5 Gründe für den Garmin Oregon 600/650

  • Elegante Bedienung per Touchscreen
  • Profile ermögliche eine perfekte Anpassung
  • Funktionsumfang für viele Aktivitäten
  • Klasse ablesbares Touchscreen-Display
  • Großes Angebot an unterschiedlichen Kartentypen

%

Gesamtbewertung

"Gear Lust" umschreibt treffend, was ein GPS-affiner Outdoorer beim Lesen der Spezifikationen des neuen Oregon 600 bzw Oregon 650 empfinden kann. Da ist von Bluetooth, ANT+, GPS, GLONASS, HotFix, kapazitivem Display, 3D-Kompass, barometrischen Höhenmesser, Autofokus-Kamera, dualem Batteriesystem und anderen Features die Rede. Ob die "Gear Lust" auch bei Outdoor-Touren anhält, soll dieser Test klären.

Zumindest eines ist von Anfang an klar: Die neuen Oregons bieten eine Menge an Neuheiten, mit denen sie nicht nur gegenüber den Vorgängermodellen, sondern auch vielen anderen Outdoor-Navis abheben. Der Oregon 600(t) und der Oregon 650(t) lösen die Modelle 450(t) und 550(t) ab, die sich unter Wanderern, Bikern und Geocachern einen Namen gemacht haben. Schließlich überzeugen die Oregons seit jeher durch eine einfache Bedienung per Touchscreen und einer kompletten Ausstattung, mit der sich viele Situationen meistern lassen – sei es bei einer Trekkingtour, einem Alpencross, beim Geocaching oder einem Kurztrip vor der Haustür.

Der Testkandidat von Navigation-Professionell.de – ein Oregon 600 – musste sein Können beim Wandern im Alpenraum, Biken im Voralpenland und Paddeln in nordostdeutschen Revieren unter Beweis stellen.

Garmin Oregon 600/650: Modelle

Die Unterschiede zwischen den vier Oregon-Modellen zeigt die folgende Tabelle:

Oregon 600Oregon 600tOregon 650Oregon 650t
Interner Speicher1,8 GB3,6 GB3,6 GB7,2 GB
Freier interner Speicher1,5 GB800 MB2,6 GB4 GB
8 MP Kamera mit Blitzneinneinjaja
Taschenlampe (SOS/Stroboskop)neinneinjaja
Vorinstallierte KartenBasiskarteBasiskarte, Freizeitkarte von Europa 1:100.000 (nicht routingfähig)BasiskarteBasiskarte, Freizeitkarte von Europa 1:100.000 (nicht routingfähig)
Verkaufspreis (UVP)€ 379.-€ 449.-€ 449.-€ 519.-
Straßenpreis (Stand 07/13)€ 348.-€ 399.-€ 418.-€ 478.-
Straßenpreis (Stand 11/13)€ 299.-€ 358.-€ 365.-€ 405.-
Straßenpreis (Stand 11/14)€ 289.-€ 349.-€ 339.-€ 385.-
Straßenpreis (Stand 08/15)€ 285.-€ 338.-€ 338.-€ 387.-
Straßenpreis (Stand 07/16)€ 275.-€ 335.-€ 339.-€ 410.-

Garmin Oregon 600/650: Gehäuse

Das Gehäuse des Oregon 600 zeigt einige Veränderungen gegenüber dem Vorgänger. Es ist etwas schwerer geworden (210 g zu 193 g, inkl. Akkus), die Abmessungen lauten jetzt 6,1 x 11,4 x 3,3 cm gegenüber 5,8 x 11,4 x 3,5 cm (sprich: minimal breiter und flacher).

Wichtiger ist aber, wie der neue Oregon in der Hand liegt. Nach einer subjektiven Einschätzung läßt es nicht mehr ganz so gut greifen, das Gehäuse fühlt sich jetzt kantiger an. Grund ist eine entscheidende Neuerung: Die Schiene zum Befestigen des Garmin Karabiner-Clips bzw. der Fahrradhalterung ist jetzt oben auf dem Gehäuserückdeckel platziert statt in dem Deckel integriert zu sein. Der Gehäuserückdeckel wird jetzt analog zum eTrex, GPSmap 62 und Montana mit einem Drehverschluß geöffnet bzw. verriegelt. Was negativ auffällt ist das fummelige Einsetzen des Deckels beim Verschliessen; erst mit etwas Übung gelingt es barrierefrei. Ähnliches gilt für die Abdeckung des USB-Anschlusses. Beim Verschliessen sollte man konzentriert zur Sache gehen und den Gummideckel exakt einsetzen. Ansonsten kann es passieren, dass sich unter dem Deckel Feuchtigkeit ansammelt und der USB-Anschluss korrodiert (zugegeben, der Oregon wurde beim Wassersport hart rangenommen!). IPX7 lautet die generelle Schutzart gegenüber Feuchtigkeit. Das Testgerät hat – von dem beschriebenen Handhabungsfehler mal abgesehen – die Torturen gut überstanden, Feuchtigkeit ist auch bei Dauerbeschuss auf der Spritzdecke des Kajaks nicht in das Batteriefach eingedrungen.

Das 3-Zoll Display dominiert die Optik des Oregons. Laut einem Garmin-Video ist das Display ultrastabil, der Test zeigt aber, dass feinste Kratzer nicht auszuschliessen sind. Wer sein Display schützen möchte, kann natürlich eine Schutzfolie aufzeihen. Ob es sich auf die Bedienung des kapazitiven Displays auswirkt, wurde allerdings nicht ausprobiert. Ein schönes Detail ist die ausreichend große und sinnvoll platzierte Öse zum Einfädeln einer Handschlaufe oder Befestigungsschnur.

Zwei Hardwaretasten (Einschalt-, Benutzertaste) an der rechten Gehäuseseite oben erleichtern die Bedienung. Sie lassen sich mit individuellen Funktionen belegen; mehr dazu im Abschnitt "Bedienung".

Garmin Oregon 600/650: Akku

Der Oregon 600 und der Oregon 650 zeichnen sich durch ein universelles Energiekonzept aus. Es lassen sich zwei AA Akkus/Batterien (Alkaline, Lithium, NiMH) bzw. das spezielle Garmin NiMH Battery Pack verwenden. Das Battery Pack hat einen großen Vorteil: Es läßt sich dank seiner speziellen Konstruktion im Gerät aufladen. Im Internet sind zwar einige Bastellösungen zum Aufladen von normalen NiMH-Akkus zu finden, im Zweifelsfall ist aber davon abzuraten. Denn wenn etwas schiefgeht ist die Garantie futsch. Das Battery Pack hat aber Nachteile: Es kostet mit einem UVP von 23,99 Euro richtig Geld und das Aufladen im Oregon dauert sehr lange. Der Oregon läßt sich außerdem an einer Kfz-Steckdose oder einem Powerakku betreiben.

Im Test wurden unterschiedliche Akkutypen eingesetzt. NiMH Akkus mit geringer Selbstentladung (Marke eneloop) und spezielle Hochleistungsakkus (Marke Polarcell). Die folgenden Messwerte repräsentieren zwei Einsatzszenarien. Einmal mit maximaler (z.B. Einsatz beim Mountainbiken) und einmal mit minimaler Power (Einsatz als Datenlogger). In der Praxis werden die tatsächlichen Werte irgendwo dazwischen liegen, je nachdem wie der Anwender sein Gerät benutzt (Energiesparmodus ja/nein, nur GPS oder GPS/GLONASS, viel aufs Display schauen, wildes Zoomen und Verschieben der Karte, Ausrichtung der Karte, Trackaufzeichnungsmodus, etc.).

Maximale Power

(GPS & GLONASS, permanent 100% Beleuchtung, aktive Navigation, aktive Trackaufzeichnung, Karte in Fahrtrichtung):

Minimaler Energieverbrauch

(nur GPS, Energiesparmodus, aktive Trackaufzeichnung, keine Navigation)

  • eneloop (HR-3UTGB, 1.900 mAh): 18:56, 17:36 (Systemeinstellung: NiMH-Akku)
  • PolarCell (2.900 mAh): 20:55, 22:43

Die Messwerte zeigen, dass der Oregon 600 mit anderen Garmin-Geräten (außer dem Montana) bauartbedingt nicht mithalten kann. Besonders deutlich fallen die Unterschiede im Modus "Maximale Power" aus; ein Oregon (alt), Dakota, eTrex oder GPSmap laufen teils deutlich länger. (Links zum Vergleichen: Drei Garmin Outdoor-Geräte im Test; eneloop Test). Wer Wert auf möglichst lange Laufzeiten legt, sollte also Hochleistungs-NiMH-Akkus einsetzen, erkauft sich damit aber im Vergleich zu eneloops den Nachteil einer hohen Selbstentladung (Alternative: teure Lithium-Batterien).

Garmin Oregon 600/650: Display

Die neue Oregon-Modellreihe zeichnet sich durch eine Besonderheit aus: Garmin verbaut in einem Outdoor-GPS-Gerät erstmals ein kapazitives Display. Damit können bislang nur die Mio Cyclo 500/505 Fahrrad-Navis aufwarten, ein weiterer Kandidat ist der ab September 2013 erhältlich Garmin Monterra. Das kapazitive Display ist nicht nur ein Tribut an die "Generation Smartphone". Mit seiner Hilfe läßt sich die Karte mit Fingergesten verschieben, zoomen und drehen, elegant durch Listen blättern sowie mit einem leichten Fingertippen eine Funktion aufrufen.

Im Trockenen funktioniert die Bedienung des kapazitiven Displays super, aber wie sieht es bei Feuchtigkeit aus? Bei leichter Feuchtigkeit gibt es keinerlei Einschränkungen, schüttet es dagegen aus allen Kübeln, wird es schon schwieriger. Wenn sich auf dem Display ein Film bildet, läßt sich die Karte mit Fingergesten nur schwer steuern; beim Blättern durch Listen oder Antippen von Symbolen kann es zu Fehlbedienungen kommen. Fette Wassertropfen können einen anderen Effekt haben, indem sie einzelne Funktionen auslösen. Beim Paddeln wurde es selbst erlebt, denkbar ist es aber auch beim Mountainbiken durch vom Helm herunterfallende Tropfen. Als Gegenmittel hilft es nur, die Displaysperre zu aktivieren.

Eine andere Geschichte ist die Bedienung mit Handschuhen (bei trockenem Display). In diesem Zusammenhang sind die Empfindlichkeitseinstellungen für den Touchscreen (normal, hoch) von Bedeutung. Mit speziellen Handschuhen für kapazitive Displays funktioniert das Zoomen oder Drehen der Karte bzw. Scrollen durch Listen in der Einstellung “normal” hervorragend. Mit langen Mountainbike-Handschuhen ist dagegen ein gezieltes und festes Tippen nötig, die Karte läßt sich kaum zoomen bzw. drehen. In diesem Fall ist die Einstellung “hoch” sinnvoll: Die Karte läßt sich dann mit Fingergesten steuern, alle anderen Eingaben funktionieren ebenfalls.

Und wie ist die Ablesbarkeit des transreflexiven Displays? Sie ist unter den unterschiedlichsten Lichtbedingungen ganz hervorragend, auch wenn eine Sonnenbrille getragen wird. Damit hebt es sich von dem Display der Vorgängerreihe deutlich ab und liegt in etwa auf dem Niveau eines eTrex 30, GPSmap 62/78 oder Montanas. Noch etwas zur Technik. Das transflektive Display hat eine Diagonale von 3-Zoll (= 7,6 cm), die Anzeigegröße beträgt 3,8 x 6,3 cm. Diese Größe entspricht dem bei vielen Outdoor-Navis üblichen Standard (Falk Lux 22/32, Magellan eXplorist 510/610/710, CompeGPS Sportiva), gleiches gilt für die Auflösung von 240 x 400 Pixeln.

Garmin Oregon 600/650: GPS

Garmin macht keine Informationen zu dem im neuen Oregon verbauten GPS-Empfänger; laut Internet soll es sich um einen Mediatek MT3332N Chip handeln. Für den Empfang der GPS-Signale sorgt eine relativ große Patch-Antenne, die analog zum Montana auf der Rückseite des Gehäuse sitzt. Den besten GPS-Empfang sollte der Oregon 600/650 deshalb in einer "Display nach unten" Position haben!

Der kombinierte Empfang von GPS und GLONASS Satelliten sorgt in Kombination mit Garmins HotFix-Technologie für eine richtig schnelle Positionsbestimmung. HotFix bedeutet, dass das GPS-Gerät aus den empfangenen Satellitensignalen deren Position für einige Tage im Voraus berechnet. Der Vorteil: Der Oregon weiß beim Anschalten schon, wo sich die Satelliten am Himmel befinden, die Zeit bis zur ersten Standortbestimmung wird damit deutlich verkürzt.

Die Position bestimmt der Oregon 600 sehr zuverlässig. Grundlage für diese Aussage sind zahlreiche Trackaufzeichnungen im Vergleich zu anderen Garmin-GPS-Geräten. Abweichungen können – wie bei anderen Geräten auch – vorkommen, beispielsweise in schluchtartigen Tälern oder entlang von Felswänden oder Gebäuden aufgrund reflektierter Satellitensignale oder einer ungünstige Satellitengeometrie. Insgesamt gesehen sind die mit dem Oregon 600 aufgezeichneten Tracks sehr gut; dies zeigt insbesondere Tour 3, die vieles bietet, was GPS-Geräte nicht mögen.

Anhand der folgenden Beispiele von diversen Wanderungen kann sich jeder selbst ein Bild machen:

  • Tour 1 (teils schwierige Bedingungen, Schlucht, Wald): Ammerschlucht (kmz-Datei herunterladen und in Google Earth analysieren) (Oregon 600 mit GPS + GLONASS: rot, GPSmap 62st: grün, Falk LUX 22: blau).
  • Tour 2 (bis auf einen kurzen Abschnitt in einem Tal herrschen überwiegend günstige Satelliten-Empfangsbedingungen): Blomberg (an zwei verschiedenen Tagen mit unterschiedliche Geräten: Oregon 600 mit GPS + GLONASS, GPSmap 62st, fenix, eTrex 30 mit GPS + GLONASS).
  • Tour 3 (schwierige Bedingungen in einem teils schluchtartigem Tal): Graswang (Oregon 600 mit GPS + GLONASS: grün, GPSmap 62st: rot, fenix: blau, eTrex 30 mit GPS + GLONASS: olivgrün)

Garmin Oregon 600/650: Höhenmesser

Alle vier Oregon 600/650 Modelle sind mit einem barometrischen Höhenmesser ausgestattet. Da der Höhenmesser besondere Vorteile bietet, z.B. Messen der Auf-/Abstiegshöhenmeter und Darstellung des Luftdruckverlaufs, wird dieser Funktion etwas mehr Raum eingeräumt. Voraussetzungen für exakte Höhen- bzw. Luftdruckmessungen sind eine ausgereifte Gerätefirmware sowie eine korrekte Einstellung des Höhenmessers. Da es in diesem Grundlagenartikel viel Wissenswertes zum Thema gibt, wird an dieser Stelle nur darauf eingegangen, wie exakt die Messungen ausfallen können.

Ein paar Beispiele (Touren analog zu den Touren im Abschnitt "GPS"):

  • Erstes Wertepaar: Auf-/Abstiegshöhenmeter
  • Zweites Wertepaar: manuell eingestellter Wert zu Beginn der Tour/Höhenangabe am Ende der Tour

Tour 1 (Geräte am Startpunkt manuell kalibriert (= 800 m), während der Tour nicht nachkalibriert, Autokalibrierung ausgeschaltet):

  • Garmin fenix: 431/437 m, 800/806 m
  • Garmin Oregon 600: 433/429 m, 800/806 m
  • Garmin GPSmap 62st: 435/428 m, 800/807 m
  • Ergebnis: Das zweite Wertepaar weist auf stabile Luftdruckverhältnisse hin, die Auf-/Abstiegshöhenmeter fallen fast identisch aus.

Tour 2 (alle Geräte vor Tourbeginn manuell kalibriert (= 740 m), während der Tour 3x an Gipfeln nachkalibriert; Autokalibrierung ausgeschaltet):

  • Garmin fenix: 716/698 m, 740/757 m
  • Garmin Oregon 600: 712/692 m, 740/756 m
  • Garmin GPSmap 62st: 716/697 m, 740/761 m
  • Garmin Montana 650t: 720/704 m, 740/759 m
  • Ergebnis: Die Auf- und Abstiegshöhenmeter stimmen bei allen vier Geräten sehr gut überein, die Differenz zwischen der eingestellten Höhe bei Tourstart und der gemessen Höhe bei Tourbeginn läßt sich mit der tageszeitlichen Erwärmung erklären (morgendlicher Kühle beim Start, Mittags kräftige Sonneneinstrahlung).

Tour 2 (alle Geräte vor Tourbeginn manuell kalibriert (= 740 m), während der Tour nicht nachkalibriert; Autokalibrierung eingeschaltet (Oregon und fenix mit der Einstellung "Fortlaufend")):

  • Garmin fenix: 686/704 m, 740/756 m
  • Garmin Oregon 600: 711/698 m, 740/753 m
  • Garmin GPSmap 62st: 704/682 m, 740/763 m
  • Garmin eTrex 30: 546/539, 740/765 m (Geräte-Software Version 3.10)
  • Ergebnis: Die An-/Abstiegshöhenmeter stimmen beim Oregon und GPSmap sehr gut überein, die fenix zeigt eine leichte Abweichung, der eTrex fällt wegen einer nicht ausgereiften Software aus dem Rahmen. Die leicht abweichenden Werte der fenix sind eventuell eine Folge der Autokalibrierung.

Tour 3 (alle Geräte vor Tourbeginn manuell kalibriert (= 865 m), während der Tour wurde nur der Montana nachkalibriert; Autokalibrierung eingeschaltet (Oregon und fenix mit der Einstellung "Fortlaufend")):

  • Garmin fenix: 478/448 m, 865/895 m
  • Garmin Oregon 600: 493/471 m, 865/887 m
  • Garmin GPSmap 62st: 527/465 m, 865/897 m
  • Garmin eTrex 30: 261/384, 865/875 m (Geräte-Software Version 3.10)
  • Garmin Dakota 20: 456/450, 865/895 m
  • Garmin Montana 650t: 501/482, 865/884 m (während der Tour 2x nachkalibriert)
  • Ergebnis: Der Sollwert der Tour liegt bei ca. 490 Höhenmetern, der vom Oregon 600 fast perfekt getroffen wird. Insgesamt fallen die von den Geräten gemessen Anstiegs-/Abstiegshöhenmeter nicht ganz so homogen aus wie bei den ersten beiden Beispielen; möglicherweise ist dies auf die aktivierte Autokalibrierung zurückzuführen. Die Wetterlage war stabil, die Differenz zwischen der eingestellten Höhe und der Höhe bei Tourende läßt sich wieder durch die tageszeitliche Erwärmung erklären.

Garmin Oregon 600/650: Schnittstellen

Oregon 600/650: drahtlose Datenübertragung

Drahtlose Datenübertragung: Karten und Bilder per Bluetooth, andere Daten mit ANT+

Der Garmin Oregon 600 bietet eine Vielzahl an Schnittstellen zur Kommunikation mit der Außenwelt. Neben USB kommen zwei drahtlose Technologien zum Einsatz: ANT+ und Bluetooth. Die Bluetooth Schnittstelle ist allerdings nicht offen, sie dient nur zur Verbindung mit einem Smartphone, auf dem die App "Basecamp Mobile" installiert ist bzw. zum Datenaustausch zwischen Geräten der Oregon 600-Reihe.

  • High-Speed USB: Senden von Positionsdaten (NMEA 0183 kompatibel); Datenaustausch mit einem PC/Laptop; zur Stromversorgung.
  • ANT+: Drahtloser Austausch von Wegpunkten, Routen, Tracks und Geocaches zwischen kompatiblen Garmin-Geräten; Anschliessen von Sensoren (Herz-/Trittfrequenz, tempe, chirp).
  • Bluetooth 3.0 (Update auf 4.0 geplant): Kommunikation mit BaseCamp Mobile App (derzeit nur für iOS); Übertragen von benutzerdefinierten Karten ("Custom Maps") und Fotos zwischen kompatiblen Garmin-Geräten.

Die ANT+ Schnittstelle wurde ausgiebig ausprobiert. Der Datenaustausch mit unterschiedlichen Garmin-Geräten funktioniert, hin und wieder kommt es aber beim Oregon zu der Meldung "Fehler Übertragung abgebrochen" (Software Vers. 2.80). Das Verbinden mit ANT+ Sensoren ist unproblematisch (ausprobiert: Garmin Herzfrequenzgurt, tempe Temperatursensor, GSC-10 Geschwindigkeits-/Trittfrequenz-Sensor), allerdings fällt auf, dass der Oregon nur die Trittfrequenz- und nicht die Geschwindigkeitsdaten des GSC-10 auslesen kann (im Setup heißt es nun einmal "Trittfrequenzsensor") .

Positionsdaten lassen sich auf einfache Weise per USB-Kabel zu einem Laptop übertragen. Dazu wird in den Systemeinstellungen der Schnittstellentyp "Garmin Spanner" gewählt. Auf dem Laptop muss zum Emulieren eines virtuellen COM-Ports die Software “GpsGate” installiert sein. Grund: Viele Programme (z.B. VisualGPS) können nur auf COM-Schnittstellen zugreifen.

Garmin Oregon 600/650: Bedienung

Minimalistische Benutzeroberfläche

Minimalistische Benutzeroberfläche, sechs weitere Symole sind in der Anwendungsschublade versteckt (unten)

Die Benutzeroberfläche des neuen Garmin Oregon 600 bietet vieles, was schon mit dem Montana eingeführt wurde. Beim Oregon hat Garmin aber noch einmal angepackt und die Software kräftig aufgebohrt.

Dazu gehören viele kleine Verbesserungen und Funktionen, die es beim Montana (oder den alten Oregons) nicht gab; ein paar Beispiele: ein kleiner Pfeil weist bei dem Symbol "Zieleingabe" auf eine aktive Zielführung hin, die Sortier- und Suchfunktion im Trackmanager, ein buntes, übersichtliches Geocaching-Menü, nahezu beliebig viele Datenseiten/-felder beim Reisecomputer und eine neue Track-Steuerung. Wer bereits ein Outdoor-GPS-Gerät von Garmin benutzt und auf den neuen Oregon umsteigt, muss sich in mancher Hinsicht umgewöhnen. Dies betrifft beispielsweise das Starten/Stoppen/Speichern eines Tracks mit der separaten Track-Steuerung. Ein anderes Beispiel ist das Beenden des Energiesparmodus. Bei den bisherigen Touchscreen-Geräten von Garmin hat es zum Aktivieren des Displays ausgereicht, den Touchscreen anzutippen. Jetzt ist ein Drücken der Ein-/Ausschalttaste nötig, was vor allem beim Biken stören kann. Um die Funktionsvielfalt in den Griff zu bekommen, bietet es sich an, den Oregon an die eigenen Gewohnheiten und Aktivitäten anzupassen.

Und Konfigurationsmöglichkeiten gibt es in Hülle und Fülle! Am besten ist es, jedes Profil (z.B. Wandern, Mountainbiken) individuell zu konfigurieren. Dabei lohnt es sich, minimalistisch vorzugehen und nur die wirklich benötigten Icons bzw. Funktionen einzublenden. Nach subjektiven Kriterien optimierte Profile für den Oregon 600 gibt es auf unserer Downloadseite. In diesem Zusammenhang kommen die beiden Hardwaretasten ins Spiel. Sie lassen sich individuell belegen, dazu gehören Kurzbefehle (die man sich selber basteln kann, z.B. "navigiere mich nach Hause"), Anwendungen (z.B. Kompass) oder eine Systemeinstellung. In der Praxis hat es sich gezeigt, dass es sinnvoll sein kann, zumindest die Displaysperre per Taste aktivieren zu können. Bei konsequenter Nutzung kann man so – aufgrund des sensiblen Touchscreens – dem ungewollten Aktivieren von Funktionen aus dem Weg gehen.

Kleine Verbesserungswünsche gibt es aber. Dazu gehören eine Unterscheidung der GPS und GLONASS Satelliten durch unterschiedliche Symbole bzw. Farben, transparente Datenfelder auf der Kartenseite und ein größeres Symbol zum Ein-/Ausblenden der Anzeige auf der Kartenseite.

Kommen wir zum Thema Geschwindigkeit. In dieser Disziplin vollbringt der Oregon fast schon Wunder. Auch unendlich lange Listen mit Geochaches werden schnell angezeigt und lassen sich flott durchsuchen und sortieren. Gleiches gilt für die Karten, die sich schnell Zoomen und Verschieben lassen.

Garmin Oregon 600/650: Neue Funktionen

Garmin hat die Software des Oregons um neue Funktionen erweitert. Vier Neuerungen werden hier näher vorgestellt, ansonsten bieten der Oregon 600 und 650 alle Navigations- und Geocaching-Funktionen, die in zahlreichen Tests bereits vorgestellt wurden.

Fitness

Oregon 600: Fitness Einstellungen

Oregon 600: Fitness-Einstellungen

Komplett neu sind die Fitness-Funktionen. Im Setup gibt es jetzt ein separates Fitness-Menü; dort werden eingestellt (Abbildung rechts):

  • Autorunde (nach Entfernung)
  • Benutzergitter (Alter, Gewicht, Größe, Geschlecht, Aktivsportler ja/nein)
  • Herzfrequenzbereiche
  • Fit-Aktivität (Laufen, Fahrrad, Andere)(zur Unterscheidung in Garmin Connect, dem Online-Portal für Fitness-Aktivitäten)

Außerdem lassen sich Aufzeichnungen im Garmin Connect kompatiblen Fit-Format speichern und in einem speziellen Aktivitätenprotokoll bearbeiten, inklusive der Umwandlung in einen Track. Wie bisher läßt sich ein ANT+ Herzfrequenzsensor koppeln, neu ist das Verbinden mit einem Trittfrequenz- sensor. Damit der neue Oregon nicht in den Gefilden von Garmins GPS-Sportuhren und -Fahrradcomputern wildert, fehlen Herz-/Trittfrequenzalarme und die Möglichkeit, ihn bei Indoor-Trainings einsetzen zu können (ANT+ Laufsensoren lassen sich nicht anbinden, vom GSC-10 Sensor wird nur die Trittfrequenz ausgelesen).

GGZ-Format

Mit dem neuen GGZ-Dateiformat ist es möglich, alle derzeit existierenden Geocaches auf den Oregon zu übertragen. Weltweit gesehen sind das immerhin ca. 2,1 Millionen! GGZ-Dateien können allerdings nur Text und keine Bilder enthalten (Spoiler oder aus Listings). GGZ-Dateien lassen sich mit der leistungsfähigen Software "GSAK (Geocaching Swiss Army Knife)" ($30 USD) oder dem kostenlosen Tool "MyGeocachingManager" auf den Oregon 600/650 übertragen.

Track-Aufzeichnung

Garmin Oregon 600/650: Track-Einstellungen

Oregon 600: Trackaufzeichnung

Zum Aufzeichnen von Tracks gibt es einige spannende Neuerungen (Abbildung rechts). Neben bekannte Funktionen wie "Aufzeichnungsart" und "Intervall" gibt es jetzt:

  • Auto Pause: Die Aufzeichnung wird unterhalb einer Geschwindigkeit von ca. 2 km/h automatisch angehalten.
  • Automatisch Starten: Die Trackaufzeichnung wird nach dem Einschalten des Gerätes automatisch gestartet (sobald die Position bestimmt ist).
  • Ausgabeformat: Die Aufzeichnung wird wahlweise im GPX-, Fit- oder GPX- & FIT-Format gespeichert.
  • Erweiterte Einstellungen: Hier verbergen sich unter anderem zwei neue Funktionen:
    1. Trip Recording: In der Einstellung “When Tracking” läuft der Tageskilometerzähler im Reisecomputer nur mit, wenn ein Track aufgezeichnet wird, in der Einstellung “Immer” dagegen permanent.
    2. Recorded Data Set: Wird “Track and Trip” gewählt, dann werden beim Löschen der aktuellen Trackaufzeichnung zusätzlich die Reisedaten zurückgesetzt. In der Einstellung “Bestätigen” kann gewählt werden, welche Daten gelöscht werden (Trackaufzeichnung oder/und Reisedaten).

Track-Steuerung

In der Track-Steuerung versammelt Garmin eine Vielzahl an Funktionen rund um den aktuellen Track: Starten/Stoppen/Speichern/Löschen der Trackaufzeichnung, statistische Daten, Farbe, Anzeigen in der Karte ja/nein, Kartenansicht und ein Höhenprofil. Sie läßt sich auf vielfältige Weise im Menü verankern und somit schnell aufrufen, z.B. auf der Kartenseite, oberhalb einer Menüseite oder als simples Icon (siehe oben, Abbildung "Minimalistische Benutzeroberfläche …"). Die Track-Steuerung gehört zu den Funktionen, die man nach einiger Zeit nicht mehr missen möchte!

Garmin Oregon Track-Steuerung 1Garmin Oregon 600 Track-Steuerung 2
Die Track-Steuerung: Starten/Stoppen/Speichern/Löschen der aktuellen TrackaufzeichnungÜbersicht über den aktuellen Track
Garmin Oregon 600 Track-Steuerung 3Garmin Oregon 600 Track-Steuerung 4
Die aktuelle Trackaufzeichnung in der KarteEin Ausschnitt (unten) aus dem Höhenprofil des Tracks

Garmin Oregon 600/650: Lieferumfang

  • Garmin Oregon 600(t)/650(t)
  • USB-Kabel
  • Karabinerclip
  • Kurzanleitung
  • NiMH-Akkupack (nur Oregon 650(t))
  • Netzteil (nur Oregon 650(t))

Garmin Oregon 600/650: Fazit

Mit dem Oregon 600(t) und Oregon 650(t) ist Garmin zweifellos ein großer Wurf gelungen. Der neue Oregon macht nicht nur Spaß, sondern entpuppt sich als ein universelles Outdoor-Navi, das durch eine elegante und flüssige Bedienung, ein hervorragendes Display, vielen Navigationsfunktionen und einem großen Angebot an Karten überzeugen kann. Um die "Gear Lust" vollends zu stillen, sollte Garmin aber möglichst bald alle noch vorhandenen Software-Fehler beseitigen, die sich hier und da noch zeigen.

Die entscheidende Frage "Für welche Aktivitäten eignet sich der neue Oregon?" wird diesmal anders beantwortet: "Für welche Aktivitäten eignet sich der Oregon eher NICHT?"

Beim Seekajaking ist ein Gerät mit Tasten vorzuziehen, da es sich in einer wasserdichten Hülle deutlich besser bedienen läßt. Ähnliches gilt für Wintertouren, auch hier spielt ein Tastengerät wie das GPSmap 64s seine Stärken aus. Beim Mountainbiken streiten sich die Geister: Tasten oder Touchen? Dank der Vorzüge des neuen Oregons könnte die Tasten-Fraktion durchaus ins Wanken geraten …!

Kauftipp Outdoor-GPS: Garmin Oregon 600/650

Resümee nach 3 Jahren: Der Oregon 600 hat sich bei Navigation-Professionell.de mittlerweile als DAS Standard-GPS-Gerät etabliert – obwohl er sich hin und wieder wie eine zickige Diva verhält. Neben pfiffigen Funktionen wie z.B. der Tracksteuerung geben die elegante Bedienung und das exzellente Display den Ausschlag. Für eine optimale Bedienung läßt sich der Oregon perfekt an die eigenen Bedürfnisse anpassen (individuelle Profile, Konfiguration des Menüs, Belegung der Tasten). Ausnahmen: Auf Wintertouren oder beim Paddeln wird eher zum GPSmap 64s gegriffen, wenn es ganz leicht sein soll zur fenix und für perfekte Trackaufzeichnungen zu unserem Referenzsystem GPSmap64s mit externer Antenne. Summa summarum nach 1,5 Jahren: absolut empfehlenswert!

Außerdem: Seit der Einführung des Oregon 6x0 hat sich viel getan. Garmin hat im Rahmen zahlreicher Updates viele Fehler beseitigt, die GPS/GLONASS Performance verbessert und neue Funktionen hinzugefügt. Jetzt lässt sich auch ein Geschwindigkeits-/Trittfrequenzsensor koppeln, außerdem gibt es eine "MTP" Schnittstelle, mit der in Windows das lästige "Hardware sicher entfernen" entfällt.

NEU – die Nachfolger sind da: Garmin Oregon 700 und Garmin Oregon 750t

Garmin Oregon (Bild: Garmin)

Garmin Oregon 600/650

Pro

  • Hervorragendes kapazitives Display
  • Vielfalt an Schnittstellen
  • Funktionsumfang
  • Interessante neue Funktionen (z.B. Track-Steuerung)
  • Benutzeroberfläche mit vielen Konfigurationsmöglichkeiten
  • Elegante, flüssige Bedienung
  • Zwei frei belegbare Hardwaretasten
  • Große Speicherkapazität
  • Präziser Höhenmesser
  • Sehr großes Angebot an Karten

Contra

  • Sensibles Display, begünstigt Fehlfunktionen
  • Einsetzen des Batteriefachdeckels und der USB-Abdeckung nicht optimal
  • Geschlossene Bluetooth-Schnittstelle

Leserbewertung

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Unsere Bewertung

  • GPS 80%
  • Akku 60%
  • Display 100%
  • Bedienung 80%
  • Navigation 80%
  • Ausstattung 80%
  • Karten 100%
  • Gesamtbewertung (gerundet) 80%
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Bewertungskriterien

GPS-Empfang (Zeit bis zur ersten Positionsbestimmung, Genauigkeit von Tracks), Akku (Laufzeiten mit eneloop Akkus oder fest eingebautem LI-Akku), Display (Ablesbarkeit unter wechselnden Bedingungen, Auflösung), Bedienung (Einsteigerfreundlichkeit, Anpassbarkeit, mit Handschuhen möglich, allg. Eindruck), Navigation (Routing, Zielführung), Ausstattung (Anzahl an Funktionen), Karten (Angebot: weltweit/regional, Raster-/Vektor-/Marine-, Satellitenbilder, kostenlose OSM-Karten); jede Kategorie fließt zu gleichen Teilen in das Endergebnis ein.

Garmin Oregon 600 / 650: Empfohlenes Zubehör (Amazon)

Gear Lust – Garmin Oregon 600 / 650 Test was last modified: Juli 31st, 2016 by Joachim Bardua

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