Blaupunkt TravelPilot 65 Active Connect EU LMU Test

von | 9. Januar 2018 | Blaupunkt | Test | Fahrrad Auto | 0 Kommentare

Die Nachfrage nach Straßennavigationssystemen ist in den letzten Jahren drastisch geschrumpft. Dies spiegelt sich in dem Angebot an PNDs wider. Nach der Insolvenz von United Navigation mit den Marken Falk und Becker spielen bei uns im Wesentlichen nur noch drei Hersteller eine Rolle: Blaupunkt, Garmin, TomTom.

Unter dem Markennamen Blaupunkt hat die Baros GmbH kürzlich drei neue Navigationssysteme für Autofahrer, Camper und Trucker auf den Markt gebracht:

  • TravelPilot 55 Active Connect EU LMU
  • TravelPilot 65 Active Connect EU LMU
  • TravelPilot 65 Active Connect Truck/ Camping EU LMU

Wir haben uns das TravelPilot 65 Active Connect EU LMU näher angeschaut, dessen Eckdaten lauten:

  • Kapazitives 6,2-Zoll Display mit einer Auflösung von 800 x 480 Pixel
  • TomTom Kartenmaterial von 48 europäischen Ländern inklusive lebenslang kostenlosen Kartenupdates
  • TomTom Traffic-Verkehrsmeldungen via Smartphone-Internetverbindung bzw. Avanteq TMC-Empfänger
  • Bluetooth-Freisprecheinrichtung
  • Aktivhalterung
  • UVP €229.-
Blaupunkt TravelPilot 65 Active Connect EU LMU

Blaupunkt TravelPilot 65 Active Connect EU LMU (©Blaupunkt)

Blaupunkt TravelPilot 65: Inbetriebnahme, Zubehör

Das Blaupunkt TravelPilot 65 Active Connect EU LMU wird mit folgendem Zubehör ausgeliefert:

  • Aktivhalterung
  • Ladekabel, mit einer abziehbaren TMC-Antenne
  • USB-Kabel
  • Schnellstart-Anleitung

Bei der Inbetriebnahme gibt es gleich den ersten Kritikpunkt. Die Schrift der Schnellstart-Anleitung ist mikroskopisch klein, ein ausführliches Handbuch steht auf der Produktseite im Downloadbereich nicht zur Verfügung. Dafür gibt es dort Anleitungen zur Freisprecheinrichtung und zum Importieren von Blitzer-Standorten. Der Import der 5.853 Zeilen bzw. Standorte umfassenden Datei ist mit Hilfe eines Desktop-PCs oder Laptops schnell durchgeführt.

Die Konfiguration des Gerätes braucht einiges an Zeit (außer man begnügt sich mit den Default-Einstellungen). Grund: Vor allem in den Menüs Routeneinstellungen, Ton, Warnungen, Navigationsansicht und Anzeige gibt es immens viele Optionen, die teilweise schon zu viel des Guten sind!

Beispiel Warnungen, unter Tempolimit, Warnpunkte und Straßenschilder gibt es zahlreiche weitere Unterpunkte. Ein Punkt gefällt aber besonders gut und zwar lassen sich die Warnungen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen gezielt für außer- bzw. innerorts anpassen, z.B. außerorts 110%, innerorts 105% des Tempolimits.

Die notwendige Smartphone-Verbindung per Bluetooth ist schnell eingerichtet, ein wiederholtes Verbinden nach dem Einschalten des Navigationssystems erfolgt in der Regel zuverlässig.

Die recht lange Saugnapfhalterung für die Windschutzscheibe sitzt bombenfest, die Aufnahme für die eigentliche Aktivhalterung ist HR-kompatibel (“Herbert Richter”). Somit können auch andere Halterungssysteme, z.B. Lüftungsschlitzhalter, genutzt werden. Das TravelPilot 65 sitzt stabil in der Aufnahme, dafür sorgt ein sehr kräftiger Magnet auf der Gehäuserückseite.

Das Ladekabel fällt mit 150 cm sehr lang aus, durch die Kombination von Stromkabel und TMC-Antenne ist es allerdings weniger flexibel und recht breit – die TMC-Antenne lässt sich aber abziehen und separat verlegen.

Blaupunkt TravelPilot 65: System, Hardware

Die Front des TravelPilots mit dem bündigen Display-/Gehäuseübergang sieht gut aus, das Gehäuse hat aber einen Nachteil. Die Soft-Oberfläche ist empfindlich und wird mit der Zeit recht unansehnlich.

An Bedienelementen gibt es einen Ein-/Ausschalter, dazu kommen ein Reset-Taster, ein microSD-Karten Einschub, eine Ladeanzeige, ein Kopfhöreranschluss und Öffnungen für das Mikrofon bzw. auf der Rückseite für den Lautsprecher.

Das komplett ausgeschaltete Gerät braucht knapp 25 Sekunden zum Starten. Nach dem Einschalten kann es schon einmal etwas dauern bis die GPS-Position bestimmt ist – in dieser Hinsicht kennen wir schnellere Systeme.

Wer ohne Ladekabel unterwegs sein will muss die kurze Akkulaufzeit von rund 40 Minuten beachten. Das Gehäuse wird beim Laden recht warm. Was beim Beenden der Fahrt stören kann: Wird der Ladestecker gezogen geht das Gerät nicht automatisch aus – ein Griff zum Ein-/Ausschalter ist unumgänglich.

Zum Thema Geschwindigkeit, in der Summe wünscht man sich ein flüssiger agierendes System, z.B. kann der erstmalige Aufbau der Routenübersicht ganz schön dauern. Ähnliches gilt für das Berechnen von Routen, für eine Süd-Nord Strecke durch die Republik sind mehr als 50 Sekunden zu veranschlagen – Top-Systeme brauchen dafür nur einen Bruchteil der Zeit. Das Berechnen von Alternativrouten ist schnell ein Geduldsspiel.

Die akustische Qualität der Sprachansagen könnte besser sein, scheint aber von der gewählten Stimme und nicht vom Lautsprecher abhängig zu sein. Auch fällt auf, dass die maximale Lautstärke nicht immer ausreicht, um die Navigationsanweisungen zu verstehen. Die Sprachqualität der Freisprecheinrichtung geht auf beiden Seiten der Leitung in Ordnung, ist aber zu leise und lässt sich auch nicht separat regeln.

Das kapazitive Display ist in der Summe sehr gut ablesbar, für Fahrten tagsüber empfiehlt es sich, die Displaybeleuchtung auf 100% zu stellen. Für Nachtfahrten ist dagegen eine Helligkeit von 0% sinnvoll. Für ein automatisches Umschalten – tagsüber 100%, nachts 0% – sorgt eine als “GeoDaylight” bezeichnete Funktion.

Als Speicherkapazität werden 7,94 GB angezeigt, davon sind noch 1,78 GB frei verfügbar. Für Zusatzpakete, z.B. weitere Karten, kann optional eine microSD-Karte eingesetzt werden.

Blaupunkt TravelPilot 65: Bedienung, Zieleingabe

Das Hauptmenü – es wird auf der Kartenseite über das Hamburger-Symbol unten rechts aufgerufen – ist sehr übersichtlich aufgebaut, hat unserer Meinung nach aber Optimierungspotential. So wäre auf der obersten Ebene ein “Nach Hause” Button für eine Route zum Heimatort genauso nützlich wie ein “Mein Standort / Hilfe” Button (beide Funktionen gibt es, sind aber nur über einen oder mehrere Zwischenschritte erreichbar).

Die Anwendung für die Freisprecheinrichtung ist nur umständlich über das Hauptmenü zu erreichen. Sie hat im Vergleich zur Navigationsanwendung auch ein komplett anderes, nicht gerade ansprechendes Design.

Da keine Sprachsteuerung vorhanden ist sollte die Freisprecheinrichtung während der Fahrt nur für eingehende Anrufe verwendet werden. Anrufe sollten also nur während eines Fahrzeugstillstands getätigt werden – dann stellt sich aber die Frage, ob ein direkter Griff zum Smartphone nicht sinnvoller ist? Davon abgesehen: Die Lautstärke reicht nicht aus um die Freisprecheinrichtung wirklich sinnvoll nutzen zu können.

Zum Eingeben eines Ziels stehen alle wichtigen Optionen zur Verfügung: Adressen, POIs, Favoriten (z.B. Zu Hause, Arbeit, …), Verlauf, gespeicherte Mehrzielrouten, Koordinaten, Punkte auf der Karte. Praktisch ist die sogenannte kombinierte Suche zur gleichzeitigen Suche in alle Zieltypen (Adressen, POI, …), eine Funktion die an die Suchfunktion bei TomTom Navis erinnert.

Ein paar Eigenheiten stören, so ist beim Eingeben einer Hausnummer auf der Displaytastatur erst ein manueller Wechsel zu den Ziffern nötig, nach dem Eingeben einer Adresse ist ein Antippen des Hinweises “Als Ziel auswählen” unumgänglich. Bei den Alternativrouten stört es, dass die Alternativen nicht gleichzeitig in der Karte angezeigt werden.

Blaupunkt TravelPilot 65 Active Connect EU LMU, Verkehrsmeldung

Blaupunkt TravelPilot 65 Active Connect EU LMU, Verkehrsmeldung (©Blaupunkt)

Blaupunkt TravelPilot 65: Routen, Navigation

An Routingoptionen stehen “schnell, leicht, kurz, als Fahrzeug PKW, Fußgänger, Fahrrad, Notfall, Bus, Taxi, LKW“zur Auswahl, dazu gibt es noch einen Navigationsmodus “Luftlinie“. Für Mautstrecken gibt es die Optionen “Straßen mit Vignettenpflicht” bzw. “Mautstraßen“, jeweils an oder aus. Im Test wurde immer die Kombination “PKW & schnell” gewählt.

Routen werden zudem auf der Basis historischer Verkehrsdaten berechnet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, was allerdings auffällt, dass es hier und da Ausreißer gibt. Ein Beispiel: Die berechnete Strecke führt über komplizierte Umwege zur Autobahnauffahrt, obwohl es eine direkte, nur 2 km lange Strecke auf einer Landstrasse gibt.

Die optische Zielführung ist gelungen, auf dem großen Display stehen alle wichtigen Informationen zur Verfügung. Besonders gut gefällt, dass

  • die aktuelle Uhrzeit,
  • die aktuelle Geschwindigkeit,
  • die voraussichtliche Ankunftszeit,
  • die verbleibende Fahrtdauer und
  • die verbleibende Distanz angezeigt werden.

Die Kartenansicht ist konfigurierbar, z.B. ein Blickwinkel von weit, normal oder nah. Ein Aktivieren von “3D-Gelände” führt zu einem eher unschönen Kartenbild. Die ausgefuchste POI-Darstellung bietet ebenfalls viele Optionen, so lässt sich z.B. die Anzeige von Geldautomaten, aber nicht die von Banken und Geldwechsel aktivieren. Hier lohnt es sich Zeit zu investieren und das TravelPilot entsprechend anzupassen

Die Sprachansagen lassen sich vielfältig tunen, eine Möglichkeit ist die Option “Ausführlichkeit“. Zur Auswahl stehen minimal, mittel, wortreich – mittel hat sich im Test als ideal erwiesen. Als Manko erweist es sich, dass die letzte Ansage gerne zu spät kommt … bei einem Kreisverkehr auch schon einmal nach dem Ausfahren.

An Stimmen stehen Katrin, Stefan, Petra, Yannick und Anna zur Auswahl. Petra, Yannick und Anna können Straßennamen vorlesen, ihre Aussprache ist manchmal aber schon sehr unglücklich.

Verkehrsmeldungen werden via TMC-Antenne (Avanteq TMC) oder Online via Smartphone empfangen. Über das Smartphone bezieht das TravelPilot Active 65 die wohl besten erhältlichen Verkehrsmeldungen: TomTom Traffic. Laut Blaupunkt sollen bei einer täglichen Fahrt von sechs Stunden ca. 280 MB Datenvolumen im Monat anfallen (in Anhängigkeit von der Anzahl der Verkehrsmeldungen).

Im Menü “Verkehr” werden Meldungen mit einer Entfernung von bis zu ca. 300 km aufgelistet; dort ist auch ersichtlich, ob die Meldungen online oder via TMC reinkommen. Im Test hat sich außerdem gezeigt, dass es in ländlichen Regionen sehr lange dauern kann bis überhaupt Meldungen eintreffen. Ob es an dem Mobilfunkprovider liegt ist schwer zu sagen, ein zum Vergleich eingesetztes TomTom GO mit integrierter SIM-Karte erhält seine Verkehrsnachrichten innerhalb weniger Minuten.

Die Integration der Meldungen ist gut gelöst, kann allerdings nicht an die Übersichtlichkeit der Routenleiste bei TomTom GO & VIA Navigationssystemen heranreichen.

Weitere Funktionen des Blaupunkt TravelPilot 65 Active Connect EU LMU (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Benutzerprofile
  • Fahrtcomputer
  • Mehrzielrouten
  • Speichern von Routen
  • Automatische Aufzeichnen und Speichern von Fahrten
  • Routensimulation
  • Reiseplan (Liste von Abbiegeanweisungen)
  • GPS-Infoseite
  • Hilfe in der Nähe (z.B. nächste Polizeistation)
  • Meiden von Sonderabschnitten, bestimmter Straßen oder der vorausliegenden Strecke (z.B. nächste 2 km)
  • Fußgänger-Modus
  • Parkplatzsuche in Zielnähe

Blaupunkt TravelPilot 65: Karten, Updates

Folgendes TomTom Kartenmaterial ist vorinstalliert (Ausgabe 2017/Q3)

Gesamteuropa (EU) inkl. Russland und dem europäischen Teil der Türkei

Albanien, Andorra, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien, Estland, Finnland, Frankreich, Gibraltar, Griechenland, Großbritannien und Nordirland, Irland, Island, Italien, Kosovo, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Moldawien, Monaco, Montenegro, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, San Marino, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Türkei, Ukraine, Ungarn, Vatikanstadt, Weißrussland, Zypern.

Teilweise Abdeckung: Türkei (88%), Bulgarien (63%), Russland (66%), Ukraine (44.54%), Albanien (57%) Verbindungsstraßen Bosnien und Herzegowina, Mazedonien, Moldawien, Weißrussland

Die lebenslang kostenlosen Kartenupdates sind wie folgt definiert: LifeTime-Karten Update Berechtigt den Nutzer zu jährlich mehreren Updates seiner Kartendaten, solange er sein Navigationsgerät in Gebrauch hat oder Blaupunkt Kartenupdates für dieses Datenformat anbietet, je nachdem, was zuerst eintritt.

Zum Durchführen von Software-Updates, Einspielen neuer Karten oder Kaufen von Zusatzpaketen (z.B. Karten von USA & Kanada) wird die Naviextras Toolbox benötigt, die es allerdings nur für Windows 7, 8 und 10 gibt. Über die Toolbox können eigene POI im KML-Format importiert werden.

Wie oft die zum Download bereitstehende Blitzerdatei aktualisiert wird ist nicht näher spezifiziert.

Blaupunkt TravelPilot 65 Test: Fazit

Das Blaupunkt TravelPilot 65 bietet viele sinnvolle Funktionen und viel Ausstattung für das Geld. Besonders hervorzuheben sind die Aktivhalterung, die erstklassigen TomTom Online-Verkehrsnachrichten und der übersichtliche Navigationsscreen.

Was allerdings stört sind die vielen Kleinigkeiten, die den Einsatz erschweren. Dazu gehören beispielsweise Qualität und Timing der Sprachansagen und das Tempo beim Berechnen von Strecken, aber auch die Tatsache, dass kein ausführliches Handbuch zur Verfügung steht.

Nach unserer Einschätzung dürfte es das getestete TravelPilot 65 Active Connect EU LMU schwer haben, sich gegenüber dem TomTom GO 520 durchzusetzen, das einen vergleichbaren Funktionsumfang bietet und derzeit in der gleichen Preisregion unterwegs ist.

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Unsere Bewertung

  • System 68%
  • Navigation 70%
  • Bedienung 67%
  • Ausstattung 80%
  • Gesamtbewertung 71%
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Bewertungskriterien

System (GPS-Empfang/Systemstabilität/Systemgeschwindigkeit/Dauer Routenberechnung), Navigation (Routenqualität/Visuelle- & akustische Zielführung/Verkehrsinfos), Bedienung (Montage/Anleitung/Benutzerführung), Ausstattung (Anzahl an Funktionen); jede Kategorie fließt zu 25% in das Endergebnis ein.

Blaupunkt TravelPilot 65 Active Connect EU LMU Test was last modified: Januar 14th, 2018 by Joachim Bardua
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