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Notfallsysteme zum Fahrradfahren – Anforderungen, Übersicht & Infos

Biker*innen die schon einmal alleine über Trails flitzen oder auf einsamen Straßen unterwegs sind sollten sich ein paar Fragen stellen: Was passiert bei einem heftigen Sturz? Wie kann ich Hilfe holen? Wer sollte von meinem Unfall erfahren? Wie erfolgt die Kommunikation?

Bei einem Worst-Case-Szenario können elektronische Notfallsysteme Leben retten. Im Folgenden stelle ich ein paar Notfallhelfer vor.

Ein einsamer Singletrail im Gebirge (Valle Maira, Piemont)
Ein einsamer Singletrail im Gebirge (Valle Maira, Piemont) – Keine weiteren Biker*innen unterwegs, da kann eine extra Portion Sicherheit nicht schaden!

Welche Anforderungen lassen sich an ein Notfallsystem für Fahrradfahrer*innen stellen?

Meines Erachtens sind insbesondere die folgenden Punkte wichtig:

  1. Das Gerät lässt sich griffbereit am Körper bzw. Fahrradrucksack befestigen oder wird am Helm angebracht (bei einem heftigen Crash kann das Bike durchaus einige Meter entfernt liegen, das Gerät ist eventuell nicht erreichbar).
  2. Das System sollte über eine separate Notfalltaste verfügen (das Entsperren eines Smartphones und das Wählen einer Nummer oder Auslösen eines Alarms per App ist nicht immer möglich).
  3. Automatisches Erkennen eines Crashs und Versenden einer Notfallnachricht (für den Fall das keine Interaktion mehr möglich ist).
  4. Das Versenden von Nachrichten bzw. die gesamte Kommunikation sollte nicht per Mobilfunknetz erfolgen, sondern über ein separates, weltweit verfügbares Satellitensystem (Mobilfunklöcher gibt es mehr als genug).
  5. Eine Notfallnachricht sollte bei Profis landen, die immer zu erreichen sind und wirklich wissen was zu tun ist (im Gegensatz zu Notfallkontakten aus dem Familien-/Freundeskreis).

Welche Ortungs- und Notfallsysteme für Biker*innen gibt es?

Für diesen Artikel habe ich mich mal in der Welt der Notfallsysteme umgeschaut. Die Auflistung ist ohne Anspruch auf Vollständigkeit und soil die wichtigsten Typen zeigen!

Garmin inReach Mini

Das Garmin inReach Mini ist für mich die Nr. 1 unter den satellitengestützten SOS-Systemen.

Einerseits wegen seiner Zuverlässigkeit (dazu liegen mir mehrere Erfahrungsberichte vor), andererseits weil es fast alle meiner Anforderungen erfüllt. Die Kommunikation erfolgt über das global verfügbare Iridium Satellitensystem.

Lediglich das automatische Erkennen eines Unfalls ist nicht gegeben, es ist immer eine manuelle Interaktion nötig (Funktionen wie das manuelle Senden eines SOS-Alarms lassen sich aber z.B. über einen Garmin Edge ausführen). Ein weiterer Nachteil sind die nicht unerheblichen Kosten für Anschaffung und Betrieb.

Test & Infos: Garmin inReach Mini

Garmin inReach Mini
Garmin inReach Mini (©Garmin)

Garmin LTE

Garmin hat mit dem Forerunner 945 LTE ein GPS-Gerät mit LTE eingeführt, das der Vorreiter einer neuer Generation sein dürfte – beispielsweise für einen Edge 1040 oder eine fenix 7!

Über das integrierte LTE Modul lassen sich – neben anderen Funktionen – manuell per Taste bzw. über eine automatische Unfallerkennung SOS-Alarme absetzen. Die Nutzung setzt ein Abonnement voraus (€6,99 oder €7,99 pro Monat). Wie beim inReach landen die Notfälle beim Garmin IERCC (International Emergency Response Coordination Center, auch als GEOS bekannt).

Nachteile: Die Abhängigkeit vom Mobilfunknetz, die generelle Verfügbarkeit (derzeit z.B. nicht in Österreich) und es ist die Frage zu stellen, ob die automatische Unfallerkennung keine Fehlalarme auslöst (dies kommt bei aktuellen Garmin Edge Geräten nicht gerade selten vor).

Test & Infos: dcrainmaker.com

Tocsen Sturzhelmsensor

Am Fahrradhelm angebrachte Sensoren zur Unfallerkennung sind optimal platziert, da der Kopf besonders empfindlich ist und entsprechende Kräfte wirken.

Ein Vertreter dieser Geräteklasse kommt von Tocsen. Im Falle eines Falles erkennt der Sensor einen Sturz und alarmiert die in der zugehörigen Smartphone-App hinterlegten Notfallkontakte (das manuelle Auslösen eines Notrufs ist via App möglich).

Kosten: €79.- für den Sensor (alternativ gibt’s Helme mit integrierten Sensoren)

Das System hat Nachteile, einerseits die Abhängigkeit vom Mobilfunknetz, andererseits das Informieren von "Laien" (Notfallkontakten).

Da kommt Tocsen Plus in’s Spiel! Wenn der Service gebucht ist landen die Notfallmeldungen beim Bosch Help Connect 24/7 Notruf-Service. Die Kosten belaufen sich auf €129.- (Sensor + 1 Jahr Servicegebühr), in Folge sind pro Jahr €99.- oder pro Monat €9,90 hinzulegen.

Infos: tocsen.com

Tocsen Crashsensor
Am Helm angebrachter Tocsen Crashsensor (©Tocsen)

Specialized ANGi Sturzhelmsensor

Von Specialized gibt’s einen Sensor analog zum Tocsen. Der Betrieb ist kostenlos, es fallen nur die Kosten für den Sensor (€49,90) bzw. einen Helm mit Sensor an. Wichtiger Unterschied zu dem Tocsen: Es gibt keinen separat buchbaren Notruf-Service.

Test & Infos: Specialized ANGi

Weitere in Frage kommende Notfallsysteme für Biker*innen

Eine Auswahl:

  • ProteGear A*LIVE (statt Garmin inReach, Kommunikation per Mobilfunknetz & Iridium GNSS, SOS-Taste, Crash-Erkennung): protegear.de
  • Spot X (oder Spot GEN4, als Alternative zum inReach): Spot Tests
  • Vodafone Curve Fahrradlicht & GPS-Tracker (anstelle eines Helmsensors): vodafone.com
  • Bosch Help Connect (nur via Smartphone-App, aber mit 24/7 Service): bosch-ebike.com
  • Garmin Unfallerkennung (z.B. in Garmin Edge Fahrradcomputer integriert, nicht empfehlenswert, da es des öfteren zu Fehlalarmen kommt)

Notfallsysteme für Fahrradfahrer*innen – Fazit

Die wichtigste Botschaft lautet: Das optimale System gibt es wie immer nicht!

Wenn Sie unabhängig vom Mobilfunknetz SOS-Meldungen absetzen wollen sind global verfügbare Satelliten-Kommunikationssysteme wie das Garmin inReach, Spot X oder ProteGear A*LIVE erste Wahl.

Unter den mobilfunkgestützten Systemen gefällt mir Garmin LTE am besten – vorausgesetzt die Verfügbarkeit wird in weiteren Ländern ausgebaut. In Verbindung mit einer neuen fenix 7 Generation dürfte dies eine interessante Lösung sein, da sich die fenix – im Gegensatz zu einem Edge – am Körper befindet, ein Auslösen per Taste möglich sein dürfte und im Notfall ein professionelles Team für die Koordination sorgt.

Unter den Helmsensoren sagt mir aufgrund des günstigen Preises das Specialized ANGi besonders zu.

Bei Systemen die auf persönlichen Notfallkontakten beruhen dürfte aber das Absprechen eines Notfallplans von Bedeutung sein (Wer? Wann? Was? Wie?)

AnforderunginReach MiniGarmin LTE
(Forerunner)
Tocsen Plus HelmsensorSpecialized ANGi HelmsensorGarmin Edge Unfallerkennung
Am Körper tragenjajajajanein
Notfalltastejajaneinneinja
Automatische Erkennungneinjajajaja
Vom Mobilfunk abhängigneinjajajaja
Professionelle Koordinationjaja(ja)neinnein
Fünf wichtige Systeme in Bezug auf meine Anforderungen

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