Amazfit GTS Test & Erfahrungen

2. Dezember 2019
von Joachim Bardua
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Huami Amazfit GTS Test

Amazfit GTS Smartwatch im Test

Amazfit GTS – Huami ist mit einer weiteren budgetfreundlichen GPS-Smartwatch auf den Markt gekommen, mit der das Unternehmen die etablierten Anbieter von Wearables herausfordert. 

Die getestete Amazfit GTS erinnert nicht nur vom Design stark an die Apple Watch. Die GTS gibt es aber bereits ab 109.- EUR, bei der Apple Watch sind 230.- Euro (Series 3) und aufwärts zu veranschlagen.

Zudem hat die GTS viele Gemeinsamkeiten mit der beliebten Amazfit BIP Smartwatch (unser Test), die wir in diesen Artikel vergleichsweise miteinbeziehen.

Amazfit GTS vs. Amazfit BIP

Amazfit BIP (links) vs. Amazfit GTS (rechts)

Amazfit GTS Test – Technik

Die GTS ist mit 43,2 x 36,3 x 0,94 mm bzw. 39 g (inklusive Armband) etwas größer und schwerer als die BIP (41 x 35 x 0,9 mm, 31 g), bietet aber einen ähnlich hohen Tragekomfort. Das 20 mm breite Standard-Armband ist auch bei der Amazfit GTS schnell ausgewechselt.

Das schwarze Gehäuse aus Kunststoff und Aluminium lässt die GTS weder günstig noch besonders hochwertig erscheinen – dafür gibt es aber ein anderes Highlight: das AMOLED Display.

Das AMOLED Display fällt deutlich größer als das transflektive LCD-Display der BIP aus (1,65 vs. 1,28 Zoll). Beiden gemeinsam ist der Schutz vor Kratzern durch Gorilla Glas, dazu kommt eine Anti-Fingerprint-Beschichtung. Das AMOLED Display spielt seine Stärken durch knackige & leuchtende Farben, ein sattes Schwarz und kräftige Kontraste aus – da kann die BIP in keiner Weise mithalten. Auch die Auflösung hat es in sich: 348 x 442 Pixel bzw. 341 PPI (PPI = Pixels per Inch) (176 x 176 Pixel bei der BIP). Schriften und Grafiken erscheinen gestochen scharf, wenngleich manche Texte schon arg klein sind. Die Ablesbarkeit des Displays ist in der Einstellung Auto-Helligkeit selbst bei starker Sonne, Schnee und Sonnenbrille vor den Augen wirklich gut!

Das Display wird in der standardmäßigen Konfiguration durch eine Drehung des Handgelenks aktiviert. Die Anzeigedauer lässt sich mit Werten zwischen 5 und 15 Sekunden regulieren. Zudem gibt es eine Auto-Helligkeit, die Regelung nimmt ein Umgebungslichtsensor vor. Alternativ ist die Beleuchtung manuell justierbar.

Die Amazfit GTS verfügt aber auch über einen “Immer-An” Modus (Always-on). Dann erscheinen dauerhaft Uhrzeit, Datum und die Anzahl an zurückgelegten Schritten (Abbildung oben). Das Always-on Display ist immer ganz leicht beleuchtet, was sich beim Schlafen als störend erweist.

Der 220 mAh Akku – das Laden erfolgt über ein USB-Kabel mit Magnethalter –  soll im Alltagsmodus bis zu 14 Tage* , im Basismodus 45 Tage** durchhalten.

*: Herzfrequenz 24/7 an, Schlaf-Monitoring, 3x 30 Min. GPS/Woche, pro Tag 150 Smartphone-Benachrichtigungen + 30 mal Display an durch Handgelenksdrehung
**: kein Bluetooth, keine Herzfrequenz etc., 100 mal pro Tag Display an

Wir haben die Batterielaufzeit in dem Always-on Modus getestet, da ist ohne großartige Interaktion nach rund 4,5 Tagen Ende. Die Amazfit BIP spielt diesbezüglich eine Stärke aus, die Ladestandsanzeige zeigt dann noch 93% an. Eine komplett leere GTS lädt sich in rund zwei Stunden wieder auf.

Die Wasserdichtigkeit wird mit 5 ATM angegeben (= 50 m Wassertiefe); Schwimmen und Duschen ist problemlos möglich. Die BIP hat nur einen Schutz nach IP68, ein Tragen beim Schwimmen gehört es deshalb zu vermeiden.

An Sensoren stehen Herzfrequenzsensor, Beschleunigungsmesser, Kompass und ein Luftdrucksensor zur Verfügung. Externe Sensoren – zum Beispiel für die Herzfrequenz – lassen sich leider nicht koppeln.

Für die Positionsbestimmung gibt es einen kombinierten GPS / GLONASS Empfänger, unterstützt durch A-GPS (= Assisted-GPS, via Smartphone werden für eine schnelle Positionsbestimmung aktuelle Satellitendaten auf die Uhr gespielt). Trotz A-GPS Updates erfolgt die Positionsbestimmung beim Starten einer Aktivität – z.B. eines Lauftrainings – häufig aber nur sehr verzögert. Bei der GPS-Genauigkeit – geprüft anhand von Trackaufzeichnungen – kann die Amazfit GTS mit einer Outdoor-Uhr wie der Garmin fenix 6X nicht mithalten (Abbildungen unten). Für den Freizeitbereich wie z.B. gelegentliche Läufe oder Wanderungen dürfte die Genauigkeit in der Summe aber durchaus ausreichen.

Amazfit GTS, Kurven werden abgeschnitten

Die Amazfit GTS (rot) schneidet eine Kurve einfach ab (Garmin fenix: blau)

Amazfit GTS, Kurve abgekürzt und ungenaue Trackaufzeichnung

Die Amazfit GTS (rot) schneidet eine Kurve ab, die Aufzeichnung ist sehr ungenau (Garmin fenix: blau)

Der Kompass zeigt Himmelsrichtungen an, in dem dazugehörigen Menü werden noch der aktuelle Luftdruck (in Hektopascal) und die Meereshöhe aufgeführt; ein Kalibrieren der Höhe erfolgt per GPS.

An Schnittstellen sind Bluetooth 5.0 LE (Smartphone-Verbindung), NFC (kontaktloses Bezahlen, bei uns aber nicht verwendbar) und USB (zum Aufladen) vorhanden. Wi-Fi gibt es analog zu der BIP nicht, die zudem mit Bluetooth 4.0 auskommen muss.

Amazfit GTS Erfahrungen – Bedienung

Die Bedienung erfolgt in erster Linie per Touchscreen, die Taste unterstützt bei einzelnen Aktionen. Der Touchscreen bleibt auch mit feuchten Fingern noch gut bedienbar.

Das Menü ist sehr übersichtlich und strukturiert, durch Wischbewegungen gehts von Funktion zu Funktion bzw. von Seite zu Seite. Ob Optik und Aufmachung des Menü unserem mitteleuropäischen Geschmack entsprechen ist eine andere Frage!

Die Einstellungsoptionen sind auf der GTS auf das Wesentliche beschränkt. Dazu gehören z.B. die Displaybeleuchtung und die Auswahl des DND Modus (Do not Disturb), insbesondere aber die Konfiguration der beiden zur Verfügung stehenden Watch Faces (weitere Faces gibts per App). Das Setup der Amazfit GTS erfolgt in erster Linie per App.

Amazfit GTS, Menu

Amazfit GTS – Ein übersichtliches Menü mit großen Symbolen 

Amazfit GTS Test – Funktionen

Die Amazfit GTS ist als Alltagsuhr, Fitness-Tracker und Trainingspartner gedacht. Einen Funktionsvergleich zu der BIP gibt es hier: Amazfit GTS gegen Amazfit BIP.

Als Alltagsuhr

Für den Alltag gibt es umfangreiche Wetterinfos, Smartphone-Benachrichtigungen, -Suchen, -Musiksteuerung (Lautstärke, Pausieren, Vor/Zurück), Timer, Countdown, Stoppuhr, Erinnerungen und eine Art Taschenlampe. Die Software hat noch deutliches Verbesserungspotential, so gibt es in den Benachrichtigungen keine Emojis, auch lassen sich keine zusätzlichen Apps wie bei Apple oder Garmin installieren.

Als Fitnesstracker

Als Fitnesstracker zeigt die Amazfit GTS die Anzahl an Schritten, die zurückgelegte Distanz, die Kalorien und die Herzfrequenz an – inklusive zahlreicher Grafiken. Dazu kommen Ziele (Schritte, Gewicht), Inaktivitätsalarm und Schlafaufzeichnung, bei der zwischen tiefem und leichtem Schlaf sowie Wachzeiten unterschieden wird (einen REM Schlaf wie z.B. bei Garmin gibt es nicht).

Die Anzahl an zurückgelegten Schritten haben wir mal mit einer Garmin fenix 6X Pro verglichen. An zwei Tagen mit sportlichen Aktivitäten kommen wir auf jeweils 11.658 vs. 11.674 bzw. 14.696 vs. 14.673 Schritte (fenix vs. GTS) – ein eindrucksvolles Ergebnis!

Durch ein Software-Update ist noch der PAI Score hinzugekommen (= Personal Activity Intelligence). Der Wert soll dabei helfen, eine bessere kardiorespiratorische (Herz/Kreislauf-)Fitness zu erlangen. Die Bestimmung erfolgt auf der Basis von Herzfrequenzdaten über die letzten sieben Tage und von persönlichen Angaben (Alter etc.). Ein Score über 100 gilt als besonders vorteilhaft.

Als Sportuhr

Die Amazfit GTS kann

  • Laufen,
  • Gehen,
  • Radfahren,
  • Laufband,
  • Hallenradfahren,
  • Freiwasserschwimmen,
  • Schwimmbad,
  • Crosstrainer,
  • Stepper,
  • Trailrunning,
  • Skifahren und
  • Gewichtheben

als Workouts aufzeichnen.

Je nach Typ gibts Zusatzfunktionen. Beispiel Laufen: Ziele (Distanz, Dauer, Kalorien), Meldungen (nach Distanz, Herzfrequenz-Zone, Pace) und Auto-Pause. Die Warnungen erfolgen am Display, akustisch und per Vibration. Beim Laufen lässt sich zwischen diversen Datenseiten wechseln, besonders gut gefällt dabei, dass die erste Seite vier für Läufer wichtige Daten enthält: Zeit, Distanz, Pace, Herzfrequenz (Abbildung unten rechts). Die Datenseiten sind aber nicht weiter anpassbar.

Während eines Workouts lässt sich die Musiksteuerung nicht nutzen, auch stört es, dass dann kein Zugriff auf die Einstellungen möglich ist.

Amazfit GTS Test, Starten einer Aktivität

Amazfit GTS – Starten eines Workouts

Amazfit GTS Test, Laufsport mit vier Datenfeldern

Amazfit GTS – Vier wichtige Datenfelder für Läufer

Huami Amazfit GTS als Fitness-Tracker

Amazfit GTS – Schrittzähler

Amazfit GTS Test – Apps

Die GTS ist zu Smartphones mit Android 5.0 bzw. iOS 10.0 und höher kompatibel, zum Einsatz kommt die Amazfit App.

Die App bietet viele wichtige Funktionen mit denen man sich unbedingt auseinander setzen sollte, beispielsweise zum Konfigurieren. Dazu kommen die “üblichen” statistischen Daten zum Fitness-Tracking und den Workouts.

Bei der App gefällt uns so manches nicht. Das Design ist sehr pragmatisch gehalten und optisch nicht gerade ansprechend. Außerdem: Es ist nur ein eingeschränkter Export der Aufzeichnungen möglich. Wer also z.B. eine Wanderung als GPX-Datei exportieren oder in ein anderes Portal übertragen möchte muss einen Umweg gehen. Die App kann mit einem Strava Account verknüpft werden, neue Workouts landen dann automatisch in Strava. Und nur dort gibt es einen GPX-Export. Wünschenswert wäre zumindest noch die Anbindung weiterer Fitness-Portale.

Ein kostenlose Alternative zu der Amazfit App wäre Gadgetbridge, dass nicht nur einen einfachen Datenexport bietet, sondern auch ohne ein Übertragen von persönlichen Daten auf die Amazfit Server auskommt. Nur leider ist Gadgetbridge nicht so einfach mit der GTS zu verbinden – eine Einschränkung, die es bei Amazfit BIP so nicht gibt.

Amazfit GTS Test – Fazit

Die Amazfit GTSAmazon - Amazfit GTS verfügt zwar über Vorteile wie ein tolles AMOLED Display, ein übersichtliches Menü, ist einfach zu bedienen und hält ausreichend lange durch – in der Summe reichen die Stärken aber nicht aus, um die GTS wirklich empfehlen zu können. Der GPS-Empfänger braucht oftmals viel zu lange bis zur Positionsbestimmung, die Software hat noch Nachholbedarf. Dazu kommt eine Smartphone App die zu wünschen übrig lässt.

In der unter 200.- Euro Preisklasse kommen als Alternativen nicht nur andere Amazfit Smartwatches in Frage, sondern auch die kürzlich von uns getestete Sigma iD.FREE, die zwar nicht als Smartwatch punkten kann, dafür aber Vorteile wie ein Koppeln von externen Sensoren und bei der Datenverwaltung bietet.

Leserbewertung: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (6 GPS-Fans, ∅ Score: 66,67 %)

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Anzeige - Aktualisiert: 9.12.2019 / Affiliate Links / Bild(er): Amazon

Pro

L

AMOLED Display mit tollen Farben

L

Sehr gute Ablesbarkeit des Display auch bei schwierigen Lichtbedingungen

L

Einfache Bedienung

L

Gute Batterielaufzeiten

L

Genauer Schrittzähler

Contra

K

Smartphone App mit Verbesserungspotential

K

Eingeschränkter Datenexport

K

Uhren-Software mit Schwächen

K

Teils kleine Schriften

K

Oftmals zähe Positionsbestimmung

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