die Strecke entspricht vielfach nicht den Anforderungen des Bikers.

Warum? Entweder verfügen die Karten nicht über die notwendigen Informationen, die Routing-Einstellungen sind nicht granular genug oder die Routing-Algorithmen sind nicht perfektioniert – von einer potenten Hardware zum Berechnen ganz zu Schweigen.

Bessere Ergebnisse sind durch das Planen von Mehrzielrouten möglich. Dazu haben die Geräte vielfach einen Routenplaner an Bord, mit dem sich durch das Setzen von Zwischenzielen der ungefähre Verlauf vorgeben lässt.

Generell kann ich nur empfehlen: Per Auto-Routing berechnete Strecken als Vorgabe anzusehen und beim Radeln auch das beste Navi einzusetzen das der Mensch hat: Es sitzt zwischen den Schultern 🙂

Oder gleich eine mit einem Routenplaner (online oder offline) geplante Tour verwenden bzw. einen Track aus einem Tourenportal einsetzen!

Auto-Routing Garmin

Auto-Routing vom Parkplatz zum Gipfel (wenn man es bei so einer Tour überhaupt braucht)

Empfohlener Artikel: Eine Fahrradtour planen!

Kategorie(n): Fahrrad GPS, GPS News

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