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Ausprobiert: Coyote Fahrassistent

Sich vor Standorten mobiler und fester Blitzer oder bei Geschwindigkeitsüberschreitungen zuverlässig warnen zu lassen, ist der Wunsch zahlreicher Autofahrer. Technische Hilfsmittel gibt es genug: Smartphone-Apps, Navis mit integrierten Warnfunktionen und den hier getesteten Coyote Fahrassistenten.

Der Coyote Fahrassistent ist nichts anderes als eine kleine schwarze Box mit Display, die den Fahrer vor Blitzern warnen, vor Geschwindigkeitsüberschreitungen bewahren und zu Staus, Unfällen und anderen Widrigkeiten informieren soll. Wo sich der Fahrer befindet und wie schnell er unterwegs ist, wird per GPS bestimmt. Die notwendigen Informationen zu Blitzerstandorten und Tempolimits sind einerseits in einer Datenbank auf dem Gerät hinterlegt, andererseits werden sie über die integrierte SIM-Karte per GPRS/GSM-Verbindung laufend aktualisiert.

Coyote setzt dazu auf unterscheidliche Quellen. Die per Mobilfunkverbindung an die Fahrassistenten gesandten Daten kommen von externen Anbietern aktueller Verkehrsdaten bzw. basieren auf Meldungen der sogenannten Coyote Scouts. Die in dem Coyote Fahrassistenten vorgehaltenen Daten stammen vom Kartenanbieter HERE (vormals Navteq), worauf schon das auf der Verkaufsverpackung aufgedruckte Here Logo hinweist.

Jeder Coyote-Nutzer – egal ob er den Fahrassistenten oder die iCoyote App für Android und iPhone nutzt – kann sich als Scout betätigen und Informationen wie geänderte Tempolimits, neue Blitzerstandorte oder eine sonstige Störung an Coyote melden. Dort werden die Daten anonymisiert, aufbereitet und in Echtzeit – Coyote spricht hier von Zeiten von deutlich unter einer Stunde – an die Geräte gesendet.

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Coyote Fahrassistent
Coyote Fahrassistent mit Staumeldung (Bild: Coyote)

Dieses System aus Hardware, Mobilfunkverbindung und aktuellen Informationen hat natürlich seinen Preis: Je nach Variante sind für einen Assistenten €169.-, €249.- oder €299.- hinzulegen (Straßenpreise sind teils niedriger). Dafür gibt es neben dem Gerät 12 Monate Echtzeitinfos in Deutschland/Österreich bzw. 12 oder 24 Monate Echtzeitinfos in Europa. Nach Ablauf des in dem jeweiligen Paket enthaltenen Zeitraums ist ein Abo notwendig, um weiterhin mit aktuellen Verkehrsdaten versorgt zu werden. Wer sich vor einem Kauf über die Abokosten informieren will, muss lange suchen. Diese wichtigen Infos hat Coyote auf seiner Webseite in den FAQ versteckt. Dort werden zwei Abo-Varianten aufgeführt: €144.- für 12 Monate plus einem kostenlosen Monat bzw. €250.- für 24 Monate (jeweils inkl. Mwst.).

Die Echtzeitinfos für Europa umfassen folgende Länder: Deutschland, Niederlande, Belgien, Frankreich, England, Polen, Spanien, Italien, Luxemburg. Dies bedeutet aber nicht, dass der Fahrassistent in anderen Ländern nicht funktioniert. In den FAQ schreibt Coyote: "In folgenden Ländern verfügen Sie über den Coyote Service: Andorra, Österreich, Belgien, Kroatien, Finnland, Frankreich, Ungarn, Irland, Italien, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Norwegen, Niederlande, Polen, Portugal, Tschechien, Rumänien, Großbritannien, Slowakei, Slowenien, Schweden, Schweiz, Ukraine, Russland und den USA". In diesen Ländern basieren die Warnungen auf den bereits im Gerät gespeicherten Daten.

Eine spannende Frage ist die rechtliche Seite. Beim erstmaligen Starten des Assistenten gilt es, unter anderem folgende Nutzungsbedingungen zu akzeptierten: "Darüber hinaus sind Sie selbst dafür verantwortlich, sich über lokale Richtlinien zur Nutzung des Gerätes und die geltenden Verkehrsregeln zu informieren." Eine Google-Suche mit den entsprechenden Begriffen fördert viele Artikel zutage. Ohne sich stundenlang in das Thema einzuarbeiten zeichnet sich folgendes ab: Die rechtliche Situation ist vielfach unklar, die Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden wird aber als relativ gering eingeschätzt. Und nun? In Ländern mit sehr rigiden Bestimmungen, allen voran die Schweiz, sollte man auf den Fahrassistenten besser verzichten, in Ländern mit aktiven Coyote-Communities spricht eher nichts gegen einen Einsatz. Wünschenswert wäre es, wenn Coyote – analog zu den belgischen, französischen, italienischen Versionen der Webseite – entsprechende Informationen zur Rechtslage auch auf deutsch zur Verfügung stellen würde.

Bei der Inbetriebnahme gilt es zunächst, einen Platz im Cockpit zu finden. Coyote liefert eine Halterung mit, die zwischen die Armaturen oder auf die Ablagefläche geklebt wird. Die Box selber wird in der Halterung per Magnet fixiert. Die Befestigung erweist sich im Test als zuverlässig, Ästheten können sich aber an dem rechts aus der Box herausstehenden Stecker des Ladekabels stören. Beim Einbauen in das Fahrzeug ist zu beachten, dass sich der Assistent möglichst im Blickfeld befindet und per Hand erreichbar ist. Neben der Halterung gehören ein USB-Kabel, ein 12-Volt-Adapter für den Zigarettenanzünder und zwei ausreichende Anleitungen zum Lieferumfang.

Weitere Halterungen werden derzeit im deutschsprachigen Coyote-Shop nicht angeboten, sollen aber kommen (z.B. eine Saugnapfhalterung). Ein universelles System, mit dem sich der Fahrassistent z.B. an einem Lüftungsgitter befestigen läßt, bietet der Halterungs-Spezialist Brodit an.

Ganz wichtig ist die Konfiguration des Coyote Fahrassistenten, insbesondere die Menüs zum Einstellen der Warnungen. Dies gilt für Störungen, Tempolimits, Müdigkeitswarnungen, dauerhafte Risikozonen, temporäre Risikozonen und Bereiche mit häufigem Risiko. Die optischen Meldungen und Hinweistöne/-stimmen lassen sich je nach Risikotyp unterschiedlich einstellen.

Beispiel Tempolimits, hier lässt sich wählen:

  • Tonsignal Überschreitung: ja/nein
  • Tempolimit: -10%/-5%/Tempolimit/+5%/+10%
  • Tonsignal bei Durchquerung: ja/nein.

In der Einstellung +10% wird erst bei einer Überschreitung des Tempolimits um 10% gewarnt. Die bei Navis häufig nachgefragte Funktion nach fest einstellbaren Grenzen (z.B. warne mich innerorts bei einer Überschreitung von 10 km/h und außerorts bei einer Überschreitung von 15 km/h) ist nicht vorgesehen. Außerdem: Warnungen gibt es nur für generelle und nicht für bedingte Tempolimits (z.B. nach Uhrzeit).

Beim Durchspielen der Einstellungen zeigt sich eine erste Schwäche des Fahrassistenten: Das Display reagiert manchmal sekundenlang auf keine Eingabe.

Coyote Fahrassistent: Geschwindigkeitshinweise und Anzahl Scouts
Coyote Fahrassistent: Geschwindigkeitshinweise und Anzeige der Anzahl an Scouts (62 Scouts auf der Strecke, Zuverlässigkeitsindex mit drei Sternen, 1 km Abstand zum nächsten Scout)(Bild: Coyote)

Bei den ersten Ausfahrten offenbart sich gleich: Der Coyote Fahrassistent hat das Potential zum Nerven. Reaktionen von Mitfahrern lauten häufig: "Schalte bitte den Kasten aus"! Diese Forderungen sind in der Regel den Geschwindigkeitswarnungen geschuldet. Eine Geschwindigkeitsüberschreitung von z.B. 10% wird auch bei vorsichtiger Fahrweise schnell erreicht. Deshalb empfiehlt es sich, entweder nur auf optische Warnungen zu setzen, das "Tonsignal bei Durchquerung" auszuschalten bzw. das Gerät entsprechend leise zu stellen. Ein Reduzieren der Lautstärke betrifft aber auch die hilfreichen Ansagen, mit denen z.B. auf dauerhafte Risikozonen hingewiesen wird. Eine getrennte Lautstärkeregelung von Warntönen und Ansagen wäre sehr praktisch.

Setzt man sich mit dem Thema Geschwindigkeitsbeschränkungen näher auseinander, fällt folgendes auf. Der Wechsel von Geschwindigkeitsbereichen, z.B. von 100 km/h auf 50 km/h, wird nur verzögert angezeigt. Und es zeigt sich, dass die angezeigten Tempolimits häufiger als erwartet nicht stimmen. Dies dürfte einerseits an den von HERE gelieferten Daten liegen, andererseits an fehlenden Korrekturen durch Coyote Scouts. Ein Beispiel: In einem Baustellenbereich am Mittleren Ring in München (Luise-Kiesselbach-Platz) gibt der Fahrassistent ein Tempolimit von 60 km/h an, laut Beschilderung sind es aber 40 km/h (Garmin und TomTom Navis liegen hier auch falsch). Da es sich um ein über eine längere Zeit und einen größeren Streckenabschnitt bestehendes Tempolimit handelt, wundert es, dass ein dynamisches System wie der Coyote Fahrassistent die aktuelle Geschwindigkeits- beschränkung nicht korrekt wiedergibt.

Diese Beobachtungen werfen Fragen wie "Sind nicht genügend Scouts unterwegs?", "Wird die Meldefunktion überhaupt genutzt?" oder "Wie aktuell ist die Coyote Datenbank?" auf.

Neue Störungen, Risikozonen oder Tempolimits lassen sich manuell durch Tippen oder per Sprachsteuerung melden. Die Spracheingabe funktioniert auch bei geringen Umgebungsgeräuschen nicht immer zuverlässig. Bei einer zukünftigen Fahrassistenten-Generation könnte man sich noch ein Starten der Sprachsteuerung per Stimme wünschen (analog zu Navis von Garmin und TomTom z.B. mit einem "Hallo Coyote"), aktuell ist ein Antippen des Displays notwendig.

Interessant ist die vom Fahrassistenten angezeigte Anzahl an Scouts (hauptsächliche Testregion: Großraum München und südlich davon). In ländlichen Regionen geht sie meistens gegen null, in München können es durchaus 14 Scouts und mehr auf 15 Kilometer sein (= maximaler Abstand, in dem sich Scouts befinden). Bei Autobahnfahrten variiert die Anzahl stark zwischen null und einem niedrigen zweistelligen Bereich (je nach Strecke/Region, Uhrzeit und Wochentag). Die angezeigten Zuverlässigkeitsindizes der Scouts liegen meist bei null oder einem Stern, als Maximum wurden zwei Sterne beobachtet (Zuverlässigkeitsindex: zwischen null und drei Sternen, beruht auf der Häufigkeit und der Zuverlässigkeit des Mitwirkens). Anhand der beobachteten Anzahl an Scouts ist zumindest in ländlichen Gegenden davon auszugehen, dass Echtzeitinformationen zu mobilen Blitzern wohl eher Seltenheitswert haben dürften.

Die Warnungen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen sind aber nicht alles, was der Coyote Fahrassistent zu bieten hat. Der Stauwarner informiert über die verbleibende Entfernung und Zeit bis zum Stauende, den eigenen Fortschritt im Stau und über die Art der Störung. Da der Fahrassistent kein Navigationssystem ist, kann er den Fahrer natürlich nicht vor Staus bewahren sondern hat primär einen informativen Charakter.

Wichtiger als die Staumeldungen sind die Warnungen vor temporären bzw. dauerhaften Risikozonen (primär Standorte von mobilen bzw. festen Blitzern), Sicherheitszonen (Bereiche, in denen mit einer Videoüberwachung mit Abstandsmessung zu rechnen ist) und sonstigen Gefahrenzonen (z.B. Fahrbahnverengung, stehendes Fahrzeug). Die Meldungen vor Risikozonen per Tonsignal und Ansagen erweisen sich in der Praxis als hilfreich und zuverlässig, zumindest werden alle bekannten festen Blitzer angezeigt. Eine sonstige Gefahrenzone, im konkreten Fall eine mehrtägige Fahrbahnverengung wegen Bauarbeiten, hat der Assistent dagegen nicht gemeldet. Ob es an einem Mangel an aktiven Scouts oder an den extern hinzugekauften Verkehrsdaten liegt sei dahingestellt.

Coyote Fahrassistent Prognosemodus
Coyote Fahrassistent Prognosemodus: Ereignisse auf den nächsten 30 Kilometern (Bild: Coyote)

Coyote Fahrassistent Test: Fazit

Die wichtigste Frage lautet: Für wen eignet sich der Coyote Fahrassistent? Die hohen Anschaffungs- bzw. monatlichen Kosten weisen schon darauf hin. Der Coyote Fahrassistent ist in erster Linie für Vielfahrer, die mit einem Festeinbau-Navigationssystem unterwegs sind, interessant. Festeinbau-Navigationssysteme verfügen vielfach über keinerlei Warnfunktionen, sei es vor Blitzern oder bei Geschwindigkeitsüberschreitungen. Für alle anderen Autofahrer, die lieber auf Technik statt auf eine angepasste und den Vorschriften entsprechende Fahrweise setzen, eignet sich eher die iCoyote Verkehrsinfo App oder ein Navigationssystem (PND) mit entsprechenden Meldungen.

Im Test konnte der Coyote Fahrassistent nicht in allen Belangen überzeugen. Die angezeigten Tempolimits sind nicht immer korrekt, zudem ist man schnell geneigt, die akustischen Meldungen komplett auszuschalten. Außerdem entsteht der Eindruck, dass es noch eine weitaus größere Anzahl an Scouts bedarf, damit das Coyote-System sein gesamtes Potential so richtig ausspielen kann.

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2 Gedanken zu „Ausprobiert: Coyote Fahrassistent“

  1. Also ich möchte nicht mehr ohne dieses kleine Teil fahren.Ich bin wirklich kein Raser aber ab und zu hat man schon einen schweren Fuss 🙂 aber die wirklichen Stärken des Gerätes liegen eigentlich in der Stau oder Unfallwarnung.Dazu muss ich sagen das ich in Frankreich wohne wo das System durch die höhere Anzahl der Benutzer besser funktioniert.(Es ist hier nicht verboten und sollte auch in D erlaubt werden) Bei mehreren Gelegenheiten hat uns das Gerät zumindest vor einer Vollbremsung bewahrt.Im französischen Zentralmassiv sind die Autobahnen zwar teilweise auf 110 kmh beschränkt aber die Kurven relativ eng und wir wurden 3 km vorher gewarnt und konnten so auch andere Fahrer warnen (Warnblink) die sonst mit 100- 120 kmh auf ein relativ verdektes Stauende aufgelaufen wären.Ich will euch nicht mit weiteren Beispielen langweilen aber das genannte war wirklich knapp.Natürlich freut es mich auch wenn das Ding bei einem versteckten Blitzer warnt wenn ich mal etwas flüssiger unterwegs bin (wer zahlt schon gerne eine Strafe ) aber ich bin mir sicher das auch weniger LKW´s auf Staus draufbrummen würden wenn mehr leute von dem Geheule des Coyote "geweckt" würden.Ich möchte an alle deutschen Politiker appellieren sich mal intensiv mit dem Coyote zu beschäftigen um sein wirkliches Potential zu erkennen. Eine Unfall oder Stauwarnung 10 Sekunden nach dem Unfall (oder vielleicht sogar Automatisch bei einem starken Schock) an alle folgenden Fahrzeuge wäre wirklich wünschenswert.Von Coyote wünsche ich mir dagegen eine Preisreduzierung beim Abonnement (Telefon kostet fast nichts mehr und die wollen 144 euros für ein Jahr)

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