Garmin Foretrex 601 Test

von Joachim Bardua
15. Oktober 2017

Preis bei Test

€ 249,99

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Garmin Foretrex 601 – das robuste GPS-Gerät zum Navigieren am Handgelenk im Test! Wir haben uns den Nachfolger des Foretrex 401 näher angeschaut. Aber nicht mit Nachtsichtbrille oder auf der Gamsjagd, sondern auf zahlreichen Outdoor-Touren in den bayerischen Bergen!

Der Foretrex 601 ist schließlich nicht nur für “normale” Outdoorer entwickelt worden. Extrem robust, dem militärischen Standard MIL-STD-810 entsprechend, kompatibel zu Nachtsichtbrillen, mit Jumpmaster-Modus und als Foretrex 701 mit Ballistics Elite-Software zum Berechnen von Korrekturen beim Schiessen – seine weiteren Einsatzbereiche sind somit klar: Jagd und Militär.

Garmin hat dem Foretrex 601 – gegenüber dem Foretrex 401 – einige Verbesserungen mitgegeben (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): Er erkennt zusätzlich GLONASS & GALILEO Satelliten, das Display ist jetzt 2-Zoll groß und löst höher auf, die Batterielaufzeiten sind deutlich länger, Bluetooth LE ist dabei, der Kompass hat 3-Achsen, hinzu kommt ein 3-Achsen-Beschleunigungsmesser, es lassen sich deutlich mehr Tracks speichern und der USB-Port ist unter den Batteriefachdeckel gewandert.

Allerdings hält der 601 nicht alles was Garmin verspricht. So ist auf der Produktseite “… der Barometer kann durch die Anzeige kurzfristiger Trends des Luftdrucks, Wetteränderungen vorhersagen” zu lesen – eine Funktion, die zumindest derzeit nicht implementiert ist!

Mit dem Foretrex 601 in den Bayerischen Alpen

Garmin Foretrex 601 Test

Bewertung: 70%

Foretrex 601 – In den Bayerischen Alpen

Garmin Foretrex 601 Test – Technik

Der Foretrex 601 erscheint in der Tat äußerst robust. Schon alleine der Batteriefachdeckel macht einen sehr stabilen Eindruck, sogar sein Scharnier ist analog zur Armbandbefestigung aus Metall.

Das Klettarmband wird auf der Rückseite mittels zweier Metallstege sicher befestigt. Zum Wechseln der Batterien bzw. Öffnen des Batteriefachdeckels muss es angehoben werden – gleiches gilt für den Zugriff auf den bestens vor Feuchtigkeit geschützten USB-Port. Das Armband lässt sich übrigens gegen die QuickFit Armbänder der fenix 5X auswechseln; ob sie am Foretrex gut aussehen sei mal dahingestellt.

Der Fortrex 601 wiegt inklusive Armband und NiMH-Akkus 101 g, ein toller Wert, insbesondere wenn die fenix 5X zum Vergleich herangezogen wird, die immerhin auf 97 g kommt!

Das Graustufen-Display ist mit 2-Zoll schön groß, seine Ablesbarkeit ist in der Summe sehr gut. Die Hintergrundbeleuchtung lässt sich in zwei Stufen regeln, bei Bedarf kann ein Navigationsmodus aktiviert werden, der im Grunde nur die Beleuchtung abschaltet bzw. ein Aktivieren verhindert.

Energieversorgung

Die von Garmin angegebenen Batterielaufzeiten sind in der Faktenbox aufgeführt, im Test sind wir mit zwei weißen eneloop AAA Akkus (Typ BK-4MCCE, 900 mAh) auf folgende Zeiten gekommen:

  • Energiesparmodus: 45:30 hh.mm (Beleuchtung ausgeschaltet, nur GPS, Trackaufzeichnung, keine Navigation, Kartenausrichtung nach N)
  • Powermodus: 20:15 hh:mm (Beleuchtung dauerhaft & maximal, GPS & GLONASS, Trackaufz., aktive Navigation, Display in Fahrtrichtung)

Die gemessenen Zeiten sind fast schon sensationell und setzen den 601 in dieser Disziplin an die Spitze aller von uns bisher getesteten Outdoor-GPS-Geräte. Mit schwarzen eneloops (Typ BK-4HCDE, 950 mAh), vor allem aber Lithium-Batterien dürfte noch eine deutliche Steigerung möglich sein möglich sein – vom UltraTrac-Modus mal ganz zu schweigen!

GPS

Der Foretrex 601 lässt sich mit folgenden Satellitensystemen verwenden:

  • GPS oder
  • GPS + GLONASS oder
  • GPS + GALILEO
  • WAAS / EGNOS in Ergänzung zu den genannten

Die Verwendung von GALILEO ist noch Zukunftsmusik, in der Praxis wurden auf der Satellitenseite bislang keine GALILEO Vögel entdeckt. Ein weiteres Plus ist die Integration von Assisted-GPS, was zusätzlich für eine extrem schnelle Positionsbestimmung sorgt (erkennbar an der Datei EPO.BIN, siehe unten, Abbildung interner Speicher; automatischer Download der Datei z.B. via Garmin Express).

Für den Satellitenempfang sorgt eine Patchantenne, die sich unter dem Garmin Schriftzug auf der Gehäuseoberseite befindet. Den besten Empfang hat der Foretrex also bei horizontaler Ausrichtung.

Wie genau fallen Trackaufzeichnungen aus? Mit einem Handgerät wie dem GPSmap 64s kann der Foretrex 601 nicht mithalten, sinnvoller ist es allerdings, ihn mit einem anderen Wearable zu vergleichen. Wie haben dazu eine fenix 5X herangezogen (die seit dem letzten Update auf Software-Version 6.0 in dieser Hinsicht deutlich besser geworden ist!). Die Trackaufzeichnungen des 601 sind bei diesem Vergleich aber als einen Tick besser einzustufen. Dazu kann sich jeder in der interaktiven Karte selbst ein Bild machen (zwei Aufzeichnungen von unseren GPS-Teststrecken).

Garmin Foretrex 601 – Die wichtigsten Fakten

  • Display: Graustufen-Display, 2-Zoll, 200 x 128 Pixel Auflösung
  • Batterie: 2x AAA
  • Batterie Laufzeiten: Bis zu 48 Stunden GPS-Modus, bis zu einer Woche UltraTrac-Modus, bis zu einem Monat Uhrmodus
  • Abmessungen: 7,4 x 4,3 x 2,3 cm
  • Gewicht: 101 g mit Armband & NiMH Akkus (gewogen)
  • Standards: IPX7, MIL-STD-810
  • Speicher, angezeigt: 8,4 MB (7,7 MB frei für Nutzerdaten)
  • Sensoren intern: 3-Achsen-Kompass, barometrischer Höhenmesser, 3-Achsen-Beschleunigungsmesser
  • Sensoren extern (ANT+): Herzfrequenz, Bike Trittfrequenz / Geschwindigkeit, Temperatur
  • Schnittstellen: ANT+, Bluetooth LE, USB
  • GPS-Empfänger: GPS, GLONASS, GALILEO, WAAS / EGNOS, A-GPS, Patchantenne, UltraTrac Modus
  • Smartphone: Verbindung per BT LE, mit Garmin Connect App (iPhone, Android, Windows)
  • Lieferumfang: Armband mit Klettverschluss, Verlängerungsband, USB-Kabel, Kurzanleitung


Aufzeichnungsinterval: * alle 10 m, ** 1s, *** auto maximum, **** intelligent

Script: GPX-Viewer (J. Berkemeier)

Speicher

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Speicherkapazität für Nutzerdaten. Im ersten Moment ist Entsetzen angesagt, werden im Mac-Finder doch nur 8,4 MB angezeigt.

Bei dieser Minikapazität ist Haushalten angesagt – was mit etwas Aufwand durchaus funktioniert. So empfiehlt es sich beispielsweise nicht, aus Garmin Connect mal eben eine Aktivität als GPX-Datei zu exportieren und auf den Foretrex 601 zu laden. Grund: Die Aktivität kann durchaus 1,6 MB groß sein und somit den Foretrex Speicher sprengen. Solche Dateien sollten vor dem Kopieren z.B. in Garmin BaseCamp mit der Funktion “Track filtern” auf ein vernünftiges Maß reduziert werden.

Uns sind folgende Speicherkapazitäten bekannt (Quelle Garmin bzw. eigene Tests)

  • 8,4 MB Speicher (7,7 MB verfügbar)
  • 500 Wegpunkte (Namen mit max. 8 Zeichen)
  • 20 Routen (je 125 Wegpunkte)
  • Tracks werden gleichzeitig als FIT- und als GPX-Dateien gespeichert
  • 100 gespeicherte Tracks (GPX: 500 Punkte; FIT: 10.000 Punkte)
  • Active Tracklog mit max. 10.000 Punkten
  • Zum Navigieren lassen sich Tracks (GPX-Dateien) mit mehr als 500 Punkten verwenden

In diesem Rahmen ist auch das Thema Trackaufzeichnung anzusprechen. Wie alle Garmin Outdoor-Geräte bietet der 601 die Optionen “Distanz / Zeit / Automatisch“. Dabei fällt auf, dass der Foretrex im Modus “Automatisch / maximale Auflösung” weniger Trackpunkte setzt als beispielsweise ein GPSmap 64s. Praktisch, schließlich ist keine automatische Trackarchivierung vorhanden, ein Überschreiben des Trackspeichers mit 10.000 Punkten kann somit herausgezögert bzw. ganz vermieden werden. Einem Aufzeichnungsmodus wie “Zeit / jede Sekunde” sollte man hingegen besser besser nicht verwenden. Für Touren zu Fuß hat sich auch der Modus “Distanz / alle 10 m” bewährt.

Tipp: Im Menü “Tracks” gibt es eine hilfreiche Info zur Speicherbelegung. Es ist auf langen Touren kein Fehler mal reinzuschauen und gegebenenfalls den aktuellen Track zu sichern.

Schnittstellen

Zur Verbindung mit der Außenwelt stehen ANT+, Bluetooth LE und USB zur Verfügung. Über ANT+ lassen sich diverse Sensoren koppeln und Daten (Routen, Tracks, Wegpunkte) mit einem kompatiblen Garmin-Gerät austauschen. Die Funktion “Senden” ist auf dem 601 allerdings recht versteckt, dazu muss erst eine einzelne Route bzw. ein Wegpunkt angesteuert werden. Für Tracks gibt es interessanterweise kein “Senden” Funktion.

Bluetooth LE verbindet den Foretrex mit einem Smartphone mit installierter Garmin Connect App. Funktioniert gut (z.B. Live-Tracking), was allerdings nicht klappt ist das Anzeigen von Smartphone-Benachrichtigungen.

Garmin Foretrex 601: Interner Speicher, Ordner, Dateien

Garmin Foretrex 601: Interner Speicher, Ordner, Dateien

Garmin Foretrex 601 Test – Bedienung, Konfiguration

Die Bedienung erfolgt ausschließlich über fünf Tasten, die sich – von der Power-Taste abgesehen – selbst mit Handschuhen gezielt ansprechen lassen.

Die Benutzeroberfläche fällt insgesamt sehr übersichtlich aus, um zu manchen Funktionen zu gelangen benötigt es jedoch einen langen Weg durch das Menü (z.B. Wegpunktprojektion). Es gibt insgesamt fünf Seiten: Karte, Kompass, Höhenprofil, Reisecomputer, Menü, Timer (optional). Die Reihenfolge lässt sich nicht ändern, ebenso ist ein Deaktivieren einzelner Seiten nicht möglich. In diesem Zusammenhang wird ein Anpassen des Hauptmenüs vermisst, z.B. ein ganz oben Anordnen wichtiger Funktionen (z.B. die Satellitenseite). Ebenso wäre ein Shortcut zum schnellen Starten / Stoppen der Trackaufzeichnung – z.B. in den Optionen der Kartenseite – äußerst sinnvoll.

Auf der Reisecomputerseite stehen vier kleine, zwei mittlere und ein großes Datenfeld zur Verfügung, die sich wie bei Garmin üblich mit zahlreichen Datentypen belegen lassen. Weitere Änderungen wie z.B. das Hinzufügen von weiteren kleinen Datenfeldern sind nicht vorgesehen.

Sensor, QuickFit Armband, Ladekabel

Garmin Foretrex 601 Test

Reisecomputer

Foretrex 601 – Reisecomputer

Garmin Foretrex 601 Test – Funktionen, Praxis

Ein Navigationssystem am Handgelenk hat gegenüber GPS-Geräten à la Oregon, GPSmap oder eTrex einen großen Vorteil: Der Griff zum Handgerät entfällt, die Karte ist jederzeit schnell ablesbar. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, insbesondere in anspruchsvollem Gelände! Ein Vorteil, den der Foretrex 601 mit der Garmin fenix 5 gemein hat – nur für ein paar hundert Euros weniger!

In der Praxis zeigt sich jedoch eine Schwäche: Folgt man einem Track, ist dieser auf dem Display nur schwer zu erkennen, die Tracklinie ist nur sehr fein eingezeichnet. Außerdem unterscheidet sich der zum Navigieren verwendete Track optisch nicht von der aktuellen Trackaufzeichnung – eine Differenzierung z.B. per Strickstärke wäre sehr hilfreich.

Ansonsten erledigt der Foretrex 601 seinen Job als Navigationssystem zuverlässig. Es kommen aber schnell weitere Wünsche auf. Ein optischer und akustischer Hinweis beim Abweichen von einem Track wäre hilfreich (die fenix 5X kann es ja auch … warum nicht auch der Foretrex bzw. alle anderen Garmin Handgeräte?), manch einer wird noch ein Mitteln von Wegpunkten vermissen, im Uhrmodus ein Anzeigen des Datums oder einen Wecker. Den nicht vorhandenen Barometermodus (Einsatz als Wetterstation) haben wir anfangs schon erwähnt – aber vielleicht verzichtet Garmin auf die eine oder andere Funktion um den Foretrex von den Handgeräten abzugrenzen?

Aus unserer Sicht wäre ein Aufbohren der Navigationsfunktionen wichtiger als eine Smartphone-Verbindung – alle “echten” Outdoorer würden sich vermutlich freuen!

Foretrex 601, QuickFit Armband

Garmin Foretrex 601 Test

QuickFit Armband

Foretrex 601 – QuickFit Armband statt Armband mit Klettverschluß

Foretrex 601, Rückseite, eneloop Akkus

Garmin Foretrex 601 Test

Batteriefach, eneloop Akkus

Foretrex 601 – Rückseite, Batteriefach, eneloop Akkus

%

Garmin Foretrex 601

Fazit

Auch wenn wir den Foretrex 601 hier und da kritisieren – er erweist sich immer wieder als ein superpraktisches Navigationssystem am Handgelenk! Ein schneller Blick genügt und der Outdoorer weiß ob er noch auf dem richtigen Weg ist!

Alternativen zum Foretrex wären die fenix 5 bzw. 5X. Die beiden Multisport-Uhren kosten dafür einige hundert Euro mehr und kommen in einer wichtigen Disziplin nicht an den Foretrex 601 ran: bei den Akkulaufzeiten!

In der Summe seiner Eigenschaften kann der Foretrex 601 für Sportarten und Outdoor-Aktivitäten wie Trailrunning, Wandern, Light Hiking und Bergsteigen bzw. wissenschaftliche Feldarbeit (Biologen, Geologen, …) durchaus empfohlen werden!

Leserbewertung: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (22 GPS-Fans, ∅ Score: 70,91 %)

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Pro

L

Stabil und wasserdicht

L

Bedienung mit Handschuhen

L

Sensationelle Akkulaufzeiten

L

Mehrere Satellitensysteme

L

Navigation am Handgelenk

Contra

L

Speicher könnte größer sein

L

Wenig Konfigurationsmöglichkeiten

L

Funktionsumfang

L

Sichtbarkeit von Tracks auf der Kartenseite

  • GPS 80%
  • Batterie 100%
  • Display 80%
  • Bedienung 60%
  • Navigation 60%
  • Ausstattung 40%
  • Karten 0%
  • Gesamtbewertung 70%

Bewertungskriterien

  • GPS-Empfang (Zeit bis zur ersten Positionsbestimmung, Genauigkeit von Tracks)
  • Akku (Laufzeiten mit eneloop Akkus)
  • Display (Ablesbarkeit unter wechselnden Bedingungen, Auflösung)
  • Bedienung (Einsteigerfreundlich, Anpassbarkeit, mit Handschuhen möglich, Touchscreenhandhabung / -empfindlichkeit)
  • Navigation (Routing, Zielführung)
  • Ausstattung (Anzahl an Funktionen)
  • Karten (weltweit / regional, Raster- / Vektor- / Marine-, Satellitenbilder, kostenlose OSM-Karten)
  • Jede Kategorie fließt zu gleichen Teilen in das Endergebnis ein.
Garmin Foretrex 601 Test was last modified: Oktober 21st, 2017 by Joachim Bardua
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