Festeinbau-Navigationssysteme sind eine interessante Alternative zu Stand-Alone PNAs. Nicht nur, weil sie sich perfekt in das Cockpit einfügen, sondern als eine universelle Navigations-, Entertainment- und Kommunikationszentrale anbieten.

Krämer KR-747

Die Festeinbau-Fraktion umgibt allerdings die Aura, besonders teuer zu sein. Das neue Krämer KR-747 beweist das Gegenteil. Sein attraktiver Preis von 399.- Euro macht es für alle Autofahrer interessant, die mit einem Festeinbau-Navi liebäugeln, aber von den hohen Kosten abgeschreckt werden.

Ein großes Plus des KR-747 ist das 4,3-Zoll Touchscreen Display. Das große Display ermöglicht eine komfortable Bedienung wie bei einem Stand-Alone PNA und bietet viel Platz für die Straßenkarte. Damit unterscheidet es sich von so manchem Radio-Navigationssystem, das nur eine reine Pfeilansicht bietet. Das Touchscreen-Display ist in das abnehmbare und motorisierte Bedienelement integriert. Für einen perfekten Diebstahlschutz wird es mit einem Handgriff abgenommen und in einer Kunststoffbox aufbewahrt. Das Bedienelement des KR-747 weist an der Unterseite einen Überhang von 1,5 cm auf – bei manchem Auto ist deshalb ein Einbau nicht möglich. In diesem Fall ist das Geschwisterchen KR-737 das Gerät der Wahl. Seine Displaygröße beträgt 3,5-Zoll, dafür kostet das ansonsten baugleiche System nur 349.- Euro.

Was bietet die Navigations-, Entertainment- und Kommunikationszentrale Krämer KR-747?

  • Navigationssystem mit Kartenmaterial von 44 europäischen Ländern
  • Bluetooth-Freisprecheinrichtung
  • FM/AM-Radio
  • DVD/CD-Player für Musik und Videos
  • USB- und SD-Karten-Slot für unterschiedlichste Medien und Zuspielgeräte
  • Anschlüsse für zwei Rückfahrkameras

Ausführliche Informationen zu Technik und Funktionen hält die Webseite von Krämer Automotive bereit.

Das Navigationssystem im Detail

Die hauseigene Navigationssoftware Krämer RC-Win 3 CE wird mit bewährten Komponenten kombiniert: TeleAtlas/ NAVTEQ Kartenmaterial von Europa (Stand Q4/2008), SiRF III GPS Empfänger und Microsoft Windows CE 6.0 als Betriebssystem.

Der SiRF III GPS-Empfänger wird beim Krämer KR-747 seinem guten Ruf gerecht. Positionierungsfehler sind während der Testphase nicht aufgetreten, lediglich bei der Positionsbestimmung nach einem Aus über mehrere Stunden muß manchmal etwas Geduld mitgebracht werden. In dieser Disziplin haben GPS-Empfänger mit Assisted GPS oder SiRFInstantFix die Nase vorn.

Menüführung und Zieleingabe

Als Navigationssoftware wird das hauseigene Krämer RC-Win 3.0 CE eingesetzt. Das Menü wirkt zwar nicht so übersichtlich wie bei Klassenprimus TomTom, erlaubt aber eine flotte Bedienung und eignet sich auch gut für Navi-Novizen. Besonders praktisch ist das individuell konfigurierbare Quickmenü zum Zugriff auf wichtige Funktionen. Das motorisierte Bedienelement läßt sich über die Fernbedienung schräg stellen, so daß die Bedienung noch leichter fällt.

Ziele werden über alle nur erdenklichen Möglichkeiten ausgewählt:

  • Eingabe von Adressen
  • Orts-/Straßenmitte, Kreuzungen
  • Zielauswahl über die Karte
  • Eingabe von Koordinaten
  • Favoriten
  • Zuletzt eingegebene Ziele
  • Sonderziele (in der Nähe, entlang der Strecke, …)

Die Eingabe von Adressen wird durch eine schnelle Vorauswahl von Zielen und eine Buchstabenausblendung erleichtert. Die Software akzeptiert die Eingabe von z.B. “ue” statt “ü”. Es empfiehlt sich, im Setup als Tastataurlayout “Alphabetisch” statt “Deutsch” einzustellen. Bei der deutschen QWERTZ-Tastatur sind die einzelnen Buttons arg klein und benötigen zum Tippen zierliche Finger.

Krämer KR 747, 2D Ansicht

Krämer KR 747, Route bearbeiten

Krämer KR 747, Sonderziele

Routenplanung

Zur Auswahl stehen eine kurze, schnelle und ökonomische Route. Die Option “schnell” erweist sich in der Regel als die beste Wahl. Ökonomische Routen, eine Mischung aus kurz und schnell, unterscheiden sich selten von der schnellen Variante. Die vom KR-747 gewählten Routen führen auf sinnvollen Strecken zum Ziel, die errechneten Angaben zur Fahrtzeit sind realistisch.

Die Ausschlußkriterien sind auf das Notwendigste beschränkt. Der Fahrer kann zwischen Autobahnen, Mautstraßen und Fähren, jeweils mit der Option verwenden oder meiden, wählen.

Bei der Routenberechnung erobert sich das Krämer KR-747 einen guten Platz im Navi-Ranking (Beispiele, Einstellung: Schnellste Route):

  • Nahverkehr, 8 km: 3,5 Sek
  • Autobahn/Stadt kombiniert, 50 km: 7,4 Sek.
  • Fernverkehr, 400 km: 12,6 Sek.
  • Fernverkehr, 810 km: 17,4 Sek.
  • Fernverkehr, (Autobahn und Landstraße), 1000 km: 33,6 Sek.

Das Krämer-Navi zeigt im Anschluß an die Routenberechnung die zu fahrende Strecke leider nicht in einer Übersichtskarte an. Zu diesem Zweck muß der Pfad “Hauptmenü > Routeninformation > Gehe zu > Übersicht” getippt werden.

Eine Routenplanung mit mehreren Zwischenzielen ist auch vorgesehen. Die Routen lassen sich bearbeiten, speichern und wieder laden; eine Optimierung der Mehrzielrouten steht ebenfalls zur Verfügung.

Optische und akkustische Zielführung

Bei Festeinbau-Navis muß aufgrund der “ungünstigen” Platzierung außerhalb des Blickfelds des Fahrers besonders viel Wert auf eine überragende akkustische Zielführung gelegt werden. Um so mehr freut es, daß das Krämer KR-747 in dieser Disziplin punkten kann. Die überaus angenehme und freundliche Stimme leitet präzise durch das Verkehrsgetümmel. In Kombination mit der Ausgabe über die Autoloautsprecher ist die Sprachqualität vom Feinsten. Die Ansagen sind von Timing und Häufigkeit nahezu perfekt, lediglich bei langen Geradeausstrecken wünscht man sich hin und wieder einen zusätzlichen Hinweis. Besonders bei Strecken, die sich auf Nebenstraßen durch die Stadt schlängeln, stellt man sich schnell die Frage “Bin ich noch richtig?”. Größter Kritikpunkt ist die unangenehme Eigenschaft, hin und wieder den Anfang einer Ansage zu verschlucken. Wünschenswert wäre der Hinweis, ob das erreichte Ziel auf der rechten oder linken Straßenseite liegt. So mancher Nutzer mag auch die Auswahl zwischen einer männlichen und weiblichen Stimme vermissen.

Die optische Zielführung läßt sich individuell anpassen. Es kann zwischen einer reinen Kartenansicht, einer Splitscreenanzeige (links die Karte, rechts ein dynamischer Richtungspfeil) oder einer dynamischen Ansicht, bei der automatisch zwischen Karte und einer Pfeilansicht gewechselt wird, wählen. Informationen wie die Ankunftszeit und die Restkilometer zum Ziel werden unterhalb der Karte eingeblendet; weitere Infos wie Geschwindigkeit, Fahrtzeit etc gibt es optional auf der rechten Seite. Der Name der aktuellen Straße und die reale Beschilderungsanzeige machen das Infopaket komplett.

Das 4,3-Zoll Display des KR-747 muß kritisiert werden. Bei Sonneneinstrahlung ist es nur sehr schwer ablesbar, außerdem verdunkelt der Nachtbildschirm nur die eigentliche Karte, alle anderen Elemente und Seiten bleiben weiterhin hell.

In Tunnels navigiert das KR-747 souverän weiter. Besonders überzeugend ist das Verhalten beim Abweichen von der Route. Statt den Fahrer auf die ursprüngliche Strecke zurückzuzwingen, berechnet das KR-747 in null komma nichts eine komplett neue Route.

Weitere Navi-Funktionen

  • Individuell konfigurierbare Warnungen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen
  • Routensimulation, Wegbeschreibung
  • Sperrung von Streckenabschnitten
  • Tripcomputer
  • Aufzeichnen der zurückgelegten Strecke (GPS-Spur). Die Daten werden auf der Navisoftware-Speicherkarte im Ordner “UserTracks” als gpx-Datei abgelegt.
  • Anzeige der aktuellen GPS-Position und der Empfangsqualität

Bluetooth Freisprecheinrichtung

Freisprecheinrichtungen gehören bei Navigationssystemen zu den beliebtesten Features. In vielen Fällen muß man sich aber mit einer schlechten Sprachqualität herumärgern. Das Radio-Navigationssystem Krämer KR-747 beweist das Gegenteil, mit ihm lassen sich lange Telefonate ganz entspannt führen.

Das Test-Handy, ein Sony-Ericsson XPERIA, wurde problemlos erkannt und gekoppelt. Auch beim erneuten Einschalten des Navis erfolgt eine sofortige Verbindung. Auf zwei Komfortfunktionen muß man allerdings verzichten. Ein Tippen von Telefonnummern über das Display des KR-747 ist ebensowenig möglich wie ein Übertragen des Telefonbuchs. Dafür gibt es eine Anrufliste mit erhaltenen bzw. nicht angenommenen Anrufen sowie gewählten Rufnummern. Geht ein Anruf ein, muß nur das grüne oder rote Icon auf dem Display angetippt werden. Eine Alternative ist die automatische Rufannahme nach 30 Sekunden.

Medienwiedergabe

Das Krämer KR-747 dient als perfekter Entertainer. Es spielt Videos und Musik ab und führt Bilder vor. Ein 4-Band Equalizer (Classic, Pop, Rock, Flat) und Einstellungen für Volume, Balance, Fader, Treble und Bass sorgen für einen perfekten Klang. Für Videos gibt es zahlreiche Konfigurationsmöglichkeiten, wie z.B. Sprachauswahl, Helligkeit, Kontrast und Farbgebung.

Unterstützte Dateitypen

  • Audio: MP3, WMA
  • Video: AVI, MPEG 1, MPEg 2
  • Bilder: JPEG

Unterstütze Datenträger

  • SD/MMC Karten
  • Keine SDHC-Speicherkarten
  • USB 1.1 Geräte (USB 2.0 Geräte werden erkannt)

Das FM/AM-Radio bietet Funktionen wie zahlreiche Programmspeicherplätze, Sendersuchlauf sowie Verkehrsfunkalarm. Bei aktiver TA Alarm Funktion (Traffic Announcements) werden die Verkehrsnachrichten mit Vorrang vor allen anderen Medien ausgegeben. Einen Nachteil wurde festgestellt: Wird beispielsweise Musik von CD abgespielt, so verharrt das System nach der Ansage von Verkehrsnachrichten im Radio-Modus, anstatt den begonnenen Titel weiter abzuspielen.

Lieferumfang und Inbetriebnahme

  • KR-747
  • Fernbedienung
  • GPS-Antenne (3m)
  • Einbaurahmen
  • Krämer Automotive Navigationssoftware RC-Win 3 Mobile
  • AV-Kabel
  • DIN-Anschlusskabel für KFZ
  • Installations- und Bedienungsanleitung
  • Einbau-Zubehör
  • Aufbewahrungsbox für das Bedienteil

Der Einbau gestaltet sich auch für einen bekennenden Autoradio-Hifi-Laien wie dem Autor recht einfach, vorausgesetzt, das Auto ist mit einem genormten 1-DIN Einbauschacht ausgestattet. Der Lieferumfang beinhaltet fast alle notwendigen Teile; beim Testwagen wurde zusätzlich ein Antennenadapter und eine Einbaublende benötigt. Lediglich zwei Strippen, eine für die mit einem Magnetfuß ausgestattete GPS-Antenne und eine für das Mikrophon, müssen durch eine Lücke in den Armaturen nach außen geführt werden.

Hinweis: Falls sich das System die vorgenommenen Einstellungen nicht merkt, müssen bei einigen Modellen von Audi, VW oder Opel zwei Stecker vertauscht werden – wer zu der Fraktion der Bedienungsanleitungsleser gehört, ist nicht nur bei dieser Frage eindeutig im Vorteil. Insbesonders zum Thema Setup sollte man unbedingt das Gerätehandbuch konsultieren.

Fazit

Das Krämer KR-747 vereint Navigationssystem, Freisprecheinrichtung, Radio und Mediaplayer in einem Gehäuse. Die einzelnen Komponenten sind optimal aufeinander abgestimmt, so daß der Käufer ein rundes Komplettpaket zu einem überaus attraktiven Preis erhält.

Das Navigationssystem kombiniert die Vorteile zweier Welten: Es bietet auf der einen Seite alle grundlegenden Funktionen eines Stand-Alone PNA, auf der anderen Seite eine perfekte Integration in den Cockpit und eine Anbindung an die Audioanlage des Fahrzeugs. Schwächen wie das bei Sonneneinstrahlung schlecht ablesbare Display oder das Abschneiden von Ansagen verzeiht man dem KR-747 dank seiner vielen Pluspunkte nur allzu gerne.

Das Krämer KR-747 – oder sein Geschwisterchen KR-737 – kann jedem Autofahrer empfohlen werden, der die Vorteile eines Festeinbau-Navis schätzt und ein All-In-One System einem mit allen nur erdenklichen Funktionen ausgestatteten Navi vorzieht.

Ergänzung September 2010: Mittlerweile gibt es ein TMC/TMCPro Update für die KR-Serie

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Festeinbau-Navi Krämer KR-747 im Test was last modified: März 6th, 2016 by Joachim Bardua
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