Der Monterra, mit dem Garmin gleichermaßen professionelle wie freizeitorientierte Nutzer ansprechen will, gilt als das neue Flaggschiff unter den Garmin Outdoor-GPS-Handgeräten.

Und wie es sich für ein Flaggschiff gehört, führt es die Garmin-Flotte in vielerlei Hinsicht an. Android 4.0.4 (“Ice Cream Sandwich”), Bluetooth, WiFi, ANT+, NFC, UV-Sensor, kapazitives Display, HD-Video, Mikrofon, Lautsprecher, GPS & GLONASS – um nur ein paar Highlights zu nennen. Aber auch beim Preis ist der Monterra führend. Für ihn sind immerhin 560.- bis 590.- Euro hinzulegen!

Garmin Monterra: Garmin-Flaggschiff mit Android 4.0.4 Ice Cream Sandwich (zum Vergrößern anklicken)

Garmin Monterra: Technik

Der nach IPX7 wasserdichte Monterra wiegt kräftige 332 g (inkl. Li-Akkupack) bzw. 368 g (inkl. 3x eneloop AA Batterien), seine Abmessungen betragen stolze 7,5 x 15 x 3,6 cm. Damit ist er noch etwas schwerer und minimal größer als der schon nicht besonders schlanke Garmin Montana, dem bis zum Erscheinen des Monterras größten und teuersten Garmin Outdoor-GPS-Handgerät.

Wie die Praxis zeigt, schränken Größe und Gewicht den Einsatzbereich des Monterras deutlich ein. Bei sportlichen Mountainbike- und Rennradtouren hat er am Lenker nichts zu suchen, beim Wandern erweist er sich als ein ordentlicher Klotz. Lediglich beim Geocachen und gemütlichen Tourenradeln erobert er sich einen Platz, hat es aber schwer, sich gegen eine starke Konkurrenz wie dem Oregon 600/650 oder dem GPSmap 64s durchzusetzen.

Kommen wir zum kapazitiven Display, das mit einer Größe von 4-Zoll reichlich Platz bietet, auch unter schwierigen Lichverhältnissen sehr gut ablesbar ist und eine elegante und flotte Bedienung erlaubt. Mit dünnen Fleece- oder Fahrradhandschuhen läßt es sich sehr gut bedienen, vorausgesetzt, der "Handschuhmodus" zum Erhöhen der Touchscreenempfindlichkeit ist aktiviert. Ideal sind spezielle Handschuhe für kapazitve Displays, dann reicht die normale Empfindlichkeiteinstellung vollkommen aus. Mit dicken Handschuhen ist der Monterra dagegen nahezu nicht mehr zu bedienen. Bei leicht feuchten Fingern gibt es keine Einschränkungen, bei richtiger Nässe reagiert das Display jedoch unvorhersehbar.

Je nach Anwendung ist die geringe Auflösung von 272 x 480 Pixel eine Schwachstelle. Beim Navigieren mit der Garmin Outdoor-Software oder dem Betrachten von Karten fällt dies nicht so in’s Gewicht wie beispielsweise beim Lesen von Mails oder Surfen im Internet. Für solche Anwendungen ist die Auflösung des Monterras nicht mehr zeitgemäß und in keinsterweise mit modernen Smartphones vergleichbar.

Der interne Speicher des Monterras umfasst 6,1 GB, davon sind noch rund 2,59 GB nutzbar. Den größten Teil des Speichers nimmt die vorinstallierte Freizeitkarte von Europa ein, sie besetzt ca. 2,7 GB. Bei Bedarf lassen sich bis zu 64 GB große microSD-Speicherkarten verwenden. Apps lassen sich nicht auf die Speicherkarte verschieben, mit der integrierten Kamera gemachte Fotos oder Videos können nur intern gespeichert werden. Die fehlende Auswahlmöglichkeit des Speicherplatzes mag beim Einsatz von Speicherkarten mit vorinstalliertem Garmin-Kartenmaterial sinvoll sein, unter dem Aspekt speicherfressende HD-Videos dagegen nicht. Als Workaround bietet sich ein Verschieben von Dateien mit einer App wie dem "ES Datei Explorer" an.

Ein Texas Instruments OMAP 4 Prozessor mit zwei Kernen (je max. 1.200 Mhz) sorgt für ausreichend Speed, Positionsbestimmungen erfolgen über einen MediaTek MT3333 GNSS Chipsatz mit GPS & GLONASS, bei Bedarf läßt sich WAAS/EGNOS aktivieren und GLONASS abschalten. Die Positionierungsgenauigkeit ist unter guten Empfangsbedingungen hervorragend, zahlreiche Trackaufzeichnungen zeigen jedoch, dass der Monterra von Outdoor-Handgeräten wie dem GPSmap 62 oder dem neuen GPSmap 64 getoppt wird. Umso wünschenswerter wäre eine Anschlussmöglichkeit für eine externe GPS-Antenne, auf die Garmin beim Monterra interessanterweise verzichtet. Vor allem professionelle Anwender könnten dafür Bedarf haben.

Kopfhörer lassen sich an einer seitlichen 3,5mm Klinkenbuchse anbringen, das Kopfhörerkabel dient zusätzlich als Antenne für das integrierte FM-Radio. Als Antenne kann auch ein beliebiges Kabel mit passendem Stecker herhalten, die Audioausgabe erfolgt dann über den eingebauten Lautsprecher. Beim Einsatz als Autonavi reicht die maximale Lautstärke nicht aus. Für diesen Zweck empfiehlt sich eine Garmin-Fahrzeughalterung mit integriertem Lautsprecher.

Ein auf der Oberseite angebrachter UV-Sensor informiert über den aktuellen UV-Index, der von der vorinstallierten Garmin Wetter-App angezeigt wird. Je nach Index sind entsprechende Schutzmaßnahmen sinnvoll (Sonnenbrille/-hut/creme).

Ein barometrischer Höhenmesser und ein elektronischer 3-Achsen Kompass mit Neigungskorrektur gehören zur weiteren Ausstattung des Monterras. Im Test liefert der Höhenmesser präzise Angaben zu den zurückgelegten Höhenmetern, beim Kompass fällt negativ auf, dass es beim Kalibrieren keine Pausen zwischen den einzelnen Drehrichtungen gibt.

Big Brothers: Garmin Monterra (links) und Garmin Montana (©Navigation-Professionell)(click!)

Garmin Monterra: Schnittstellen

Der Monterra ist mit zahlreichen Schnittstellen ausgestattet: High-Speed USB, ANT+, Bluetooth 3.0 (mit Option auf Bluetooth 4.0), NFC, WLAN b/g/n. Folgende Erfahrungen wurden während des Tests gemacht:

  • Anschliessen an einen PC per USB: Der Monterra erscheint im Windows-Explorer als eigenes Laufwerk, es besteht Zugriff auf den internen Speicher und die Speicherkarte per MTP (Media Transfer Protocol); zusätzlich wird der Akku geladen.
  • WiFi: Der Monterra läßt sich in jedes Netzwerk integrieren, im Test ist es dabei aber des Öfteren zu Verbindungsabbrüchen gekommen. Über ein als WLAN-Hotspot dienendes Smartphone kann der Anwender mit dem Monterra auch unterwegs online gehen.
  • Bluetooth-Tethering (über ein Smartphone stromsparend in das Internet gehen): In Verbindung mit einem Samsung Galaxy S3 Smartphone nicht möglich (vermutlich ist das entsprechende Bluetooth-Profil beim Monterra nicht implementiert).
  • Datenaustausch per Bluetooth: Mit einem Samsung Galaxy S3 Smartphone in beide Richtungen möglich.
  • Externen GPS-Empfänger per Bluetooth anbinden: Der GPS-Empfänger läßt sich verbinden, Positionsdaten werden von der App "Bluetooth GPS Provider" angezeigt, Apps wie z.B. "ViewRanger GPS" können die Daten aber nicht verwenden.
  • ANT+ Sensoren: Verbinden mit Garmin-Sensoren (tempe Temperatursensor, Herzfrequenzgurt, GSC-10 Trittfrequenz-/Geschwindigkeitssensor) funktioniert, vom GSC-10 wird aller nur die Trittfrequenz angezeigt.
  • NFC: Wurde nicht allzu intensiv ausprobiert, da es sich in der Outdoor-Praxis nur als bedingt brauchbar erwiesen hat.
  • NMEA 0183 Kompatibilität, serielle Schnittstelle: Nicht vorhanden (eventuell mit Android nicht umsetzbar).

Die Schnittstellen-Optionen des Monterras sind insgesamt gesehen recht enttäuschend. Nicht nur weil es zu WLAN-Verbindungsabrüchen oder Fehlern beim Bluetooth-Pairing kommen kann, sondern vor allem hinsichtlich des Funktionsumfangs. Der Monterra ist nicht NMEA 0183 kompatibel, derzeit ist kein stromsparendes Bluetooth-Tethering möglich, noch kann er mit anderen Outdoor-GPS-Handgeräten von Garmin Daten per ANT+ austauschen.

Garmin Monterra: Akkus, Batterien

Der Monterra läßt sich wahlweise mit drei AA Batterien/Akkus oder dem mitgelieferten, im Monterra aufladbaren 2.000 mAh Lithium-Akkupack betreiben. Garmin macht zur Betriebsdauer folgende Angaben:

  • Bis zu 16 Stunden mit Lithium Ionen (mitgeliefertes Akkupack)
  • Bis zu 22 Stunden mit AA Batterien

Im Test ergeben sich teils deutlich unter den Angaben von Garmin liegende Laufzeiten. Wie Garmin auf derart optimistische Werte kommt ist schlichtweg schleierhaft.

Li-Akkupackeneloop 1.900 mAhPolarcell NiMH 2.900 mAhNiMH 2.850 mAh
Maximal*03:1504:1504:15tbd
Minimal**10:1511:3011:3013:00***

*: GPS & GLONASS, Displayhelligkeit 100%, dauerhafte Beleuchtung, Karte in Fahrtrichtung, aktive Navigation, Trackaufzeichnung, Bluetooth/WiFi/ANT+ ausgeschaltet
**: GPS & GLONASS, Gerät überwiegend im Ruhezustand, Karte nach Norden ausgerichtet, keine Navigation, Trackaufzeichnung, Bluetooth/WiFi/ANT+ ausgeschaltet
***: nur GPS, sonst wie zuvor

Garmin Monterra: Apps, Benutzeroberfläche

Garmin Outdoor-Software

Die Benutzeroberfläche läßt sich analog zu Android-Smartphones durch ein individuelles Arrangieren einzelner Buttons oder Widgets perfekt an die eigenene Bedürfnisse anpassen.

Das Hauptmenü ist in drei Abschnitte gegliedert: Garmin, Apps, Widgets. Unter "Garmin" stehen diverse Anwendungen zur Verfügung (Abbildung rechts), mit denen Garmin-Kenner schnell zurechtkommen sollten, Einsteiger in die Materie aber eine gewisse Einarbeitungszeit benötigen. Für manche Anwender könnte die kleine Textgröße für die App-Bezeichnungen limitierend sein.

Besonders gut gefallen Funktionen wie die Track-Steuerung (analog zum Garmin Oregon 600/650) oder beim Geocaching das Verknüpfen der Caches mit den zusätzlichen Wegpunkten bzw. nächsten Stationen. Ansonsten bietet der Monterra zum Navigieren die gleiche Funktionsvielfalt wie andere Garmin Outdoor-GPS-Handgeräte. Allerdings ist zu beachten, dass die aktuelle Outdoor-Software Version 1.19 noch diverse Macken aufweist. Vor einem eventuellen Kauf sollte man sich also über den aktuellen Stand informieren (z.B. Monterra Software-Updates, Monterra Fehler (englisch)).

Im Abschnitt "Apps" finden sich diverse vorinstallierte Anwendungen wie Google Plus, Google Mail, Kalender und Google Chrome. Weitere Apps lassen sich problemlos installieren, Beispiele sind Outdoor-Apps wie Viewranger GPS, Locus Pro und TwoNav, Geocaching-Apps wie c:geo oder GeOrg und sonstige Apps wie Google Sky Map. Je nach App muss man sich allerdings mit der geringen Auflösung arrangieren bzw. mit dem Thema Offline-Karten auseinandersetzen. Zu Erwähnen ist noch die vorinstallierte PeakFinder App (Testversion mit begrenzter Laufzeit), die einem hilft, jeden Gipfel zu identifizieren.

Für professionelle Anwender ist die Verfügbarkeit von entsprechenden Apps ein Kriterium beim Für und Wider. Garmin führt ein paar spezifische Apps auf dieser Monterra Seite auf, ob die Auswahl in Google Play mit der Zeit größer wird, sei dahingestellt.

Im Setup sind neben den üblichen Android- auch die Garmin-Einstellungen zu finden. Dazu gehören Einstellungen für die Karte, die Trackaufzeichnung und das Routing. Besonders hilfreich sind die einzeln ein- oder ausblendbaren Ebenen für die Kartenseite, z.B. Custom Maps, POIs oder Trackaufzeichnungen und die zahlreichen Konfigurationsmöglichkeiten für den Reisecomputer inklusive der immensen Auswahl an Datentypen. Vermisst werden dagegen unterschiedliche Zoom-Massstäbe für einzelne Kartenelemente ( Geocaches, Wegpunkte, …) bzw. wählbare Textgrößen für diverse Bezeichnungen auf der Karte (Straßennamen, Wegpunkte, …). Das Fehlen ist möglicherweise auf Restriktionen seitens Android zurückzuführen.

Zur Bedienung stehen neben dem Touchscreen drei Hardware-Tasten mit Funktionen zur Lautstärkeregelung, Touchscreen-Sperre etc. zur Verfügung. Wer allerdings den Oregon 600/650 kennt, wünscht sich schnell eine frei belegbare Benutzertaste.

Garmin Monterra: Zubehör

Einer der großen Vorzüge des Monterras ist die Einbettung in das Garmin-Universum. Dies gilt insbesondere für die große Vielfalt an Karten. Mit City Navigator Straßenkarten läßt er sich als nüvi einsetzen, mit einer der vielen topografischen Karten als weltweiter Outdoor-Navigator. Kostenlose OpenStreetMap-Karten lassen sich genauso verwenden wie Custom Maps bzw. BirdsEye Satetellitenbilder.

Für jeden Einsatzzweck gibt es unterschiedliche Halterungen, beispielweise für Auto-, Fahrrad-, Motorradfahrer oder Bootsführer. Das umfangreiche Zubehörprogramm stammt übrigens vom Montana.

Der Lieferumfang fällt umfangreich aus, er beinhaltet USB-Kabel, Netzteil, Akku und Displayschutzfolien. Noch nicht erwähnt wurde die vorinstallierte Freizeitkarte 1:100.000 von Europa, die insbesondere beim Navigieren mit Tracks oder Routen hilfreich sein kann.

Garmin Monterra: Fazit

Ein auf Android basierendes Outdoor-GPS-Handgerät für Profis und Freizeit-Anwender ist ein überaus interessantes Konzept, nur ist die Umsetzung Garmin nicht so recht gelungen.

Android 4.0.4 ist veraltet, beim Thema Schnittstellen besteht Nachholbedarf, die Akku-/Batterielaufzeiten sind nicht so lange wie man es von Garmin Outdoor-Geräten gewohnt ist, Videos lassen sich nicht auf der Speicherkarte speichern … um nur ein paar Schwächen des derzeit nicht ausgereiften Monterras aufzulisten.

Der Monterra erinnert in mancher Hinsicht an das einstige Garmin-Flaggschiff "Colorado", das 2008 auf den Markt gekommen und anschließend sang- und klanglos untergegangen ist. Ob dem Monterra das gleiche Schicksal zuteil wird hängt von der weiteren Entwicklung ab, allen voran einem Update auf ein aktuelles Android. Schließlich bietet der Monterra einige Vorzüge wie das excellente Display und die Vielfalt an installierbaren Apps.

Größe und Gewicht schränken die möglichen Einsatzszenarien aber deutlich ein. Insbesondere unter diesem Gesichtspunkt ist bei einer Kaufentscheidung die Frage zu stellen, ob nicht ein anderes GPS-Gerät sinnvoller ist? Konkurrenz aus dem Hause Garmin gibt es schließlich mehr als genug!

Garmin Monterra: Bewertung

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Garmin Monterra: Screenshots

Übersicht über alle Einstellungen

Garmin Einstellungen

Einige Garmin Einstellungen im Detail

Aktivieren von einzelnen KartenebenenRichtung/Kompass-Einstellungen
Höhenmesser Setup: Der Monterra verfügt nicht über die Autokalibrierungsoptionen wie der Oregon 600/650 (Nur beim Einschalten/Fortlaufend)Garmin ActiveRouting Optionen

Diverse Einstellungen im Detail

Standortdienste Profil-Manager: Über das Plus-Symbol oben rechts wird ein neues Profil erstellt
Display Einstellungen: Der Handschuhmodus erhöht die Empfindlichkeit des kapazitiven Displays (analog zum Oregon 600/650)Diverse Einstellungen für die Töne

Screenshots von Garmin Anwendungen

Alle Garmin AppsGarmin Wetter App
Garmin Geocaching App: Die zusätzlichen Wegpunkte sind jetzt mit dem Geocache verknüpft; mit "Abschnitt hinzufügen" wird ein weitere Station hinzugefügt. Reisecomputer: Läßt sich analog zum Oregon 600/650 auf vielfältige Art und Weise konfigurieren (kleine/große Datenfelder, Anzahl Seiten)
Wegpunkt-Manager: Die Wegpunkte lassen sich filtern. Routenplaner: Einzelne Wegpunkte lassen sich per Drag & Drop elegant verschieben.
Komfortables Hinzufügen eines Zwischenziels. Benachrichtigungsleiste (oben am Bildschirm): Nach einem Neustart werden die Garmin-Dienste geladen; Schnellzugriff auf die Tracksteuerung und auf die Profile.
Monterra als Auto-Navi: Garmin City Navigator Karten und "Automotive" Profil

Screenshots von diversen Apps

Sygic GPS Navigation: Auto-Navigation mit SprachansagenGPS Test
ViewRanger GPSGoogle Sky Map
Android Outdoor-Navi Garmin Monterra im Test was last modified: Januar 12th, 2017 by Joachim Bardua

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